Sonntag ist Bondtag: "Man lebt nur zweimal"

Nachdem „Feuerball“, trotz grandioser Unterwasseraction eher enttäuschte, ist „Man lebt nur zweimal“ wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Zumindest, wenn man auf den Fantasy-Bond steht.

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Ich habe auch keine Ahnung, was da in dem Poster abgeht

Schon die allererste Einstellung verspricht ein außergewöhnliches Abenteuer. In den letzten vier Filmen wurden wir zu verschiedenen, sehr exotischen Locations geschickt. Aber keine war so exotisch, wie der Weltraum! Dort wird ein amerikanisches Raumschiff von einem, unbekannter Herkunft entführt. Auch wenn ich den Film erst jetzt zum ersten mal vollständig sah, hatte sich diese Szene in meiner frühesten Kindheit in mein Gedächtnis gebrannt. Nicht nur, weil man als Kind halt auf solchen Weltraumkram steht, sondern auch, weil mich der arme Raumfahrer, dessen Luftschlauch und Halteleine bei der Entführung durchtrennt werden, traumatisiert hatte. Das ist wirklich kein Tod, den man sterben möchte.

Unten auf der Erde beschuldigt die USA Russland. Russland streitet natürlich ab, aber wenn die Situation nicht bald aufgeklärt wird, könnte ein neuer Weltkrieg drohen. Angeblich soll die Rakete des Entführers in Japan heruntergekommen sein, also wird Bond dorthin geschickt, um mal nach dem rechten zu sehen. Dann wird er aber noch vor dem Vorspann ermordet. Schon wieder! In „Liebesgrüße aus Moskau“ war das ja nur ein falscher Bond, aber ich glaube nicht, dass die uns jetzt auch verarschen wollen. Tja, das war ein kurzes Vergnügen. Also habe ich die DVD gestoppt und mich anderen Dingen gewidmet.

Ende.

manlebtnur2x01Okay, natürlich war das nur eine Finte. Ich hatte mich schon länger gefragt, wie geheim Bonds Job eigentlich ist, wo er doch durch die Welt reist und sich immer unter seinem echten Namen vorstellt. Und ja, jetzt mussten sie die Reißleine ziehen und Bond öffentlich sterben lassen, damit er unbemerkt ermitteln kann. Da sie ihm aber weder das Gesicht operieren, noch eine neue Identität geben und er sofort wieder als „Bond. James Bond.“ durch die Gegend zieht, wirkt diese Aktion aber ziemlich überflüssig.

Wie dem auch sei, Bond wird nach Japan geschickt, wo seine Tarnung als vermeintlich Verstorbener auch nicht wirklich etwas bringt. Sein erster Kontaktmann, Dikko Henderson (Charles Gray, der Erzähler aus der „Rocky Horror Picture Show“), ein „cultural appropriator“ vor dem Herrn, der es sich in Japan sehr gemütlich gemacht hat, wird sofort ermordet, aber Bond schafft es zumindest, den Mörder zu stellen und durch einen verhältnismäßig cleveren Trick in dessen Hauptquartier zu gelangen. Zusammen mit Tiger Tanaka (Tetsuro Tanba), dem Chef des dortigen Geheimdienstes, gelingt es ihm, am nächsten Tag „offiziell“ (und sogar undercover) dort aufzutauchen. Leider versagt Bond auch hier schnell und schwups, sind wieder ein paar Killer, inklusive der vermeintlichen Assistentin Helga Brandt (die kürzlich verstorbene deutsche Schauspielikone Karin Dor) hinter ihm her.

Machen wir es kurz: Nach einigen sehr coolen Actionszenen, wie einer für diese Zeit wirklich innovativ gefilmten Prügelei auf einem Hausdach oder einer Verfolgungsjagd und Schießerei mit einem Minihelicopter, stellt sich heraus, dass Blofeld (diesmal gespielt vom immer hervorragenden Donald Pleasance) dahintersteckt und er sein Hauptquartier in einem Vulkan hat. Ein Haufen cooles, aber auch rassistisches und sexistisches Zeug passiert und am Ende ist Bond der Sieger, obwohl Blofeld davonkommt.

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Bond als „Japaner“.

Ja, die Bond-Reihe packt hier die volle Fantastikkeule aus. Das hat seinen Grund wohl darin, dass das Drehbuch von niemand Geringerem als Roald Dahl stammt, dem Autor solcher Klassiker wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „James und der Riesenpfirsich“, „The BFG“ oder „Hexen hexen“. 007 bekommt es hier zwar nicht mit Magie und ähnlichen Dingen zu tun, aber nachdem schon die letzten paar Filme in einer „heightened Reality“ spielten, ist dies nun eine Welt, in der Geheimorganisationen ihr Hauptquartier in ausgehöhlten Vulkanen beziehen und Raumschiffe bauen können, die andere Raumschiffe verschlucken. Gleichzeitig beschäftigt der japanische Geheimdienst eine Armee von Ninjas, wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob das cool oder ein peinliches Klischee ist.

Problematisch war die Serie bis jetzt ja immer, aber mit Bonds Trip nach Japan, erreichen wir neue Cringelevel. Etwa wenn Tiger Bond erklärt, dass in Japan „erst der Mann, dann die Frau“ kommt, während sie von seinen persönlichen Geishas gebadet werden. Oder wenn 007 tatsächlich in Yellowface herumläuft, um sich unbemerkt auf der Insel mit Blofelds Vulkan herumtreiben zu können. Zudem wird Bond hier so richtig arschig, da ein Teil seiner Tarnung daraus besteht, verheiratet zu werden. Erst glaubt er, dass seine neue Tarngattin eine alte Schachtel sei, weswegen er herumschmollt, wie ein kleines Kind, das keine Schokolade zum Frühstück essen darf. Erst, als sich seine Braut als die sexy Agentin entpuppt, mit der er schon die ganze Zeit herumflirtet (nachdem eine Andere ermordet wurde), hat er plötzlich wieder Spaß an seiner Mission.

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Blofelds armes Kätzchen!

Es dauert ewig,  bis wir Blofeld zu sehen bekommen. Auch wenn er schon optisch einer der ikonischsten und meistparodierten Schurken der Filmgeschichte ist, zieht die Kombination aus seinem Make up und Donald Pleasances Performance immer noch. Leider ist die Schurkenfraktion ansonsten ziemlich mager. Karin Dors Helga ist noch die Beste. Eine von den bösen Bondgirls, die sich von 007s Charme nur zum Schein einwickeln lassen und ihm teilweise sogar überlegen sind. Leider entsorgt Blofeld sie ziemlich schnell in seinem Piranhapool, was immerhin ein denkwürdiger Tod ist. (Der offene Piranhapool in Blofelds Wohnzimmer scheint mir übrigens ziemlich verantwortungslos zu sein. Was ist, wenn seine Katze da hineinfällt?! Oder er selber, bei einem nächtlichen Toilettengang?)

Also, „Man lebt nur zweimal“ hat, wie eigentlich bis jetzt jeder Film der Reihe, einige riesige Probleme, bei denen man viele immerhin halbwegs als „Produkt ihrer Zeit“ belächeln kann. Zeitgleich kann er auch nicht über die ganze Laufzeit hinweg unterhalten (Der Teil von Bonds Japanisierung, bis zum Eindringen in Blofelds Versteck ist ziemlich langweilig), bietet aber ein im wahrsten Sinne des Wortes fantastisches Abenteuer, voller erinnerungswürdiger Momente (meistens sogar aus den richtigen Gründen), einen Schurken, der so gelungen ist, dass seine minimale Screentime nicht ins Gewicht fällt, tolle Actionszenen und einen atmosphärischen Vorspann.

 

„Sonntag ist Bondtag“ will return, aber mit einer kleinen Umleitung.

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