Der Akte X Spätstart Report: "Rotes Museum"

Zuletzt beim „Akte X Spätstart Report“: Nachdem Scully aufgrund der realen Schwangerschaft von Gillian Anderson entführt wurde, tauchte sie nach nur ein paar Folgen wieder auf und bei dem Versuch herauszufinden, wer dahintersteckte, kam Mulder, wie üblich, keinen Schritt weiter. Dann wurden Bradley Whitford, Shawnee Smith und Leland Orser im Inneren eines Vulkans von Pillemannpilzen getötet, bis schließlich die Serie von Amazon Prime zu Maxdome wanderte. Da ich aber schon zu viel Geld im Monat für andere Streamingdienste bezahlte und mir Maxdome als Abnudelstation für Pro 7/Sat 1 Produktionen, mit nur wenig sehenswerten Exklusivangeboten keinen Anreiz bat, musste der Spätstartreport pausieren. Bis ich auf den Trichter kam, mir einfach gebrauchte Staffelboxen für einen Appel und ein Ei zu besorgen. Also Medimops sei Dank*, kann meine erste Begegnung mit einem der größten, das Fernsehen für immer verändernden Kultphänomene der 90er Jahre weitergehen.

*Unbezahlte Werbung.

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Spanner gotta spann

„Rotes Museum“ ist leider eine ziemlich uninteressante Folge, auch wenn ich ihr zugutehalten muss, dass dort so viele Dinge passieren, dass man nie weiß, wohin sich die Story entwickelt. Alles fängt an, wenn die Mitarbeiterin eines Schlachthauses nach Schichtende einen gemütlichen Feierabend mit ihren Kindern verbringen will. Während sie sich im Bad auszieht, wird sie dabei durch ein Loch im Spiegel von einem Spanner beobachtet. Gleichzeitig bekommt ihr ältester Sohn einen Anruf, sagt seinem kleinen Bruder er sei in fünf Minuten wieder da und wird erst 12 Stunden später im Wald gefunden. Verwirrt, verängstigt, in Unterwäsche und „He is one“ mit Filzstift auf seinen Rücken geschrieben. Er hat keine Erinnerung daran, was passiert ist, aber er war nicht der erste Teenager. Der örtliche Sheriff glaubt, eine ortsansässige Sekte von Vegetariern hat damit zu tun. Diese „Kirche des roten Museums“ ist zwar scheinbar friedfertig, aber in ihrem Glauben gefestigt genug, um vielleicht zu extremen Mitteln zu greifen.

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Ab hier wird die Handlung etwas verworren. Noch mehr Teenager verschwinden und tauchen halb nackt, verwirrt und mit Filzstift beschmiert wieder auf. Als es später dem Sohn des Sheriffs passiert, ist dieser aber tot. Ein ehemaliger Farmer erzählt Mulder und Scully, dass das Örtchen in den letzten Jahren immer gewalttätiger wurde und dass die meisten dieser Taten von Jugendlichen ausgingen. Anstatt Heavy Metal und Videospielen die Schuld zu geben, glaubt er, dass die Wachstumshormone, die die örtlichen Schlachthausbetriebe ihrem Vieh spritzen, damit zu tun haben. Dann stirbt der Landarzt, der alle bisherigen Entführungsopfer entbunden und behandelt hat, bei einem Flugzeugabsturz. Im Gepäck hatte er einen Koffer voller Geld und eine Ampulle mit Alien DNS. Schließlich läuft auch noch der Typ, der Mulders Informanten Deep Throat erschossen hat, in der Gegend herum und macht Jagd auf die minderjährigen Patienten des toten Doktors.

aktexmusem01Und am Ende kommt wieder die größte Schwäche von „Akte X“ zum Vorschein: Der Fall ist beendet, das untersuchte Phänomen hat aufgehört, diejenigen, die damit zu tun hatten, sind tot oder hinter Gittern, aber am Ende bleiben trotzdem die meisten Fragen offen. Inklusive des „Wer steckte nun WIRKLICH dahinter?“ und „Was genau ist da eigentlich passiert?“ Auch sonst bietet die Folge nicht viel. Der erinnerungswürdigste Moment ist einer, der mit unseren Geschlechtererwartungen spielt. Als Mulder den Sheriff nach einem guten Platz zum Essen fragt, schlägt dieser ihm einen vor, „nach dem sie sich die Finger lecken werden“. Daraufhin sehen wir tatsächlich Scully, die mit verschmiertem Mund einen Teller Rippchen verdrückt, als hätte sie gemerkt, dass Frauen auch mal so richtig reinhauen dürfen. Kommt schon, wann habt ihr zum letzten Mal eine Frau in Film und Fernsehen so essen sehen, wie ihr es tut?

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aktexmusem03Am interessantesten an „Rotes Museum“ ist, dass die Folge als Crossover mit David E. Kelleys skurriler Kleinstadt Dramödie „Picket Fences“ geplant war, was leider daran scheiterte, dass beide Serien auf verschiedenen Networks liefen und man sich, über was auch immer, nicht einigen konnte. Im Gegensatz zur Staffel 1 Folge „Wunderheiler„, die ich damals mit dieser Serie verglich, kann ich aber nicht wirklich sehen, wie beide Universen hier aufeinandertreffen sollten. Okay, die Folge wurde kräftig umgeschrieben, aber auch wenn „Picket Fences“ nie vor düsteren Themen zurückschreckte, kann ich nur die Vegetariersekte als wirklich passend dafür empfinden. Wenn der Rest der Folge, mit den halb nackten (wenn auch nicht sexuell missbrauchten) Teenagern, Serienmördern, Pädophilen, etc so geplant war, ist es vielleicht besser, dass dieses Crossover nie zustande kam.

Insgesamt eine schwache Rückkehr für den Spätstart Report. Mal sehen, wie es nächste Woche wird.

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