Sonntag ist Bondtag: "Goldfinger"

Und zack! Schon mit dem dritten Film erreichte die 007-Reihe absoluten Klassikerstatus! „Goldfinger“ zählt heute noch als der definitive Bondfilm. Aus heutiger Sicht lässt sich das etwas schwer nachvollziehen, aber es ist eindeutig, warum der Film zu seiner Zeit für kollektive Begeisterungsstürme sorgte.

goldfingerAber fangen wir am Anfang an. Dort schleicht sich Bond in eine Drogenfabrik in Südamerika. Erst Unterwasser, mit einer Mövenattrappe auf dem Kopf. Er legt Plastiksprengstoff aus, schleicht sich raus, geht im Smoking, den er unter dem Taucheranzug hatte, in eine Bar und tut unauffällig. Vielleicht etwas zu unauffällig. Ich fände es schon komisch, wenn es draußen eine riesige Explosion gibt, es aber einen Typen absolut nicht interessiert. Wie dem auch sei, bevor er sich ins Flugzeug nach Miami setzt, verführt er erst noch eine Bauchtänzerin, die aber wiederum für die Gegenseite arbeitet. Doch Bond ist mittlerweile so cool, dass er selbst das ohne Probleme, aber mit einem coolen Spruch handhabt.

Schon nach diesem kurzen Einstieg ist klar: Die Serie hat ihre Formel gefunden und alle Beteiligten sind in dem, was sie tun, absolut sicher . Vor allem Sean Connery hat endlich das Bondsche Augenzwinkern, mit dem wir diese Rolle assoziieren, perfektioniert. Der Vorspann legt dann gleich auch noch eine weitere Tradition fest. Nachdem wir schon in „Liebesgrüße aus Moskau“ die bekannten, halb nackten Tänzerinnen vor und hinter bunten Lichtspielereien zu sehen bekamen, hören wir diesmal einen Titelsong, anstelle eines Instrumentalstücks. Natürlich ist hier die Rede von Shirley Basseys musikalischer Warnung vor dem Bösewicht des Films. Ein Song, der zurecht ein Klassiker ist und wohl von jedem sofort wiedererkannt wird, noch bevor das erste „Goooooooldfinnnngeeeeeeer“ ertönt.

Nach dem Vorspann kommen wir zum interessantesten Teil des Films. Zumindest in meinen Augen. Der Teil, in dem Bond so richtig Scheiße baut! In Miami trifft er auf Felix Leiter, der, im Gegensatz zu dem, was ich in der „Dr. No“ Kritik schrieb, immer noch weiß ist. Allerdings ist er auch stark gealtert. Gespielt wird er diesmal von Cec Linder, der bis zu seinem Tod eine gut laufende Karriere als Nebendarsteller hatte. Leiter erzählt Bond, dass M ihn beauftragt hat, den exzentrischen Millionär Auric Goldfinger (Natürlich gespielt von der deutschen Schauspielikone Gert Fröbe) zu beobachten. Be-o-bach-ten! Aber was macht Bond? Er sieht, dass Goldfinger beim Kartenspielen betrügt, findet die Person, die ihm dabei hilft und sorgt nicht nur dafür, dass der Betrüger einen Haufen Geld verliert, sondern tut das auch noch auf absolut angeberische Art! Und danach bleibt er mit Goldfingers Helferin Jill Masterson (Shirley Eaton) für ein Schäferstündchen in dessen Hotelzimmer. Bond fühlt sich eindeutig unbesiegbar. Bis er K.O. geschlagen wird und später Jill tot und mit Gold überzogen auffindet.

Goldfinger03
Die bekannteste Leiche der Filmgeschichte.

Die tote, goldene Frau ist natürlich eines der bekanntesten Bilder der Filmgeschichte. Eigentlich ist es absoluter Bullshit jemanden so zu töten. Schon von der Logistik her. Wie still muss jemand halten, damit man diese Person so einfärben kann? Und dann auch noch die Erklärung, dass sie erstickt sei, weil ihre Haut nicht mehr atmen konnte. Was war sie? Ein Mutant? Hat sie nicht mit ihrer Lunge geatmet? Sind die Menschen in den 60ern nie ins Wasser gegangen oder hat man damals geglaubt, wenn man zu lange in der Badewanne sitzt, erstickt die Haut und man ertrinkt? Naja, cool sieht die Leiche trotzdem aus, das muss man eingestehen.

Ich will hier nicht den ganzen Film nacherzählen, aber trotz allem bekommt Bond eine zweite Chance und wird weiterhin auf Goldfinger angesetzt. Dabei trifft er auf Tilly (Tania Mallet, in ihrer ersten von nur zwei Schauspielrollen.), die Schwester von Jill, die sich an Goldfinger rächen will. Sie ist allerdings keine professionelle Killerin und stellt sich mehr als ungeschickt an. Leider schafft es Bond auch nicht, sie zu beschützen, weshalb er sich sichtbar schlecht fühlt. Das ist ein gelungener Versuch, Bond mal wieder etwas menschlicher zu machen. 007 ist so ein unbesiegbarer Supermann, dass es oft schwerfällt, ihn als irgendetwas anderes als eine Mary Sue zu sehen. Da ist es interessant, dass gerade der beliebteste seiner Filme der ist, in dem er fast nichts auf die Reihe bekommt.

Die zweite Hälfte des Films verbringt Bond nämlich in Goldfingers Gefangenschaft. Dabei ist er so passiv, wie nur möglich. Die paar Versuche, die er unternimmt um zu fliehen oder Goldfingers Pläne zu vereiteln, scheitern die meiste Zeit über. Ein paar mal kann er sein Leben durch pures Glück retten. Etwa wenn er, dank ein paar aufgeschnappter Worte, vortäuschen kann, mehr zu wissen, als er soll und so dem Tod durch Laserstrahl entgehen kann. Aber die meiste Zeit über scheint Goldfinger Bond überlegen zu sein, ohne, dass der Bösewicht sich anstrengen muss.

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Die bekannteste Pussy der Filmgeschichte. (Und James Bond.)

Die Charaktere in diesem Film sind nicht so farbenfroh und erinnerungswürdig wie in „Liebesgrüße aus Moskau“, aber vor allem auf der Schurkenseite punktet „Goldfinger“. Zum Beispiel mit Goldfinger! Gert Fröbe spielt ihn wie jemanden, der Spaß am Verbrechen hat, für den es ein Heidenspaß ist, seine Pläne durchzuziehen und der es genießt, gegen einen würdigen Gegner anzutreten. Nur eben, dass er nichts von Fairplay hält und es hasst, zu verlieren. So augenzwinkernd Fröbes Spiel ist, man vergisst nie, dass Goldfinger ein ernstzunehmender Gegner ist. Sein Handlanger Oddjob (Harold Sakata) ist vielleicht der am häufigsten parodierte Bond-Schurke aller Zeiten, doch aller Parodien und der gewissen Albernheit eines Killerhutes zum Trotz, ist der unaufhaltbare Kraftprotz ein furcht einflößender Penzer von einem Mann, den unser Held nur durch einen Trick und viel Glück besiegen kann.

Dann ist da noch Pussy Galore (Honor Blackman, Diana Riggs Vorgängerin in „Mit Schirm, Charme und Melone“), ein Bondgirl, das Bond tatsächlich überlegen zu sein scheint. Sie ist nicht nur gut darin, ihn im Zweikampf zu überwältigen, sie lässt sich auch nicht von seinem Charme einwickeln. Naja, bis zum Ende. Hier sind wir wieder beim typischen 60er Jahre Sexismus. Nachdem Pussy es tatsächlich schaffte, 007 mehr als einmal zu überrumpeln, gewinnt er schließlich die Oberhand, zwingt ihr auf ziemlich fragwürdige Art und Weise einen Kuss auf und schafft es mit der Macht seines Sexualtriebes sie dazu zu bringen, ihren Chef zu verraten.

Machen wir uns nichts vor. „Goldfinger“ ist ein sehr unterhaltsamer Film, aber er ist auch ziemlich dämlich. Musste man in den ersten beiden Teilen sein disbelief auf härteste Weise suspenden, zählt das für Teil 3 doppelt und dreifach.  (Spoiler für einen über 50 Jahre alten Klassiker) „Highlights“ sind zum Beispiel, wenn Goldfinger seinen Geldgebern (scheinbar amerikanische Mafiaclans) seinen Plan erklärt, damit sie nicht sofort ihr Geld zurückfordern. Nur, um sie dann trotzdem umzubringen, wenn sie zustimmen. Außerdem stellt sich der erzählte Plan als falsch heraus. Gleichzeitig lässt er einen von ihnen, der lieber aussteigen und seine Investition zurückhaben wollte, mit einem Koffer voll Gold wegfahren, nur um ihn dann zu erschießen, samt Auto und Gold in einer Schrottpresse zu zerquetschen und dann später das Gold aus dem Schrottwürfel wieder extrahieren zu lassen. Das scheint mir ziemlich viel Aufwand zu sein, nur um ein paar Typen, die er sowieso hinterrücks töten wollte, um die Ecke zu bringen.

Goldfinger05
Der bekannteste Laserstrahl, der auf die Eier eines an einen Tisch gefesselten Mannes gerichtet ist, der Filmgeschichte.

Auch die Art und Weise, wie Goldfingers Plan, das Gold in Fort Knox radioaktiv zu verstrahlen, verhindert wird, ist irgendwie…hä? Nicht nur, dass Bond scheinbar alles Böse aus Pussy Galore herausbumst, sie schafft es auch mal eben mehrere Kanister tödliches Giftgas auszutauschen, während Felix Leiter es schafft, einen ganzen Armeestützpunkt dazu zu bringen, zum richtigen Zeitpunkt tot zu spielen! Nein, Freunde, wirklich viel Sinn ergibt „Goldfinger“ nicht.

Aber wie erwähnt macht er Spaß und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie er auf das Kinopublikum der 60er Jahre gewirkt haben muss! Heute ist „Goldfinger“ nichts Besonderes mehr, aber Mann, zu dem Zeitpunkt gab es nichts Vergleichbares! Höchstens ein paar kreative B-movies, aber dieser Film hat so ziemlich das Agentenfilmgenre im Alleingang umgekrempelt. Selbst „seriöse“ Agententhriller haben sich mehr an „Goldfinger“ (und der Reihe im Allgemeinen) orientiert, als sie sich eingestehen wollen! Das muss man „Goldfinger“ schon anerkennen.

Sonntag ist Bondtag will return in: „Feuerball“

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Poster & Screencaps © MGM

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