Nachdem in den ersten 3/4 des Jahres nicht sooo viele Alben veröffentlicht wurden, die mich wirklich interessierten, ging es in den letzten paar Wochen veröffentlichungstechnisch so richtig ab! Wenn auch mit gemischten Resultaten.

Beck: „Colors“

Beck ColorsEs gibt nicht viele Musiker, die ich schon als Zwölfjähriger gerne gehört habe und die heute immer noch Musik machen. Ich will dabei nicht behaupten, dass ich ein echter Fan von Beck sei, der alle Lieder auswendig kennt, auf Konzerte von ihm geht und jeder neuen Veröffentlichung gespannt entgegensieht, aber ich besitze zumindest ein paar CDs und habe so einige seiner Lieder auf meinen Spotify Playlisten. Darum bin ich auch nicht wirklich jemand, dessen Meinung zum neuen Album als repräsentativ für echte Fans zu betrachten ist. Ich kann mir aber vorstellen, so mancher wird es hassen.

„Colors“ ist überraschend poppig und radiotauglich. Okay, Beck war jetzt nie so jemand, der durch komplizierte Soundexperimente den durchschnittlichen Top 40 Radiohörer verschreckte, aber dieses Album klingt zum ersten Mal, als ob er tatsächlich auf Plattenverkäufe schielen würde. Jeder einzelne Song könnte sich gut in einem Programmtrailer von Viva machen und ich wette, so manch ein Teenager wird sich das Album auf den iPod laden und denken, dass sie es hier mit einem hippen, neuen Popact zu tun haben.

In aller Fairness muss aber auch gesagt werden, dass „Colors“ kein lustloses sell-out Album ist. Poppiger Top 40 Sound hin oder her, die Melodien sind so catchy und verspielt, wie man es von Beck gewohnt ist. Sicher, die Fans, die den klassischen, gitarrenlastigeren Sound erwarten, werden vielleicht enttäuscht sein, aber es ist ein Album, das sich gut anhören lässt und im Ohr hängen bleibt. Wie gesagt, ob das für einen echten Vollblutfan genug ist, ist eine andere Frage. Für mich reicht es.

 

Wu-Tang Clan: „The Saga Continues“

Wu-Tang-Saga-ContinuesAuch der Wu-Tang Clan ist schon lange dabei und genau wie bei Beck, bin ich auch hier „nur“ ein Gelegenheitshörer. Ich weiß von einigen Fans, dass sie das neue Album als das Beste des Clans seit langem feiern, aber mich hat es etwas kalt gelassen.

Der hier ist auch gut:  Das popkulturelle Podcasteckchen: "Hackers" Soundtrack

Die Beats sind fett, im Gegensatz zu anderen Hip Hop Acts heutzutage, werden hier noch coole Samples anstelle von austauschbaren 808-Beats und Synthiestabs verwendet und die Texte sind kein hohles „Ich leg dich um“, „Wir sind die Geilsten“  oder „Schau mal wieviel Geld ich habe“. Aber es fehlt mir auch die Innovation. Es ist eindeutig Wu-Tang, aber vielleicht zu eindeutig. Es ist ein gut produziertes Album, das alles hat, was mir am Clan gefällt, aber es ist auch zu routiniert. Ich konnte einfach dieses „Kenne ich schon“-Gefühl nicht abschütteln.

 

Fünf Sterne Deluxe: „Flash“

fünf-sterne-deluxeUnd das hier ist nur eine Enttäuschung. Da wartet man fast 20 Jahre darauf, dass einer der coolsten, deutschen Hip Hop Acts zurückkehrt und den Kids mal wieder zeigt, wie man ohne kindisches Babogebrabbel abfeiern kann, dann wird man auf dem neuen Album fast zu Tode gelangweilt. Gut, textlich haben die fünf Sterne immer noch erstaunlich wenig Angst vor Spaß und Albernheit, aber in Sachen Beats, wird hier nur das selbe, langweilige 808-Gebrummel abgeliefert, das modernen Hip Hop zu einem monotonen Einheitsbrei verkommen ließ.

Es dauert bis zur Mitte des Albums, bis mit der relaxten Spätsommernummer „Davon“ endlich das erste Highlight auftaucht. Mit Tracks wie dem surrealen Hörspiel „Inspektor Jabidde“ (das Fans von „Auf der Yacht nach Dr Hossa“ lieben sollten) oder dem funky „Regeln machen tun“ geht es stark weiter, bis „Flash“ dann doch leider so langweilig endet, wie es anfing. Schade, aber die Wartezeit hat sich nicht gelohnt.

 

Alex Christensen & The Berlin Orchestra: „Classical 90s Dance“

Alex Christensen Classical 90s danceEin Schelm, wer dem U96 Produzenten Alex Christensen hier unterstellen würde, das Konzept für dieses Album bei Pete Tong abgekupfert zu haben, aber naja, dann bin ich halt so einer. Doch schon das letztjährige „Classic House“ war nicht das erste Album, das klassischen Orchestersound auf den Tanzflur holte, also lasse ich es durchgehen.

„Classical 90s Dance“ ist in seiner Trackauswahl etwas deutscher. Soll heißen: Hier dominieren Eurodance und Trash. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, funktioniert das Album nicht schlecht. Die Tracks sind gut arrangiert und im Gegensatz zu „Classic House“ hört man hier deutliche Unterschiede zu den Originalen. Schade nur, dass Herr Christensen sich unpassende Dubstep-Einschübe (etwa in Robert Miles „Children“!!!) nicht verkneifen konnte und auch die etwas dünne Stimme der Sängerin für Abzüge in der B-Note sorgt. (Habt ihr überhaupt versucht, Haddaway für „What Is Love“ zu bekommen?)  Immerhin, 2 Unlimiteds „No Limit“ mit dem schwülstigen Pathos einer Operette um die Ohren geklatscht zu bekommen, bereitet überraschend viel Freude. Und als alter 90er Jahre Nostalgiker gilt das in meinem Fall auch für den Rest des Albums.

Der hier ist auch gut:  Das popkulturelle Musikeckchen: Pete Tong with The Heritage Orchestra – Classic House

 

Kölsch: „1989“

koelsch 1989Kölsch braucht keinen Grund, um seine Musik episch klingen zu lassen. Er produziert zwar „nur“ Tech-House Tracks für die Party am Wochenende, legt dabei aber sehr viel Wert auf Sound und Atmosphäre. Quasi Musik, zu der man gleichermaßen Tanzen und entspannen kann.

Das hat etwas vom frühen Sven Väth, ist auch nicht schlecht produziert und sticht in DJ Sets, umgeben von der Musik anderer Künstler, eindeutig heraus, aber wenn man 14 Kölsch-Tracks hintereinander abspielt, merkt man schon eine gewisse Austauschbarkeit. Was Anfangs noch frisch und episch klingt, langweilt zum Ende hin nur noch. Irgendwann ist auch gut mit Atmosphäre.

 

Electric Six: „How Dare You“

E6 How Dare YouDa Oktober ist, gibt es auch wieder ein neues Electric Six Album. „How Dare You“ ist genau, was man von den Detroitern erwartet. Mal rockige, mal funky Gitarren, Ausflüge in den Synthiepop, ohrwurmige Melodien und mal mehr, meistens weniger sinnvolle, vor allem aber wirklich witzige Texte.

Nach all den Jahren sollte Electric Six langsam mal die Puste ausgehen. Ich will auch nicht so tun, als wäre „How Dare You“ eines ihrer besten Werke. Wie bei den letzten paar Alben, braucht es ein paar Anläufe, bis man es wirklich zu schätzen weiß, was ja früher nicht immer der Fall war. Trotzdem haben wir es hier mit einer weiteren, gelungenen CD der Band zu tun.

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Cover © Capitol Records, eOne, Warner Music, Starwatch Entertainment, Kompakt, Metropolis Records

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