Sonntag ist Bondtag: "Im Geheimdienst ihrer Majestät"

on_her_majestys_secret_serviceNach „Man lebt nur zweimal“ hatte Sean Connery einfach keinen Bock mehr. Fünf Jahre lang drehte er fast pausenlos neue Bond Abenteuer, die Aufmerksamkeit von Fans und Presse wurde einfach zu viel (vor allem nach ein paar unschönen Begegnungen in Japan) und selbst, für die damalige Zeit, astronomisch hohe Gagenangebote konnten ihn (vorerst) nicht umstimmen. Also gab es vonseiten der Produzenten nur zwei Optionen: Die Serie beenden, was allerdings aufgrund dessen Lukrativität nicht wirklich in Betracht kam, oder Bond umbesetzen und hoffen, dass das Publikum den Neuen akzeptiert.

„Der Neue“ war in diesen Fall George Lazenby, ein ehemaliges Model, dessen Schauspielerfahrung hauptsächlich aus Werbespots bestand. Immerhin soll er beim Casting wirklich überzeugend gewesen sein und außerdem sieht er auch wie ein größerer, dünnerer Sean Connery aus. Und wie ich zugeben muss, hat sein Film den bis jetzt besten Einstieg.

Darin wundern sich M und Q, wo denn nun Bond steckt. Seit langem ist er auf der Jagd nach Blofeld, scheint sich dabei aber nicht regelmäßig bei ihnen zu melden. In diesem Moment fährt er gerade eine Landstraße entlang, als ihn plötzlich ein anderes Auto fast abdrängt. Es scheint kein Mordanschlag gewesen zu sein, aber trotzdem fährt 007 hinterher. Er holt das Auto an einem Strand ein und beobachtet dessen Fahrerin (Diana Rigg, die zu der Zeit dank ihrer Rolle in der Kultserie „Mit Schirm, Charme und Melone“ ein Sexsymbol war, heutigen Zuschauern aber eher als scharfzüngige Olenna Tyrell aus „Game Of Thrones“ bekannt ist), wie sie dabei ist, mit eindeutigen Selbstmordabsichten ins Wasser zu gehen. Natürlich hat Bond in seinem Leben so manche Frauenleiche hinterlassen, aber trotzdem ist er nicht so ein eiskalter Mistkerl und rettet sie aus den Fluten. Dann wird er aber von ein paar Schlägern angegriffen, die die Gerettete entführen wollen. Bond kann die Angreifer zwar erfolgreich abwehren und die Entführung verhindern, aber das vermeintliche Opfer braust erst mit seinem, dann mit ihrem Wagen davon, woraufhin 007 nur in die Kamera schaut und sagt: „Das wäre dem Anderen nie passiert!“

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„Das wäre dem Anderen nie passiert.“

Keine schlechte Taktik, die Anspannung beim ersten Kennenlernen mit dem neuen Bond, mit Humor zu brechen. Es ist kein unumstrittener Witz, weil das das erste Mal war, dass die Serie „Meta“ wurde, was natürlich bei den Fans, die die Serie lieber „ernster“ und „realistischer“ mögen, einem Verbrechen gleichkommt. Und auch wenn es eine nette Idee der Produzenten ist, den Darstellerwechsel augenzwinkernd anzuerkennen, ist es auch vielleicht keine gute Idee noch extra den Finger in die Wunder der Fans zu legen und zu sagen: „Das ist nicht Sean Connery!“ Da ist der etwas lahne Vorspann, in dem wir Clips aus vorherigen Filmen sehen, auch nicht wirklich hilfreich.

Denn ja, wir wir alle wissen, hatte „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ von Anfang an einen schweren Stand. Kommerziell war er zwar sehr erfolgreich, (auch wenn sich bis heute noch die Unwahrheit hält, er sei ein Flop gewesen), aber jahrzehntelang hatte der Film den Stand des „schlechtesten Bond aller Zeiten“. Erst in den letzten paar Jahren hat sich seine Reputation stetig verbessert. Und ich muss auch sagen, dass es ein guter Film ist. Das ist vielleicht das erste Mal, dass der Versuch, Bond eine gewisse Tiefe zu geben, zu 100% funktioniert! Außerdem ist dies der erste Film der Reihe, in dem die Formel ein Stück weit variiert wird.

Der komplette erste Akt dreht sich mehr oder weniger um Bonds Privatleben. Wie sich herausstellt, ist Tracy, die Bond erst vor sich, dann vor Entführern rettete, die Tochter eines einflussreichen Gangsterbosses. (Die Entführer waren übrigens Mitarbeiter ihres Vaters, die sie eigentlich nur beschützen wollten.) Leider hat die Gute auch ziemliche Probleme, weshalb ihr Vater Bond anbietet, ihm Infos über Blofeld zu beschaffen, wenn dieser seine Tochter datet, ehelicht und zu einem guten Menschen macht. Nach anfänglicher Ablehnung (Bond ist vielleicht ein tote Frauen hinterlassender Allesvögler, aber er ist nicht käuflich!) willigt James ein. Hauptsächlich, weil M ihm, nach einem Jahr ohne Resultate, den Blofeld Fall entzog und weil er Tracy ganz nett findet.

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Schneelandschaftsfetischisten kommen in diesem Film auf ihre Kosten.

Meiner Mutter ist dieser Teil des Films, der sich um die Liebesbeziehung zwischen 007 und Tracy dreht, zu langweilig. Ich persönlich finde ihn ganz interessant. Nicht nur, dass er in meinen Augen gar nicht mal sooo lang geht, er schafft es auch, Bond auf eine Art zu vermenschlichen, die den Machern noch nie gelungen ist. Die Beziehung zwischen James und Tracy wirkt 100% glaubhaft. Zum Glück dominiert sie den Film nicht, ist aber der emotionale Anker der Geschichte. Und das, obwohl Tracy für einen Großteil des Films verschwindet. Denn ja, schließlich kommt Bond Blofeld (Diesmal von Telly Savalas gespielt) auf die Spur. Dieser versteckt sich in einem Schloss in den Alpen und möchte unbedingt einen Adelstitel anerkannt bekommen. Zu diesem Zweck gibt sich 007 als Ahnenforscher aus. Da sowohl er, als auch sein Widersacher nun neue Gesichter haben, ist das alles kein Problem.

Okay, das hat mit den neuen Gesichtern nichts zu tun und ist wohl das größte Logikloch der Serie. Die Charaktere haben sich ja nicht umoperiert, sie werden einfach nur von anderen Schauspielern gespielt, trotzdem scheint Blofeld vergessen zu haben, dass er im letzten Film James Bond von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand. „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ basiert auf einem Roman, der vor „Man lebt nur zweimal“ spielt. Obwohl die vorherigen Umsetzungen soweit ich weiß sehr frei mit ihren Vorlagen umgingen, wurde hier das Buch fast 1:1 verfilmt, wobei natürlich auch dieser dicke, fette Kontinuitätsfehler entstanden ist. Leider muss ich auch sagen, dass, obwohl ich Telly Savalas sehr mag und er an sich kein schlechter Blofeld ist, er leider im Vergleich zu Donald Pleasance verblasst. Noch nicht mal dessen Narbe haben sie ihm verpasst! Immerhin hat er noch seine Katze. Trotzdem bin ich vom neuen Blofeld mehr enttäuscht, als vom neuen James Bond.

007Geheimdienst02Blofelds Plan ist übrigens sehr interessant. Er gibt sich auf dem schwer zu erreichenden Schloss als Arzt aus, der einen Haufen hübscher Frauen (die Bond allesamt sofort sexuell belästigen) mit innovativen Behandlungsmethoden, von ihren Allergien befreien möchte. Nur, dass es sich dabei um Hypnose handelt, die die Frauen allesamt zu Schläferagentinnen umprogrammiert. Es ist ein Plan, der selbst für diese Reihe ziemlich hanebüchen, gleichzeitig aber auch ziemlich clever ist. Leider fehlt aber auch etwas die Dringlichkeit dabei. Es wäre nett gewesen, eine der Schläferinnen in Aktion zu erleben. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, dass hier wirklich die Welt in Gefahr schwebt.

Doch zum Glück wird Bond schnell enttarnt und wir kommen zu einer endlos langen Actionszene. Eigentlich sind es mehrere mittellange. Erst eine Verfolgungsjagd auf Skiern, dann eine im Auto, dann geht es auf Skiern weiter. Das ist alles sehr spannend und schwungvoll inszeniert, aber so nach 20 Minuten, war es sogar für mich zu exzessiv. (Und ich bin der Typ, der bei den „Transformers“ Filmen immer nach noch mehr schreit!) Zwischendurch trifft Bond Tracy wieder, die ihm eine große Hilfe und durchaus ebenbürtige Partnerin ist. Selbst wenn sie am Ende von Blofeld gefangen und als Geisel genommen wird, darf sie noch in Ärsche treten. Natürlich würde James eine Frau wählen, die einen bösen Handlanger mit einer zerbrochenen Flasche attackiert! Tracy und James sind einfach ein perfektes Paar, was das Ende (Spoiler für einen 49 Jahre alten Film) umso tragischer macht.

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Wer hätte nicht gerne eine Frau, die kriminelle Handlanger mit zerbrochenen Flaschen angreift?

Man kann die Macher nicht genug dafür loben, dass sie den Mut fanden, einen motherfucking James Bond Film so enden zu lassen! Die Bösen kommen nicht nur davon, auch wenn ihr Plan vereitelt wurde, sie ermorden auch noch Tracy in einem, selbst für den Zuschauer, völlig unerwarteten Überraschungsangriff, woraufhin James, unser supercooler Fels in der Brandung, der dem Tod mehr als einmal mit einem witzigen Spruch auf den Lippen ins Auge gesehen hat, völlig traumatisiert zurückbleibt und einem zufällig vorbeikommenden Polizisten versichert, dass sich die tote Frau in seinen Armen nur ausruht. Verdammt, schon beim schreiben kommen mir die Tränen! Sorry, aber „Blofeld tötet Bonds Frau“ sollte eigentlich immer unter den Toprängen verschiedener Listen mit den besten und/oder schockierendsten Überraschungsenden zu finden sein! Keine Ahnung, warum dieser Moment so wenig Eindruck in der Filmgeschichte hinterließ.

Okay, gut, es war natürlich, weil, wie Anfangs erwähnt, „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ lange Zeit das ungeliebte Stiefkind der Reihe war. Aber, wie ich nochmal erwähnen möchte, völlig zu unrecht! Lazenby war ein guter Bond. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Tracy funktioniert zu 100%. Der Film bietet alles, was wir an der Reihe lieben, hat aber gleichzeitig den Mut, mit der Formel sehr effektiv zu spielen. Und obwohl er einer der längsten Filme der Reihe ist, fühlt er sich nicht so an.

„Sonntag ist Bondtag“ will return, zusammen mit Sean Connery.

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