Sonntag ist Bondtag: "Feuerball"

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„James Bond does it everywhere“. Giggity.

Die ersten drei Filme der 007-Reihe, waren zwar von gemischter, aber eigentlich ziemlich guter Qualität. Es gab zwar das eine, entstehungszeitbedingte Rassismusproblem hier oder ein Sexismusproblem dort, sowie viele, viele Logiklöcher, aber im Großen und Ganzen wurde ich bis jetzt sehr gut unterhalten. Leider ist Teil 4, „Feuerball“, die erste, echte Enttäuschung der Reihe.

Der Anfang macht aber Spaß! Nicht nur die Eröffnungsszene, in der Bond die Beerdigung eines Spectre/Phantom-Agenten besucht, nur um dann den vermeintlich Toten, der als seine eigene Witwe verkleidet ebenfalls dort zugegen war, endgültig unter die Erde zu befördern. Mal, im Ernst, das hat der Typ nicht anders verdient. Wer sich so einen bescheuerten Plan ausdenkt, soll sich nicht wundern, wenn er nicht funktioniert.

Nach dem Vorspann, mit vielen Frauensilhouetten unter Wasser und einem Tom Jones Song, geht es vergnüglich weiter. Bond ist in einem Kurhotel und muss sich mit diversen Mordanschlägen auseinandersetzen. Gleichzeitig wird 007 aber hier auch endgültig zu dem dauergeilen Sexmonster, das alles bumst, was zwei Beine und eine Vagina hat. Wenn man mindestens 1 W12+3 Augen zudrückt, kann man sein Verhalten in den vorherigen Teilen, noch als „forsches Flirten“ abtun, aber wie Bond hier Masseurinnen betatscht und sie regelrecht vergewaltigt (Auch wenn sie  dann doch okay damit zu sein scheinen), kann selbst 1965, als der Film herauskam, nicht okay gewesen sein. Da ist es nur passend, dass Bond beinahe stirbt, als jemand eine therapeutische Streckbank voll aufdreht, was aussieht, als ob er von einer Maschine zu Tode gebumst wird. Keine Ahnung, ob dieses visuelle Innuendo geplant war, aber naja…

007Feuerball02Doch auch wenn einige Mitspieler sich schon im selben Gebäude wie unser notgeiler Protagonist aufhalten, geht die Story erst richtig los, als Phantom unter der Leitung von Emilio Largo (Adolfo Celi), natürlich im Auftrag von Blofeld, dessen Gesicht wir immer noch nicht sehen, ein Militärflugzeug mit zwei Atombomben klaut. Dieser Diebstahl ist eine der besten Szenen des Films. Zugegeben, für manche Zuschauer mag sie vielleicht etwas zu langatmig sein, aber gerade diese unglaubliche Detailversessenheit darin, finde ich faszinierend. Jede Kleinigkeit, vom Start des Flugzeuges, bis zum Mord an der Crew, der Landung unter Wasser, ja, bis hin zu Befestigung eines Tarnnetzes, wird uns beinahe schon auf Dokumentarfilmart vorgesetzt! Wie gesagt, das dauert eine Weile, hat mich aber sehr fasziniert.

„Das dauert eine Weile“ ist leider das Hauptproblem von „Feuerball“. Dies ist der erste Film der Reihe, der über zwei Stunden läuft. Damit habe ich im Prinzip kein Problem, aber die lange Laufzeit ist diesmal wirklich ungerechtfertigt. So viele Szenen sind lustlos in die Länge gezogen, obwohl so wenig passiert. Die Highlights sind dabei eine Verfolgungsjagd während einer Parade und das Finale, auf das ich gleich zurückkommen möchte. Aber „Feuerball“ ist in seiner Gesamtheit vergessenswert. Adolfo Celi hat eine gute Leinwandpräsenz, aber Emilio Largo ist ein langweiliger Schurke, dessen Liebe für Haie zwar ein nettes Gimmick ist, welches aber leider nur in einer Szene gut genutzt wird. Seine Handlangerin Fiona (Luciana Paluzzi) ist Bond zwar fast ebenbürtig und lässt sich diesmal nicht von seinem Penis bekehren, wirkt aber trotzdem blass.

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Die Unterwasser-Actionszene am Schluss, ist das einsame Highlight des Films.

Aber das Finale! Das verdammte Finale! Das ist ein Finale, das heute noch unerreicht ist! Es handelt sich hierbei um eine weitere Unterwasserszene, aber diesmal kämpfen Ca. 50 gute Taucher gegen mindestens genau so viele böse Taucher, in einem spektakulär gefilmten hauen, stechen, harpunieren und Luftschläuche-durchschneiden, das seinesgleichen sucht. Das ist ein unglaublich aufregender und brillant choreographierter Moment, der gerne noch 10 Minuten länger hätte gehen können! Laut lachen musste ich dabei in zwei kurzen Momenten, in denen die Unterwasserfauna ins Spiel kommt. Einmal sehen wir einen Hummer, der unter den kämpfenden Tauchern hindurchzukriechen versucht (und vermutlich gar nicht glauben kann, was er da sieht), beim anderen Mal schwimmt ein kleiner Oktopus im Gesicht eines „toten“ Tauchers herum, als wollte er nachschauen, ob alles in Ordnung ist. Naja, ist vielleicht witziger, wenn man es sieht.

Aber ansonsten gibt es nicht viel über „Feuerball“ zu erzählen. Hoffentlich wird der nächste Film besser.

„Sonntag ist Bondtag“ kehrt zurück mit „Man lebt nur zweimal“

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Poster und Screencaps © MGM

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