Sonntag ist Bondtag: "Casino Royale" (Nein, das Andere)

„Casino Royale“ zählt unter Fans als einer der besten Bondfilme. Ich persönlich bin da nicht der selben Meinung. Das geht schon mit Daniel Craig los. Der Mann sieht nicht wie James Bond aus, sondern wie Inspektor Clouseau!

Hey…wartet mal…

Das ist gar nicht Daniel Craig! Das ist tatsächlich Peter Sellers! Was zum Teufel geht hier vor!?

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Es gibt nicht wenige Menschen, die behaupten, dass das Poster besser ist, als der Film.

Ach so, okay. Das ist nicht der 2006er „Casino Royale“, sondern die heute fast schon vergessene, mit Stars gespickte 007-Parodie, aus dem Jahr 1967. Dem selben Jahr, in dem auch „Man lebt nur zweimal“ erschien. In dieser Version geht es um…so richtig weiß ich das auch nicht. Da ist einmal Peter Sellers als James Bond. Der ist aber nicht DER James Bond, sondern ein Nachfolger, dem man diesen Decknamen, samt 007 Nummer gab. Der verschwindet aber nach der Anfangsszene für den Großteil des Films. Währenddessen ermordet irgendjemand alle Geheimagenten verschiedener Nationen. (Amüsanterweise immer in Bordellen oder ähnlichen Etablissements, da alle Agenten nun so geile Stecher wie James Bond sein wollen.) Also tun sich M (Hollywoodlegende John Huston) und die Anführer anderer Geheimdienste zusammen, um den echten James Bond (Sir David Niven) aus dem Ruhestand zu holen.  Dieser hat aber, nachdem er seine große Liebe Mata Hari ausliefern musste, keinen Bock. Schon alleine, weil seine Nachfolger einen Haufen toter Frauen hinterlassen und ihre Fälle nur noch mit „albernen Gadgets“ lösen. Also lässt M als Druckmittel Bonds Villa in die Luft jagen, kommt dabei aber selber um.

Als Bond, der echte, für die Trauerfeier zu Ms Familie fährt, benehmen sich dessen Witwe und das gute Dutzend Töchter sehr merkwürdig. Wie sich herausstellt, arbeiten diese für SMERSH, jene Verbrecherorganisation, die hinter den Morden an den Geheimagenten steckt. Nachdem Bond aus dieser Falle herauskommt, übernimmt er Ms Rolle beim MI6. Seine erste Amtshandlung ist es, alle verbleibenden Agenten in „James Bond“ umzubenennen und weitere auszubilden. Gleichzeitig wird der Baccara-Experte Evelin Tremble (Sellers) angeheurt, um im titelgebenden Casino Royale den hochrangigen SMERSH Agenten Le Chiffre (Orson Fucking Welles) zu besiegen. Zwischendurch wird Mata Bond (Joanna Petet), die heimliche Tochter von Bond und Mata Hari, nach Berlin geschickt, um sich bei der „Mutterhilfe“, einer Unterabteilung von SMERSH, einzuschleusen. Dann passiert Zeug.

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So optisch brillant geht es teilweise in diesem Film zu.

„Casino Royale“ ist ein riesiger, in Ermangelung eines besseren deutschen Wortes, Clusterfuck, der nur dann halbwegs Sinn macht, wenn man sich über dessen Entstehungsgeschichte informiert. Diese war unter anderem geprägt von frustrierten und/oder egomanischen Schauspielern, einem ausser Kontrolle geratenen Budget, einem ständig umgeschriebenen Drehbuch und fünf verschiedenen Regisseuren. Das wäre ja noch zu ertragen, wenn das Ergebnis gut wäre. Leider ist es das nicht. Was wohl als hippe Parodie im besten, schrägen, Swinging Sixties Stil geplant war, ist leider ein größtenteils unwitziges Herumgehampel, bei dem eine Million Gags auf die Leinwand geworfen wurden, aber nur die wenigsten funktionierten. Und ich darf darauf hinweisen, dass „1941“ mein Lieblings-Spielberg-Film ist, also ist es kein Snobismus gegen die Art des Humors, die hier dargeboten wird.

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Das Monster ist übrigens David Prowse, der später im Darth Vader Kostüm steckte.

Es ist aber nicht alles schlecht. Die „Mata Bond in Berlin“ Episode und das Finale, in dem der Film zu wirklich hemmungslosem 20-Gags-pro-Sekunde Slapstick wird, machen Spaß. Einige Witze sind ziemlich clever, wie etwa die Seitenhiebe auf den Sexismus der Bond Reihe oder die Kulissen in der Berlinsequenz, die dem Klassiker „Das Kabinett des Dr. Caligari“ nachempfunden sind. Auch die Besetzung, zu der neben Sellers, Niven, Huston und Wells, unter anderem auch Woody Allen, Daliah Lavi, William Holden, Jaqueline Bisset, Ursula Andress, Burt Kwouk oder Jean-Paul Belmondo gehören, ist top. Egal was da hinter den Kulissen abging, die Menschen vor der Kamera gaben 100% und machen den Film fast sehenswert.

Aber insgesamt lohnt sich „Casino Royale“ wirklich nur für Komplettisten. Sowohl für Bond-Fans, als auch die Sorte, die ohnehin jeden Film sehen will und umso gespannter darauf ist, je schlechter dessen Ruf ist. Wobei „lohnt sich“ auch schon wieder zuviel gesagt ist.

„Sonntag ist Bondtag“ will return, mit noch einem anderen, aber immerhin offiziellen Bond.

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