Es ist immer wieder interessant, die ersten Filme wirklich guter Regisseure zu sehen. Einige legten die Messlatte schon von Beginn an hoch, während Andere vielleicht eher anonyme Auftragsarbeiten erledigen mussten, bevor sie wirklich zeigen konnten, was sie draufhaben. In die letzte Kategorie fällt eindeutig Peter Atencio.

therigDer Name wird den Meisten jetzt wohl noch nichts sagen, aber Atencio ist definitiv jemand, den man sich merken sollte. Erste, größere Aufmerksamkeit erlangte er durch seine Regiearbeit in der, in den USA immens populären Sketchshow “Key & Peele”, für die er sogar einen Emmy gewann. Vor allem seine Fähigkeit, verschiedene visuelle Stile zu kopieren und so z.B. Sketche wie einen authentischen, teuren Actionfilm wirken zu lassen, sollte hier erwähnt werden. Diese Fähigkeit wurde später in der Actionfarce „Keanu“ und dem Amazon-Piloten „Jean-Claude van Johnson“ zu bestmöglichem Effekt genutzt. Unterm Strich bin ich mir ziemlich sicher, dass Peter Atencio bald schon ein großer Name im Geschäft sein wird. Wenn nicht als erfolgreicher Filmemacher, dann mindestens als gefragter Top-Fernsehregisseur. Sein Frühwerk „The Rig“ zeigt allerdings null Potenzial.

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In „The Rig“ hängen ein paar Arbeiter (William Forsythe und ein Haufen zurecht unbekannter Schauspieler) während eines Sturms auf einer Bohrinsel fest. Das wäre kein Problem, für die erfahrene Crew ist das nicht der erste Sturm, wenn nicht bei einer Bohrung mal wieder etwas freigelegt wurde. Ihr ahnt es schon: Ein Monster treibt auf der Plattform sein Unwesen und macht Jagd auf die Menschen darauf. Wegen des Sturms können sie keine Hilfe holen, also müssen sie es selber jagen, was natürlich der Großteil von ihnen nicht überlebt.

Das Erste, das einem an „The Rig“ auffällt, ist der glatte, superscharfe HD-Look. Schon das wird für viele ein Dealbreaker sein. Ich persönlich habe nichts dagegen und finde, dass dies tatsächlich seinen Reiz hat. Außerdem war es sicherlich eine Budgetentscheidung, bzw. hing damit zusammen, dass auf einer echten Bohrinsel gedreht wurde und man mit verhältnismäßig leichten DVCPro Digitalkameras auf so einer Location viel besser arbeiten kann. Und auch wenn der GZSZ-Look etwas gewöhnungsbedürftig ist, wurde wenigstens versucht, den Film trotzdem professionell aussehen zu lassen. Die Kamera ist nicht verwackelt und die Beleuchtung wirft viele atmosphärische Schatten. Die sind auch nötig, um das Monster zu verstecken, das scheinbar ein altes, schwarz bemaltes „Sleestak“ Kostüm war.

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Leider versagt das Drehbuch so stark, dass selbst ein erfahrenerer Regisseur „The Rig“ nicht hätte retten können. Die Charaktere sind absolut uninteressant und es ist vorhersehbar, wer am Ende überlebt. Die Handlung zieht sich wie Kaugummi, ohne irgendwelche cleveren Ideen und größere Spannungsmomente. Okay, es gibt Ca. 30 Sekunden, verteilt auf zwei Monsterattacken, die dank ihrer Umsetzung wirklich spannend sind. Aber der Rest ist dümmlicher Leerlauf. Besonders ärgerlich ist, dass gerade als der Film endlich vorbei scheint, er noch 10 Minuten weitergeht. Plötzlich wird nochmal ein uninteressanter Subplot über den kleinen Bruder von jemandem hervorgekramt. Das Ganze riecht geradezu nach einem Nachdreh, der den Film auf 90 Minuten ausdehnen sollte.

Nein, „The Rig“ ist ein durch und durch vergessenswerter Totalausfall. Auf der positiven Seite: Ich glaube nicht, dass ich in diesem #Horrorctober noch einen schlechteren Film sehen werde. Schade, aber Peter Atencio hat trotzdem weiterhin meine volle Aufmerksamkeit.

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