Ich liebe Werwölfe. Keine Ahnung warum. Es gibt allerdings erstaunlich wenige gute Filme mit den flauschigen Killern. Ich habe noch weniger Ahnung, warum das so ist. Doch nicht nur aus Mangel an Konkurrenz wird „Late Phases“ bald sicher in so einigen Listen über die besten Werwolffilme zu finden sein.

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Warnung: Der Wolf sieht im Film ganz anders aus!

Darin geht es um den blinden, aber alles Andere als hilflosen Kriegsveteranen James (Nick Damici), der von seinem Sohn (Ethan Embry) in eine Seniorensiedlung verfrachtet wird. Bis zum ersten Abend dachte James, das Schlimmste daran wäre es, von aufdringlichen, alten Menschen umgeben zu sein, doch dann tötet ein Werwolf seine Nachbarin und seinen Blindenhund. Wie sich herausstellt, war das nicht das erste Mal, dass dies in dieser Nachbarschaft passierte, aber die Polizei glaubt nur, dass immer mal wieder ein Berglöwe aus den angrenzenden Wäldern auf Nahrungssuche geht. Auch wenn er nicht gesehen hat, was es war, zählt James eins und eins zusammen und ist sich sicher, dass der Werwolf beim nächsten Vollmond zurückkehren wird. Doch er hat sein Augenlicht nicht im Krieg verloren, um jetzt einfach aufzugeben, also nutzt er die Zeit, um sich für den Kampf zu rüsten und herauszufinden, wer der Wolf ist. Dass er sich dabei nicht nur Freunde macht, ist ja klar.

Was an „Late Phases“ wirklich hervorsticht, ist die Storystruktur. Dies ist kein normaler Horrorfilm, in dem alle paar Minuten eine neue Monsterattacke passiert. Nach dem ersten Angriff, auf den wir zum Glück nicht lange warten müssen, passiert bis zum letzten Akt nichts horrormäßiges. Die Handlung konzentriert sich auf James Vorbereitung für den großen Kampf. Er trainiert, stellt Fallen, macht sich mit seiner Umgebung vertraut und stellt in seiner Nachbarschaft klar, dass er niemand ist, mit dem man sich anlegen sollte.

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Nick Damici trägt den Film auf grandiose Weise. Er ist gefühlskalt, aber menschlich. Ein Arschloch, aber es ist nicht schwer, ihn zu mögen. Schon gar nicht, nachdem sein Hund gejohnwickt wird. Doch es sind seine Interaktionen mit den ganzen, ebenfalls grandios besetzten, Nebenfiguren, die „Late Phases“ so unterhaltsam machen. Allen voran James passiv aggressive Gespräche mit dem örtlichen Pfarrer. Dieser wird von Tom Noonan („Manhunter“, „Last Action Hero“) gespielt, der nicht nur ein hervorragender Schauspieler ist, sondern auch zu den wenigen gehört, die gleichermaßen sympathisch wie unheimlich rüberkommen können, was in seiner Rolle als Hauptverdächtiger in dieser Geschichte gut zum tragen kommt.

Wenn schließlich die Werwolfattacken passieren, sind diese unglaublich spannend inszeniert. Ich hatte Angst, dass der Film den anfänglichen Angriff nicht toppen könnte, aber nein, das Finale ist mindestens genau so spannend. Auch wenn das Wolfdesign beschissen aussieht. Sorry, aber es stimmt. Ich habe keine Ahnung wer es abgenickt hat, aber es ist kein Wunder, dass sie einen hübscheren Wolf aufs Poster geklatscht haben. Was wir im Film zu sehen bekommen, sieht aus, als hätte dieses komische Fledermausgremlin Muppet, das immer bei Jabba The Hutt herumhängt, ein billiges Gorillakostüm gebumst.

Trotz dieses Abzugs in der B-Note, ist „Late Phases“ eine klare Empfehlung für Freunde von Werwölfen, sowie Menschen, die nicht gleich abschalten, wenn ein Horrorfilm nicht nonstop auf Schocks ausgelegt ist. Auch wer Charakterdramen schätzt, die mit eher phantastischen Genres flirten, sollte sich diesen Film ansehen.

yetiGenauso langsam, wenn auch auf andere Weise, ist die 50er Jahre Hammer Studios Produktion „Yeti, der Schneemensch“. Darin spielt Genreikone Peter Cushing  den Forscher Dr Rollason, der zusammen mit seiner Frau und seinem besten Freund und Mitarbeiter, in einem buddhistischen Kloster im Himalaya die örtliche Pflanzenwelt untersucht. Als aber der grantige Abenteurer Tom Friend (Forrest Tucker) auftaucht, wird klar, dass Rollason nicht nur auf Grünzeug aus ist. Zusammen mit Friends Crew will er zum Berggipfel klettern und dort nach dem sagenumwobenen Yeti suchen. Und natürlich finden sie etwas, dass sie lieber nicht hätten finden sollen.

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„Yeti, der Schneemensch“ nimmt sich viel Zeit für seine Handlung. Nicht nur, weil das filmische Erzähltempo in den 50er Jahren halt langsamer war. In den ersten Ca 55 Minuten stellt der Film nur die Charaktere vor und wird dann zu einem Abenteuerfilm in den Bergen. Als es dann aber zur ersten Begegnung mit einem Yeti kommt, zieht die Spannungsschraube deutlich an. Ich bin ja nicht der Meinung, dass es grundsätzlich spannender ist, etwas nicht zu zeigen, aber dieser Film holt wirklich das Maximum aus dieser Technik heraus. Ob das beabsichtigt war oder einfach nur mit einer eventuellen Budgetlimitation zu erklären ist, sei jetzt mal dahingestellt. Der Punkt ist: Es ist in diesem Fall sehr effektiv. Und das die Yetis noch eine unerwartete Fähigkeit haben, die den Gruselfaktor noch ein Stückchen anhebt ist ein weiteres Plus.

Natürlich muss man, um den Film voll genießen zu können, die üblichen Kröten des 50er Jahre Films schlucken, aber die Spannung sitzt, die Charaktere sind vielschichtig und die Inszenierung ist gelungen. Es ist schade, dass „Yeti, der Schneemensch“ ein weniger bekanntes Werk der Hammer Studios ist, denn er ist einer ihrer besten Produktionen!

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