Das Remake Duell: "King Kong" Vs "King Kong" Vs "King Kong"

„King Kong“: 50% King, 50% Kong. Die Geschichte eines Ping Pong Champions, mit einer tragischen Rechtschreibschwäche. Und der Klang der nervigsten Türklingel der Welt! (Okay, ich höre jetzt auf.)

Jeder kennt die Geschichte des Riesenaffen, der erst eine hübsche Frau kidnappt, dann selber Opfer eines Kidnappings wird und schließlich mächtig Eindruck in New York hinterlässt. Vor allem auf dem Gehsteig vor dem Empire State Building. (Bu-bumm TSCH!) Kaum ein Film ist mehr in unseren Köpfen mit Kinomagie verbunden, als dieser. Es gibt keine Retrospektive auf die Geschichte des Kinos, die ohne „King Kong“ auskommt. Okay, es gibt mindestens zwei Generationen (vermutlich sogar mehr) an Kinogängern, die das Original noch nie gesehen haben, aber selbst die kennen Kong zumindest vom Namen her.

Verantwortlich dafür sind definitiv diverse Remakes, rip-offs, Parodien und Neuinterpretationen, die über die Jahrzehnte hinweg entstanden sind. Auf die drei Hauptversionen will ich hier mal zu sprechen kommen.

king_kong 33Natürlich fange ich mit dem Original an. „King Kong und die weiße Frau“ (oder auch: „Die Fabel von King Kong – Ein amerikanischer Trick- und Sensationsfilm“, wie er bei seiner Aufführung in Nazideutschland hieß.) entstand 1933 unter der Regie von Merian C. Cooper und Ernest B. Shoedsack. Die Handlung stammt übrigens von niemand Geringerem als Edgar Wallace. Ja, ganz recht, dem „Hier spricht Edgar Wallace“ Edgar Wallace! Auch wenn das Ausmaß seines Beitrags nicht unumstritten ist. Cooper zufolge hatte er eigentlich gar nichts dazu beigetragen, da er verstarb, noch bevor er die erste Drehbuchfassung fertigstellte und er dementsprechend nur aus reiner Höflichkeit im Vorspann genannt wird. Andere behaupten, dass zumindest die Idee eines Riesenaffen in New York von ihm stammt.

Darin geht es um den Filmemacher Carl Denham (Robert Armstrong), der gerade dabei ist, mit einer Filmcrew per Schiff zu einer geheimnisvollen Insel aufzubrechen, um dort sein neuestes Werk zu drehen. Alles, was ihm noch fehlt, ist eine Hauptdarstellerin. Da er aber, aus Gründen, die er nicht nennen will (und auf die nicht weiter eingegangen wird), noch vor Sonnenausgang auslaufen muss, gestaltet sich die Suche als schwierig. Bei dem Versuch, sich irgendeine, im wahrsten Sinne des Wortes, arme Frau aus einer Suppenküche zu picken, trifft er auf Ann Darrow (Fay Wray), die gerade beim Versuch, einen Apfel von einem Obststand zu klauen, vom wütenden Besitzer erwischt wurde. Carl bezahlt ganz gentlemanlike für sie und überredet sie dazu, sich aufs Abenteuer ihres Lebens einzulassen.

Es ist interessant, wie Carl hier als zwielichtig dargestellt wird, ohne richtig als zwielichtig dargestellt zu werden. Zur Anfangszeit des Kinos gab es gewisse Regeln, die einem heute nur entgeistert mit dem Kopf schütteln lassen. Etwa, dass alle Hauptdarsteller immer gut beleuchtet sein müssen oder dass die Protagonisten gewissen moralischen Standards entsprechen. An so etwas wie Antihelden war damals gar nicht zu denken! Und so ist auch Carl Denham auf den ersten Blick gar nicht so übel. Vielleicht etwas forsch, aber er rettet immerhin eine schöne, vermutlich obdachlose Frau vor einem wütenden Angreifer! Wenn man dann natürlich die Zeichen zusammenzählt, etwa dass er unbedingt noch in der selben Nacht die Stadt verlassen muss oder dass er bereit ist, das Leid armer Menschen für seine Zwecke auszunutzen, wird klar, mit was für einem Menschen wir es hier eigentlich zu tun haben.

Kong 33 01Mit seinem neuen, weiblichen Star, machen sich Carl und seine Crew auf nach „Skull Island“, einer sagenumwobenen Insel, die angeblich hinter einer permanenten Nebelbank versteckt ist. Dort angekommen, treffen sie auf einen Stamm Eingeborener, die gerade dabei sind, eine junge Frau für eine Zeremonie vorzubereiten. Als sie aber Ann sehen, wollen sie lieber sie haben, was sie später auch mit wenig freundlichen Methoden durchsetzen. Hier überrascht mich übrigens, dass die Szenen mit dem Stamm weniger rassistisch sind, als befürchtet. Kommt schon, es waren die dreißiger Jahre! Da erwartet man Wassermelonen essende, kulleräugige Blackface-Monstrositäten. Dem ist hier aber nicht so. Gut, sie sind jetzt nicht wirklich ausgearbeitete Charaktere und nur „wild“. Natürlich kann man auch in ihr Interesse an Ann, das Stereotyp des „immergeilen Wilden, der nur unsere schönen, weißen Frauen schänden will“ hineininterpretieren, aber eigentlich sollen sie nur ein Katalysator für die folgende Abenteuergeschichte sein.

Und das ist vielleicht eine Abenteuergeschichte! Mann oh Mann. Das war das dritte Mal, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich hole ihn nicht oft aus meinem DVD Regal. Vielleicht alle 10-15 Jahre. Aber ich hatte völlig vergessen, was die zweite Hälfte für ein nonstop Actionfest ist! Die Eingeborenenzeremonie, für die, die es nicht wissen, ist natürlich die Opferung einer schönen Frau, an den Riesengorilla Kong. Was er mit diesen Frauen macht, sei dahingestellt. Vielleicht snackt er sie zwischendurch, vielleicht spielt er mit ihnen, bis er sie aus Versehen umbringt oder eines der anderen Viecher auf der Insel sie schnappt. Wer weiß? Aber als sich ein Teil der Schiffs- und Filmcrew, unter der Führung des Matrosen John Driscoll (Bruce Cabot), der sich in Ann verliebt hat, hinter die große Wand wagt, die das Eingeborenendorf vom Dschungel trennt, bricht die Hölle los!

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Ich wüsste so gerne, was der Schauspieler in Kong’s Mund in dem Moment dachte.

Plötzlich passiert ununterbrochen etwas! Die Crew rennt ständig in irgendwelche Dinosaurier und dinosaurierähnliche Kreaturen, die allesamt viel größer und verdammt hungrig und/oder angepisst sind. Im Ernst, die Dialoge in der zweiten Hälfte des Films bestehen scheinbar zu 90% nur aus angsterfüllten Schreien! Nicht nur von Ann, die vielleicht die erste Scream Queen der Filmgeschichte war. Auch ihre männlichen Co-Stars strapazieren ihre Stimmbänder ganz schön, während sie von Skull Islands Fauna gejagt, gefressen, zertrampelt oder in Schluchten geschleudert werden. Selbst nach heutigen Standards ist der Film ein Actionfeuerwerk! Klar, die Action ist natürlich entstehungszeitbedingt sehr statisch und altmodisch gefilmt, aber es kommt einfach keine Langeweile auf! Ich kenne keinen Film aus dieser Ära, der einem so wenige Atempausen gönnt. Mal eben pinkeln gehen, nachdem diese Dinoattacke vorbei ist? Vergesst es! Da geht sofort die Nächste los! Ich muss allerdings auch anmerken, dass mir das ständige Geschrei diesmal sehr auf den Senkel ging. Es war auch das erste Mal, dass der Ton bei mir diesmal aus meiner Stereoanlage, anstelle des normalen Fernsehlautsprechers kam. Nächstes mal also wieder „nur“ Fernsehton.

Es ist ja bekannt, was dann weiter im Film passiert. Unsere Helden, zumindest die, die nicht draufgegangen sind, retten Ann und bringen Kong nach New York. Vorher richtet er aber unter den Eingeborenen noch ein Massaker an. Shoutout an die Schauspieler von damals, die sich ins Maul einer riesigen, spitzzahnigen Gorillapuppe legten, um auf sich herumkauen zu lassen oder sich von ebenso riesigen Kongfüßen in Schlamm drücken ließen! Der Film ist überraschend brutal für 1933! Als Kong endlich nach New York gebracht wird, fitzelt die Handlung ein Stück aus. Auch wenn immer noch atemlos eine spektakuläre Szene auf die Nächste folgt, ist dieser Teil nicht so interessant, wie der auf Skull Island. Vielleicht war ich da tatsächlich schon ausgebrannt vom ständigen Geschrei und der ununterbrochenen Action.

Kong 33 04Naja, wir alle wissen ja auch, wie die Geschichte endet. Kong entführt Ann aufs Empire State Building und wird von Kampfflugzeugen abgeschossen. Ende. Was mich allerdings etwas irritiert, ist, dass im popkulturellen Kollektivbewusstsein Kong der tragische Held der Geschichte ist. Ein sanfter Riese, der aus seiner Heimat gerissen, ausgebeutet und schließlich vor den Augen seiner großen Liebe, die ihn genau so liebte wie er sie, von verständnislosen „Zivilisierten“ ermordet wurde. Aber davon ist, zumindest in der ersten Filmversion, nichts zu erkennen! Kong ist hier eindeutig der Bösewicht der Geschichte! Ein wildes Monster, das eine Gefahr für alles und jeden darstellt! Selbst Ann gibt zu, dass sie so eine Angst vor ihm hat, dass sie ihn nicht mal ansehen kann. Wenn Kong schließlich stirbt, soll das zwar ein episches Finale sein, aber wir sollen uns nicht schlecht fühlen. Das Monster ist tot, hurra! New York ist sicher und Ann muss keine Angst mehr haben!

Was heute übrigens fast vergessen ist: „King Kong“ bekam tatsächlich eine Fortsetzung spendiert! In „Son Of Kong“ flüchtet Carl Denham, nachdem er von allen Seiten verklagt wurde, aus New York, landet wieder auf Skull Island und trifft den titelgebenden Sohn von Kong. Dieser ist etwas netter und stirbt am Ende sogar den Heldentod. Der Film war weder so gut, noch so erfolgreich wie Teil 1, aber zumindest interessant für die, die glauben, dass das billig produzierte Sequel, dass an den ersten Teil nicht herankommt, nur eine Erfindung des modernen Hollywood sei.

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„original“

Ebenfalls nicht erst seit gestern, gibt es Remakes. Das von „King Kong“ stammt aus dem Jahre 1976. Regie führte dabei John Guillermin („Flammendes Inferno“, „Shaft In Afrika“). Starproduzent Dino DeLaurentiis schwebte dabei vor, DAS Filmereignis seiner Zeit zu schaffen. Ein Film, gegen den der damalige Blockbusterkönig „Der weiße Hai“ wie Schultheater aussieht. Zuschauer sollten tagelang davon sprechen und die, die ihn noch nicht gesehen hatten, sollten sich deswegen schlecht fühlen. Und der Höhepunkt sollte ein „echter“ Kong sein, in Form einer lebensgroßen Animatronic. Auch wenn diese Version ein kommerzieller Erfolg war, konnte DeLaurentiis keines seiner Versprechen einlösen. Der animatronische Kong ist zum Beispiel im Film nur für ein paar Sekunden zu sehen, weil das Ding nie funktionierte. Stattdessen ist Kong diesmal nur ein Mann in einem Gorillakostüm, der durch Miniaturkulissen stampft. Okay, der Mann im Kostüm war niemand Geringerer als Make-Up Legende Rick Baker und dank seiner Mitarbeit, sieht der Anzug auch erstaunlich gut aus.

Auch wenn die Handlung so ziemlich die gleiche ist, wie im Original, wurde sie stark modernisiert. Anstelle einer Filmcrew, fährt diesmal die Besatzung eines Öltankers, unter der Leitung des zwielichtigen Fred Wilson (Charles Grodin, „Midnight Run“, „Ein Hund namens Beethoven“), nach Skull Island, welches diesmal von Satellitenfotos entdeckt wurde. Man erhofft sich, auf der Insel neue Ölvorkommen zu finden. Schließlich befinden wir uns in den 70ern, der Zeit, der großen Energiekrise. Ebenfalls mit an Bord sind ein paar gern gesehene Charakterdarsteller, wie Rene Auberjonois (Odo aus „Deep Space Nine“), Dennis Fimple („Haus der 1000 Leichen“) oder Ed Lauter. Dann ist da aber noch Jeff Bridges, als junger Paläontologe Jack Prescott, der sich als blinder Passagier an Bord schlich, weil er auf der Insel so einige unentdeckte Tierarten vermutete. Schließlich kommt auch Jessica Lange, in ihrer ersten Filmrolle, als Hollywoodstarlet Dwan hinzu. Diese wird als Schiffbrüchige in einem Rettungsboot treibend aufgegabelt.

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Eine Gruppe Charakterdarsteller mit offenem Mund

Das Drehbuch von Lorenzo Semple Jr, der auch „Die drei Tage des Condor“, „Papillon“ und viele der besten Folgen der 60er Jahre „Batman“ Serie verfasste, ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Die Modernisierungen funktionieren. Vor allem die, leider heute immer noch relevanten, Ökobotschaften gefallen mir. So wird zum Beispiel nach Kongs Entführung angemerkt, dass die Eingeborenen nun vermutlich zu einem Haufen verzweifelter Betrunkener mutieren werden, da ihr Gott nicht mehr da ist. Diese Umweltschutzsichtweise hilft auch dabei, Kong tatsächlich sympathischer wirken zu lassen. Okay, „sympathisch“ ist vielleicht das falsche Wort. Er ist immer noch ein gefährliches Raubtier und der Antagonist der Geschichte. Diesmal zeigt er aber freundliche Tendenzen gegenüber Ann/Dwan und kümmert sich um sie, wie um ein süßes Haustier. Wenn er dann am Ende stirbt, diesmal auf dem World Trade Center, anstelle des Empire State Buildings, fühlt es sich tatsächlich tragisch an. Wenn auch nur, weil man ja mittlerweile ja weiß, dass Tiere, und vor allem Kong, auch Gefühle haben. Gleichzeitig schreien Jack und Dwan sich aufgrund der Tierquälerei dabei die Seele aus dem Leib und die Schusswunden, die Kong erleidet, sind verdammt blutig. Ich verstehe immer noch nicht wirklich, woher die Sache mit der angeblichen Liebesbeziehung zwischen Kong und seiner „weißen Frau“ kommt, aber immerhin fühlt sie, und damit auch wir, sich am Ende richtig schlecht.

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Das ist übrigens der versprochene animatronische Kong in Lebensgröße.

Ansonsten bietet der 70er Jahre „King Kong“ leider nicht wirklich viel. Der Film ist über weite Strecken sehr langweilig. Das Spektakel des ersten Films fehlt hier völlig. Skull Island ist sogar ein ziemlich netter Ort. Außer Kong, sieht man nur noch eine Riesenschlange, aber sonst scheint man gefahrlos durch den Dschungel laufen zu können. Wenn Kong New York zerstört, muss man, dank der Miniaturkulissen, eher an Godzilla denken. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber es fühlt sich wie ein Abklatsch der damals sehr populären, japanischen Filmreihe an. Und Dwan ist vielleicht einer der dämlichsten und nervigsten Charaktere der Filmgeschichte. Nichts gegen Jessica Lange, aber die Figur, die sie spielt, ist wirklich nur ein hübsches Dummchen, dass garantiert immer etwas sagt oder tut, weswegen man sich als Zuschauer mit der flachen Hand gegen die Stirn schlägt. Zum Ausgleich muss man aber sagen, dass Charles Grodin das Highlight des Films ist. Er ist ein Drecksack, aber jemand von der Sorte, dem man gerne dabei zusieht und –hört, wenn er gemeine oder dumme Sachen sagt.

Also, diese Version von „King Kong“ ist nicht wirklich der Rede wert. Aber genau wie das Original, gibt es auch hiervon eine fast vergessene Fortsetzung. In „King Kong lebt“, bei dem ebenfalls John Guillermin Regie führte, erfahren wir, dass Kong gerettet und mit einem künstlichen Herz ausgestattet wurde. Außerdem bekam er eine Bluttransfusion von einem weiblichen Riesenaffen. Bridges und Lange spielen nicht mit, aber Linda Hamilton, die das Werk als den größten Fehler ihrer Karriere bezeichnet. Immerhin ist „King Kong lebt“ der Mittelpunkt eines gelungenen Running Gags im Mark Wahlberg B-Action Kracher „The Big Hit“, weshalb ich durchaus froh über dessen Existenz bin.

Das größte Problem, das ich mit Jacksons Version habe, sind die etwas langweiligen Poster.

Machen wir einen weiteren Zeitsprung. Diesmal nach 2005, was ja mittlerweile auch schon wieder 13 Jahre her ist. Regie führte diesmal Peter Jackson, der erst kurz zuvor dank der „Herr der Ringe“ Trilogie den Sprung von Nerdfavorit, zum Oscarprämierten Starregisseur schaffte. Natürlich ließ da der Backlash nicht lange auf sich warten, angefangen bei den Dumpfbacken, die sich heute noch darüber beschweren, dass „Die Rückkehr des Königs“ angeblich eine Million Enden hat. Es war damals aber auch ziemlich populär, Jacksons „King Kong“ zu hassen.

Diese Version hält sich wieder ziemlich nah ans Original. Das geht sogar so weit, dass die Handlung wieder im Jahr 1933 spielt. Es ist natürlich die Zeit der „großen Depression“, in der Armut und Obdachlosigkeit allgegenwärtig waren. Das muss auch Ann (Diesmal Naomi Watts) am eigenen Leib spüren. Die talentierte Varietékünstlerin konnte sich ohnehin eher schlecht als recht über Wasser halten, aber als ihr Theater geschlossen wird, steht sie ohne Geld und ohne Freunde da. Als Carl Denham (Jack Black) ihr schließlich das schicksalhafte Rollenangebot macht, sagt sie trotzdem nur zu, weil das Drehbuch von ihrem Lieblingsautor Jack Driscoll (Adrien Brody) stammen soll.

Es ist eine sehr interessante Besetzung. Jack Black und Adrien Brody sind nicht die typischen Blockbustergesichter, werden aber sehr effektiv benutzt. Denham ist hier eindeutig zwielichtiger als der, aus dem 30er Jahre Film und Black entpuppt sich als die perfekte Besetzung dafür. Es ist mir eigentlich nie aufgefallen, wie creepy er sein kann, bis er in diesem Film besetzt wurde. Wobei seine Rolle hier nun auch nicht sooo unsympathisch ist. Er ist ein Träumer und ein Idealist, der dabei leider seinen Mitmenschen gerne auf die Füße tritt. So kidnappt er seinen angeblichen Freund Jack Driscoll mehr oder weniger und macht natürlich jede Menge Versprechen, die er nicht halten kann. Aber alles auf eine charmante Art. Bis der Moment kommt, in dem viele Menschen, auch langjährige Freunde und Wegbegleiter, sterben und er eher daran interessiert ist, seine Kamera zu retten und sich alles schönzureden. Man erkennt immer noch den halbwegs sympathischen Idealisten, der doch einfach nur seine Träume verwirklichen will, aber ab einem gewissen Zeitpunkt, kann man sich einfach nicht mehr auf seine Seite stellen.

Auch Adrien Brody ist nicht so der typische Actionheld, ist aber eine perfekte Besetzung für den etwas nerdigen Autoren, den er hier spielt. Selbst wenn er dann doch zum Actionhelden mutiert, zeigt er eher Mut und Erfindungsreichtum, anstelle von Muskeln. Die „harte Burschen Quote“ wird dann durch die Nebendarsteller erfüllt. Wie z.B. Andy Serkis, als Schiffskoch Lumpi (und Motion Capture Schauspieler für Kong) oder Thomas Kretschmann („Blade 2“). Ebenfalls an Bord sind Colin Hanks („Fargo“ Staffel 1, „Nix wie raus aus Orange County“), Jamie Bell („Billy Elliott“) und Kyle Chandler („Allein gegen die Zukunft“), der hier als versnobter Hollywoodschönling für einige der größten Lacher sorgt.

Eines der Hauptprobleme von Jacksons Version ist, dass er die Nebencharaktere nicht nur namenloses Monsterfutter sein lassen will. Das ist eigentlich okay, aber er nimmt sich etwas zu viel Zeit für sie, nur um sie dann im letzten Akt einfach verschwinden zu lassen. So spielt Jamie Bell einen jugendlichen Unruhestifter, der von einem Crewmitglied als väterlicher Freund unter die Fittiche genommen wurde, doch obwohl viel Zeit auf die Beziehung der Beiden verwendet wird, sind sie für den Film nicht nur komplett unwichtig, es fühlt sich immer so an, als ob wir nur einen Bruchteil ihrer Geschichte kennen würden.

Kong 2005 01Der Film hat eine epische Laufzeit von drei (3) Stunden, was natürlich oft bemängelt wurde. Mich persönlich stört es nicht. Um ehrlich zu sein glaube ich sogar, dass diese Laufzeit immer noch zu kurz ist, was sich vor allem in der ersten Stunde bemerkbar macht. Wie gesagt wird verhältnismäßig viel Zeit auf die Charaktere verwendet, aber am Ende kennen wir sie, mit Ausnahme des Trios Ann/Jack/Carl, immer noch nicht wirklich. Dann ist die Reise nach Skull Island etwas abgehackt. Eine Abfolge fast zusammenhangsloser Szenen. Hier ist ein Moment, in dem Jack und Ann eine peinliche Begegnung haben, hier ist ein kurzer Moment, in dem Ann mit der Crew tanzt, hier ist ein Moment, in dem Carl gesagt bekommt, dass er oft zu weit geht, hier ist ein Moment, in dem die Crew eine Geschichte über Skull Island erzählt, hier ist ein lustiger Moment mit Kyle Chandler, usw. Ich wette, es liegt noch mindestens eine weitere Stunde mit Szenen auf dem Schiff irgendwo in einem Schneideraum.

Wenn wir aber endlich Skull Island erreichen, wird klar, dass Peter Jackson verstanden hat, dass das atemlose Spektakel des Originals der beste Teil davon war. Sein Skull Island ist die Hölle auf Erden. Hinter jedem Busch lauern mindestens irgendwelche Insekten von der Größe eines Hundes, oft aber irgendwelche anderen riesigen und hungrigen Kreaturen. Selbst die Eingeborenen scheinen keine echten Menschen zu sein, sondern grauhäutige Trolle, die nach Menschenblut gieren! Im Skull Island Teil des Films, blitzen mehr als einmal Jacksons Wurzeln als Horrorkomödienmacher hervor.  Er jagt unsere Protagonisten von einer schrecklichen Situation in die nächste. Ihr denkt, es ist vorbei? FALSCH! Es geht noch weiter! Eine Brontosaurusstampede wird zu einem gigantischen Auffahrunfall, ein Kampf gegen drei T-Rexe wird in eine Schlucht voller Lianen verlegt, an der die Dinos, Kong und Ann hin und her schwingen, es folgt Spektakel auf Spektakel, immer mit einem gewissen, sadistischen Augenzwinkern. Es sind Dinge, die einem das Adrenalin hochjagen lassen, aber auf eine gewollt überdrehte Popcornart.

Die Beziehung zwischen Kong und Ann ist hier eindeutig freundschaftlicher Natur. Eine clevere Idee ist, dass Ann Kongs Zuneigung gewinnt, indem sie quasi einen auf „lustiges Haustier“ macht. Sie nutzt ihre Varietéerfahrung, um Kunststücke vorzuführen und ihn zum lachen zu bringen. Das Skull Island Äquivalent eines Kätzchens, das auf einer Schildkröte reitet. Gleichzeitig schließt Ann Freundschaft mit Kong, als dieser sein Leben riskiert, um sie zu retten. Sie akzeptiert ihn erst als das kleinere von zwei Übeln (Entweder er oder eine Gruppe hungriger Dinosaurier) und merkt dann, dass er ganz in Ordnung ist. Trotzdem ist sie sofort dabei, als Jack sie rettet. So sehr mag sie Kong dann am Ende doch nicht, auch wenn sie seine sanfte Seite kennengelernt hat.

Kong 2005 04Von diesen drei Verfilmungen ist die 2005 Version die, die die Tragik hinter Kongs Tod am plausibelsten darstellt. Peter Jackson nimmt sich nicht nur viel Zeit, um uns mit wilden Action- und Abenteuerszenen zu unterhalten, er hat auch keine Probleme damit, emotional zu werden. So gibt es als letzte Atempause vor dem Finale etwa einen längeren Moment, in dem Kong zum ersten Mal eine Eisfläche betritt und mit seiner geliebten Ann alle Probleme vergessen und Spaß haben darf. Diese Szene wird natürlich oft als kitschig beschrieben und war, als der Film damals anlief, gerade unter den zynischen Fanboys ein echter Dealbreaker, Marke: „Waah, der doofe Affe ist zwei von 180 Minuten auf dem Eis. Wir haben Angst vor Emotionen! Drecksfilm!“ Wenn Kong schließlich auf dem Empire State Building seinem nahenden Tod entgegentritt, geizt Jackson zwar auch hier nicht mit spektakulären Bildern, aber anders als zuvor, ist das kein Moment zum staunen und unterhalten werden, sondern ein tieftrauriges Finale. Es ist für einen derart teuren Blockbuster voller Fantasyspektakel sehr mutig, das Publikum derart deprimiert nach Hause gehen zu lassen.

Aber das ist es, was ich an Peter Jacksons Version so liebe: Es ist eine modern gefilmte Variante eines klassischen Hollywoodfilms, in dem alle Emotionen mindestens dreimal so groß sind, wie im echten Leben, aber ohne einen Hauch von Zynismus und Selbstironie für das junge Publikum. Für die gibt es dann die exzessiven Actionszenen, die dank ihrer sorgfältig aufgebauten Struktur und der leicht sadistischen Ader des Regisseurs niemals langweilig werden.

Kong 2005 03Im Großen und Ganzen gefällt mir die 2005er Version am besten. Sie ist voll von dem coolen Scheiß, den man als Monsterfan sehen will, aber gleichzeitig auch hemmungslos emotional ehrlich. Okay, sie ist nicht perfekt. Wie erwähnt, hat der Film, gerade zu Anfang, so einige strukturelle Probleme und die Spezialeffekte schwanken zwischen „Das sieht auch heute noch hervorragend aus“ und „Da ist ihnen wohl die Zeit und/oder das Geld ausgegangen“, aber ich wünschte mir, wir würden mehr sorgfältig inszenierte Blockbuster wie diesen zu sehen bekommen.

Der zweite Platz geht ganz knapp an die Originalversion aus den Dreißigern. Dessen größte Probleme sind altersbedingt, gleichzeitig bietet der Film aber auch mehr Action und Unterhaltung, als so manch moderner Film! Logischerweise landet die 70er Jahre Version, mit ihrem viel zu gemächlichen Tempo und Mangel an Unterhaltungswert, weit abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Natürlich gibt es noch mehr Kong. Wie etwa den letztjährigen „Kong: Skull Island“, der sein eigenes Ding durchzieht und außer Kong und Skull Island nichts von den Originalversionen übernimmt, um eine eigene Geschichte zu erzählen. Leider funktioniert diese Version nur auf dem Papier richtig gut und die hervorragenden Schauspieler (u.a. Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John C. Reilly und John Goodman) müssen sich durch einen 08/15 Abenteuerfilm, mit ein paar netten Ideen, aber wenig erinnerungswürdigen Momenten quälen. Dann ist da noch die „King Kong“-Kopie „Mighty Joe Young“, die in Deutschland tatsächlich als „Panik um King Kong“ lief, was aber für das Remake „Mein großer Freund Joe“ korrigiert wurde. Und natürlich „King Kong Vs Godzilla“, der absoluter Mist ist, aber darin kämpft King Kong gegen Godzilla, also ist es doch irgendwie cool. Erwähnenswert ist auch die Zeichentrickversion, die Warner Bros Ende der 90er auf den Videomarkt warf, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen, den sich schon „Mein großer Freund Joe“ und Roland Emmerichs „Godzilla“ zu der Zeit teilten. Trotz Songs der Sherman Brothers, ist diese Fassung aber billg produzierter Schund.  Besser ist „Konga“, der Kongsploitationfilm der Hammer Studios, in dem Michael Gough einen Riesenaffen heranzüchtet, um sich an seinen Feinden zu rächen.

Vielleicht sollte ich irgendwann mal genauer darüber schreiben, aber das wird vermutlich nicht passieren. Wie dem auch sei, Kong ist immer noch King und es wird interessant sein zu sehen, welche Abenteuer er in der Zukunft erleben wird.

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