Sonntag ist Bondtag: "James Bond 007 jagt Dr. No"

Hey Kids, hier wäre ich dann, mit einer neuen Reihe. Für die nächsten über 20 Wochen, werde ich jeden Sonntag einen James Bond Film rezensieren. Ja, ich weiß, das Web braucht nun wirklich nicht noch mehr 007-Kritiken, aber gönnt mir den Spaß. Viele der Filme sehe ich jetzt tatsächlich zum ersten Mal wissentlich und voll konzentriert am Stück, nachdem ich immer nur Teile oder sie vielleicht mal vor 30 Jahren als Kind sah.

dr_no_ver2_xxlgAlso, fangen wir mit Teil 1 an: „Dr No“! (Der Name der Pornoversion ist übrigens „Dr Yes, Yes, Yes, Deeper, Yes!“) Darin wird 007 beauftragt nach Jamaika zu fliegen und das Verschwinden des dortigen MI6 Agenten zu untersuchen. Wir wissen schon, dass er und seine Sekretärin von drei Killern ermordet wurde, die gleich zu Anfang den augenzwinkernden Ton der Reihe festlegen: Drei blinde Männer, die gemeinsam durch Jamaika laufen, aber sich am Ende als gar nicht blind entpuppen. Ich betone: Sie gehen nicht einfach zu ihrem Zielort und spielen dann blind, sie laufen vielleicht stundenlang als Blinde getarnt durch die Gegend! Das sind doch mal Menschen, die ihren Job ernst nehmen! #KayfabeIsNotDead

Was mir sofort auffiel, war, wie versucht wurde, diesen Film sofort zu etwas Besonderem zu machen. Das ist der erste Film der Reihe, aber er beginnt schon mit der bekannten „Gun Barrell“ Sequenz. Der knallbunte, im besten Sinne auf „Swinging Sixties“ getrimmte Vorspann, hat noch keinen Titelsong, sondern „nur“ das instrumentale „James Bond Theme“, aber selbst das ist, zurecht, eine der bekanntesten Melodien der Filmgeschichte. Wenn wir James zum ersten Mal sehen, wird ein großes Geheimnis um sein Aussehen gemacht. Er sitzt in einem Casino, spielt in einem Geheimauftrag Kartenspiele und wir sehen weder sein Gesicht, noch hören wir seine Stimme, bis er endlich die bekannten Worte von sich gibt:

„Bond. James Bond.“

Wir haben über die Jahrzehnte schon so viele vermeintliche Franchisestarter gesehen, aber nur wenige taten dies mit einem derartigen Selbstbewusstsein wie dieser hier. Das muss man anerkennen.

Doch Kultstatus hin und Filmklassiker her, nach diesem fulminanten Anfang wird es leider etwas monDr No01oton. Nachdem Bond von M gebrieft wurde und in Jamaika angekommen ist, trifft Bond auf sich mal mehr, mal weniger geschickt anstellende Personen, die ihn entweder umbringen oder verfolgen wollen. Einige werden schnell zu Freunden, wenn sie erfahren, wer er ist, Andere waren schon immer Freunde, auch wenn Bond es noch nicht wusste. Wie z.B. Felix Leiter, der hier allerdings, im Gegensatz zum Rest der Reihe, noch weiß ist. (Gespielt wird er von Jack Lord, der später als Hauptdarsteller in der Originalversion von „Hawaii 5-0“ zum Fernsehstar wurde.)  Aber in seiner Gesamtheit wirkt die erste Hälfte des Films ziemlich langweilig, oft sogar unmotiviert. Manchmal verlässt Bond einfach sein Hotelzimmer und gerät sofort in eine Verfolgungsjagd oder einen Mordanschlag, einfach nur, weil jetzt mal wieder Zeit für Action ist. Und weil Bond so ein cooler Typ ist, entkommt er selbst der Giftspinne im Bett problemlos.

Dr No02
Nein, Bond“ Nicht so nah an Moneypenny! Das gibt nur Ärger!

Interessant ist allerdings, dass 007 hier tatsächlich Detektivarbeit leistet. In den paar Filmen, die ich gesehen habe, hieß es von Seiten von M immer: „Das ist der Bösewicht. Das ist sein Plan. Tun sie etwas dagegen.“ Hier soll Bond herausfinden, was passiert ist, wer dahinter steckt und warum. In diesem Fall ist es natürlich Dr No (Joseph Wiseman), ein böses Genie mit Metallhänden, das mit Hilfe von selbstgebauten Atomraketen das Raumfahrtprogramm der USA sabotieren möchte. Im letzten Drittel, als die Handlung des Films auf Nos Insel verlegt wird, kommt richtig Schwung auf. Das Geheimversteck wirkt, auf charmante Retro-Art, schön futuristisch, Dr No selber ist, trotz des fragwürdigen Yellowface Make-Ups, ein charismatischer Schurke und allgemein wird der Film zu einem, der sich nicht dafür schämt, in fantastische Pulpgefilde abzugleiten. Es ist kein Wunder, dass man, wenn man an „James Bond“ denkt, einem Situationen und Charaktere in den Kopf schießen, die Dr No und seinem Geheimversteck nachempfunden waren.

Dr No04
Äääääh…no.

Im Jahre 2017 muss man sagen, dass „James Bond 007 jagt Dr. No“ eine gemischte Erfahrung ist. Der Film ist auf eine nostalgische Art unterhaltsam und war auch eindeutig stilbildend für so ziemlich alles, was in den 60ern auf die Leinwand geworfen wurde. Gut, man muss ein gewisses Maß an Sex- und Rassismus tolerieren. Ursula Andress ist als „Honey Rider“ eine Filmikone, aber im Endeffekt ist sie nur Eye Candy, auch wenn es zumindest anfangs so aussieht, als ob sie mehr drauf hätte. Erst bedroht sie Bond mit einem Messer, redet stolz darüber, wie sie die Wachen auf Dr Nos Insel austrickst und wie sie schon mal jemanden aus Rache getötet hatte (In den 60ern waren Giftspinnen wohl beliebte Mordwaffen.), aber dann muss sie nur gut aussehen und von Bond gerettet werden. Und es ist nicht nur so, dass Dr No von einem weißen Schauspieler mit falschen „Schlitzaugen“ gespielt wird, einer von Bonds Sidekicks in diesem Film ist ein kulleräugiger Schwarzer, der einen schlecht bemalten Panzer mit Flammenwerfer tatsächlich für einen Drachen hält. Aber naja, das war eine andere Zeit. Damit muss man halt bei Filmen eines gewissen Alters rechnen.

Trotz aller Mängel, wie der zumindest anfangs wenig packenden Handlung, ist klar, warum der Film seinerzeit derart einschlug. Sean Connery ist charismatisch wie der Teufel. 007 ist eine Mary Sue, aber eine verdammt coole. Die Sorte, die man selber gerne wäre oder die zumindest beim immer-alles-perfekt-machen gut unterhält. Vor allem aber war es plötzlich erlaubt, das so trockene und düstere (filmische) Spionageleben mit einer fetten Dosis Fantastik zu versehen. Ich müsste vielleicht etwas tiefer recherchieren, um diese Theorie zu belegen, aber ich bin mir sicher, dass James Bond half, Science Fiction und Fantasy aus den Kinderzimmern und B-Movie Gefilden der 50er Jahre, direkt in den Mainstream zu hieven und so die 60er zu einem goldenen Zeitalter für Fans von eben diesem zu machen.

„Sonntag ist Bondtag“ will return in…“Liebesgrüße aus Moskau“

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Bilder © MGM

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