So um 2012 herum stolperte ich über eine kanadische Serie, die mich sofort begeisterte und von der ich mit Recht behaupten kann, dass sie zu meinen absoluten Lieblingsserien zählt. „Todd & The Book Of Pure Evil“ ist „Scooby-Doo“ oder „Buffy“, mit überdrehten Splattereinlagen und schimpfwortdurchsetztem Kiffer- und Toilettenhumor. Das klingt doof, ist aber verdammt witzig und entwickelt nach einer kurzen Anlaufphase, eine wirklich packende Handlung.

ToddBookPureEvilteoteIn dieser geht es um den Highschool-Versager Todd (Alex House). Dieser verbringt seine Schulzeit damit, sich zusammen mit seinem besten Freund Curtis (Bill Turnbull) die Birne zuzukiffen und jeder Verantwortung aus dem Weg zu gehen. Bei dem Versuch ein echter Heavy Metal Gott zu werden und so das Herz seines Schwarms Jenny (Maggie Castle) zu erobern, trifft er auf das Buch des puren Bösen, eine Art Nekronomikon, das jedem seine tiefsten Wünsche erfüllt. Natürlich bekommen die Wünschenden, in bester „Wishmaster“-Manier, nicht wirklich das, was sie sich unter ihren Wünschen vorgestellt haben. Und weil es sonst kein Anderer macht, liegt es am Ende an Todd, Curtis, Jenny und der nerdigen Hannah (Melanie Leishman), die Crowley High von Monsterpenissen, Riesenbabys, Fettmonstern, Zombies, unsichtbaren Perversen, und Satanisten zu retten. Moralische Unterstützung bekommen sie dabei vom Hausmeister Jimmy (Jason Mewes, der Jay von „Jay & Silent Bob“), während der unbeholfene Vertrauenslehrer Atticus (Chris Leavins, der dank seiner Webshow „Cute With Chris“ einer der ersten Internetstars war) seine eigenen Pläne verfolgt.

Auch wenn die Serie eine treue Fangemeinde um sich scharen und einige Preise (wie z.B. Kanadas wichtigsten Fernsehpreis, den „Gemini Award“) gewinnen konnte, war sie nie ein großer Erfolg und wurde nach zwei kurzen Staffeln abgesetzt. Dass die Fans sich eine Weiterführung wünschten und diverse Fanaktionen starteten, ist selbstverständlich. Schon alleine, weil die Serie mit einem derben Cliffhanger endete. Richtig Schwung kam aber in die Sache, als die Macher im Jahr 2013, also zwei Jahre nach der Absetzung, eine Crowdfunding Kampagne, für einen animierten Abschlussfilm starteten. Und ja, selbst ich steuerte einen (für meine Verhältnisse viel zu hohen) Geldbetrag bei und half, dass die Kampagne das Anderthalbfache des Ziels erreichte. Und auch wenn es manchmal zu einer Nervenprobe wurde (u.a. dauerte die Fertigstellung des Films ein paar Jahre länger als angekündigt und öfter gab es monatelang keine Updates), hat sich die Wartezeit, zumindest in meinen Augen, gelohnt.

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Also, Disclaimer: Ich habe den Film mitbezahlt, eine Cartoonversion von mir ist in zwei Szenen zu sehen und ich stehe sogar im Abspann. Außerdem bekam ich einen frühen Screener zugeschickt.

Als wir die Gang das letzte Mal sahen…

…hatte Todd, mit Hilfe seiner Macht als der „Pure Evil One“, Atticus in das Buch verbannt und den satanischen Schmöker verschwinden lassen. Leider starb dabei Hannah, die eine unerklärliche Verbindung zu dem Buch hatte. Curtis machte seinen besten Freund für den Tod seiner großen Liebe verantwortlich und Jimmy, der endlich die Schule verlassen konnte, zog in die Welt hinaus. Wie sich aber zeigte, war Hannah nicht wirklich tot. Oder genauer gesagt, es gab noch eine Version von ihr, die sich jetzt aus dem Geheimlabor unter dem Hauptquartier der Satanisten erhob.

Und genau da setzt der Film an:  Die Gang ist immer noch zerrüttet und ohne das Buch, ist das Leben an der Crowley High auch noch scheißlangweilig. Zum Glück setzt Atticus loyalster (und einziger) Handlanger alles daran, ihn und das Buch zurückzuholen. Und schwupp, durch die Rückkehr von Hannah und den täglichen, vom Buch verursachten Gemetzeln, ist alles wieder gut (je nach Ansichtssache). Aber natürlich hat das Ganze einen Haken und alles läuft auf einen apokalyptischen Showdown, mit einem weiteren „Pure Evil One“ hinaus.

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Die Gang in Echt.

„The End Of The End“ ist ein Film, der wirklich nur für die Fans der Serie gemacht wurde. Im Ernst, ich kann mir nicht vorstellen, dass, trotz der kurzen Zusammenfassung am Anfang, irgendein Quereinsteiger in der Lage sein wird, den wichtigsten Teilen der Handlung zu folgen. Sie werden zwar trotzdem viel lachen und vielleicht im Allgemeinen vom Verlauf der Geschichte unterhalten werden, aber hier wurde wirklich darauf geschissen, ob irgendjemand, der die Serie nicht kennt, versteht, worum es geht.

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Da ich ein Fan bin, der alle Folgen mehrfach gesehen hat, geht das aber für mich in Ordnung.

Der größte Mangel für Fans, ist hingegen der Animationsfaktor. Von Seiten der Macher wurde von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt, was diese Entscheidung betraf. Es hielt die Kosten niedrig(er) und da die Darsteller innerhalb der kurzen Zeit zu stark gealtert waren, um selbst im Scherz so zu tun, als wäre kaum Zeit vergangen, wäre dieses Problem damit auch aus dem Weg. Trotzdem ist es etwas enttäuschend, dass die Serie „nur“ in einem Cartoon endet. Immerhin, auch wenn die Animation jetzt nicht wirklich A-Level Kinoqualität hat, ist sie nicht schlecht. Es ist keine billige Flashanimation oder Pseudo-Animekack. Ich würde sie als „Cartoon Network Qualität im oberen Mittelfeld“ bezeichnen. Etwas flach, manchmal etwas steif, aber zu den richtigen Momenten flüssig und vor allem gewöhnt man sich schnell daran.

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Interessierten kann ich nur empfehlen, sich die DVDs zur Serie zu importieren.

Ansonsten hat „The End Of The End“ all das, was Fans an der Serie schätzten. Überdreht-lustige Gewalt (die allerdings dadurch, dass sie jetzt animiert ist, etwas an Charme verliert), zum umfallen komische Witze zwischen debil-zotig und brillant-albern und eine überraschend fesselnde Handlung, die gerade dadurch, dass es um das Schicksal eines unserer Helden geht, bei mir für mehr Spannung sorgte, als es in Komödien normalerweise der Fall ist. Sehr schön ist auch, dass der Film, im Gegensatz zu anderen späten Fortsetzungen, wie z.B. denen von „Firefly“ oder „Veronica Mars“, wirklich als Abschluss funktioniert. Es wird – soviel verrate ich – ein Hintertürchen für weitere Abenteuer unserer Helden offengelassen, aber ansonsten werden alle wichtigen, offenen Handlungsfäden der Serie zusammengeführt und die Geschichte zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht, ohne, dass neue Fragen aufgeworfen werden.

Aktuell macht der Film gerade eine Festivaltour durch Kanada und die USA. Ende des Jahres soll er auf dem dortigen Heimvideomarkt erscheinen. Keine Ahnung, ob er es je nach Deutschland schaffen wird. Von der Serie lief hier auch nur die erste Staffel, schlecht synchronisiert, nachts auf VIVA. Trotzdem wollte ich es mir nicht nehmen lassen, Euch mal davon zu erzählen.

 

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