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Spoiler: Der Geist ist Tim Taylor, der Heimwerkerking

Als James Wan 2004 mit „Saw“ auf der Horrortanzfläche erschien und die Goreschraube, nach einem Jahrzehnt von verhältnismäßig harmlosen Teenslashern und J-Horror-Remakes, mal wieder kräftig anzog, konnte niemand ahnen, wie abwechslungsreich sich seine Karriere entwickeln würde. Mittlerweile hat er Actionfilme mit verschieden großen Budgets, Fernsehpiloten und Superheldenfilme auf seiner Liste. Und Jumpscarefilme! Dass er mal „Saw“ drehte, ist schon fast vergessen. Heute steht „James Wan“ für atmosphärischen, aber trotzdem auf „Buh!“-Effekte ausgelegten, unblutigen Spukhaushorror, Marke „Insidious“ oder „The Conjuring“. Selbst wenn er nur als Produzent dabei ist. Da „Lights Out“ als „From producer James Wan“ beworben wurde, ist klar, was für eine Sorte Horror wir hier zu sehen bekommen.

Handlungstechnisch geht es darin um eine Familie, die von einem ziemlich angepissten Geist heimgesucht wird, welcher aber nur in der Dunkelheit existiert. Soll heißen: Machst du das Licht an, bist du in Sicherheit. Die älteste Tochter Rebecca (Theresa Palmer) ist deswegen und des damit zusammenhängenden Verhaltens ihrer Mutter (Maria Bello) schon lange ausgezogen. Der Geist war nämlich mal Mamas angeblich beste Freundin. Allerdings keine wirklich Gute. Sie hatte den Ruf, andere Menschen manipulieren zu können und war auch krankhaft eifersüchtig. Als sie schließlich dank…nennen wir es eine „medizinische Fehlbehandlung“, starb, gab sie ihre „Freundschaft“ nicht so einfach auf.

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Sollte der Film nicht eigentlich „Lights On“ heißen?

„Lights Out“ ist ein Film, der interessant sein könnte, es aber nicht ist. Die Anfangsszene, in der Billy Burke den „halbwegs bekanntes Gesicht wird noch vor dem Vorspann spektakulär ermordet“-Part spielt, ist überraschend spannend! Die Jumpscares sind vorhersehbar, sitzen aber trotzdem. Gleichzeitig ist das Design des Geistes – eine schwarze Silhouette mit leuchtenden Augen – zwar sehr simpel, aber um so effektiver.  Auch danach geht es unerwartet weiter. In Windeseile werden alle Spielsteine auf dem Brett verteilt. Wie sind die Beziehungen der Charaktere zueinander, was wissen sie über den Geist, wie sind die Regeln, etc. Das sorgt einerseits dafür, dass der Film seine Geschichte in einem schnellen Tempo erzählt, das den ganzen unwichtigen Kram überspringt, der uns sowieso nicht interessiert (Laufzeit: 81 Minuten), aber andererseits wirkt alles auch überhastet und nichts bekommt genug Zeit, um wirklich zu atmen.

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Das ist besonders Schade, weil „Lights Out“, zusätzlich zum Jumpscare Spookablast, auch versucht „Der Babadook“ zu sein. Wie ich schon im letzten Horrorctober erwähnte, wird dieser zwar als Horrorfilm beworben, ist aber eigentlich ein Drama über psychische Erkrankungen. So etwas Ähnliches will „Lights Out“ zum Teil auch sein, indem es das Erscheinen des Geists mit den Depressionen der Mutter verbindet. Das funktioniert leider absolut nicht. Während „Der Babadook“ eine präzise ausgearbeitete Metapher über den täglichen Kampf mit Geisteskrankheiten war, wirkt dieses Element bei „Lights Out“ platt und wie eine nachträgliche Idee. Es werden oberflächlich die Probleme angekratzt, die die Mutter in ihrer Familie verursacht, aber wirklich tief geht es nicht. Am Ende wissen wir noch nicht mal, warum die Schattenfrau wegen der Depressionen ihrer „Freundin“ existiert.

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Echt jetzt! Lights ON!

Allerdings ergibt nichts wirklich einen Sinn. So scheinen unsere Protagonisten sicher zu sein, wenn sie das Licht einschalten. Dann scheint der Geist aber die Fähigkeit zu haben, Lichtquellen zu beeinflussen, sie zum flackern zu bringen und ganz auszuschalten. Das passiert aber nur, wenn es gerade irgendwie ins Drehbuch passt. Wie stark und was für ein Licht es sein muss, ist auch unklar. Kerzenlicht scheint zu funktionieren, Schwarzlicht hingegen nicht, während eine rote Neonreklame wieder wirksam ist.

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Ohnehin ist der Film leider nicht so gut, wie der Anfang verspricht. Nach Ca. einer halben Stunde hat man sich an die Schattenfrau und ihre Attacken gewöhnt und handlungstechnisch passiert nichts, was einen bei der Stange halten könnte. Die Charaktere sind uninteressant, der Familienkonflikt wirkt aufgesetzt, der Einsatz von psychischen Erkrankungen wirkt wie ein billiger Versuch Anspruch zu heucheln. Immerhin ist die Kameraarbeit hervorragend und die Schauspieler sind nicht schlecht. Aber ansonsten ist „Lights Out“ nur Mittelmaß.

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