#Horrorctober: “Schrei, wenn der Tingler kommt”

Dieser Artikel wird im “Schreitastico” Format präsentiert. Jedes mal, wenn ihr “Tingler” lest, führt euch dieser zu etwas gar schröcklichem, das euer Herz vor Angst explodieren lassen könnte. Also, ihr seid gewarnt!

tinglerEigentlich war “Schrei, wenn der Tingler kommt” (vermutlich auch der Name der Pornoversion) gar nicht auf meiner #Horrorctober Liste, aber als er vor ein paar Tagen auf Kabel 1 Classics lief, konnte ich nicht widerstehen. “The Tingler”, wie der Film im Original heißt, ist einer der bekanntesten von William Castle (Nicht der von Nathan Fillion gespielte Krimiautor aus dem Fernsehen.). Dieser war für seine Publicitystunts und Marketinggimmicks bekannt, wie etwa Skelette, die während des Films durchs Kino gezogen wurden oder Versicherungspolicen, die das Publikum vor Filmbeginn unterschreiben musste, falls sie vor Angst sterben würden. (An dieser Stelle empfehle ich mal Joe Dantes Film “Matinee”, der Castle und seinen Gimmicks Tribut zollt.)

Am Anfang von “The Tingler” begrüßt uns Mr Castle persönlich, um uns davor zu warnen, was einige während des Films fühlen könnten: Ein Gefühl der Angst, welches sich durch ein Kitzeln in der Wirbelsäule bemerkbar macht. Um sich davon zu befreien, sollen die Zuschauer, die davon befallen sind, schreien. Andernfalls könnten sie sterben. Um dieses Kitzeln zu erzeugen, ließ Castle in den Kinos tatsächlich kleine Elektroschocker in den Sitzen installieren, die bei Bedarf aktiviert wurden. Damals, als Filme noch nicht zur selben Zeit im ganzen Land liefen, sondern eher von Kino zu Kino tourten, war das noch möglich. Zudem saßen in jeder Vorstellung bezahlte Schauspieler im Publikum, die an den richtigen Stellen schreien oder sogar in Ohnmacht fallen sollten.

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Der Film selber handelt vom Pathologen Dr Chapin (Vincent Fucking Price). Dieser hat schon vor Längerem bemerkt, dass bei Toten, die vor ihrem Ableben extremer Angst ausgesetzt waren, merkwürdige Verletzungen an der Wirbelsäule festzustellen sind. (Ich vermute mal, der Film ist nicht wirklich medizinisch akkurat.) Seine Experimente, die er zusammen mit seinem Schwager durchführte, blieben bislang fruchtlos. Als er aber eines Abends seine so untreue wie unfreundliche Ehefrau als Versuchskaninchen benutzt, sieht er auf Röntgenbildern eine Art riesigen Tausendfüßler an ihrer Wirbelsäule klammern. Diesem Parasiten gibt er den wenig wissenschaftlichen Namen “Tingler”. Es wäre schön, wenn er so einen Tingler genauer untersuchen könnte, aber leider verschwinden diese, sobald das Opfer schreit, was nun mal die meisten Menschen tun, wenn sie derart verängstigt sind. Da kommt es sehr gelegen, dass sich eine taubstumme Frau in seinem Bekanntenkreis befindet.

Tingler-2Mehr möchte ich über die Handlung wirklich nicht verraten, denn “The Tingler” schlägt überraschend viele Haken für so einen alten Film. Die Charaktere sind interessant und vielschichtig. Mehr als einmal stellt sich bei einigen von ihnen die Frage, wie weit sie gehen und ob sie zu gewissen Taten überhaupt fähig sind. Der Film ist mal übernatürlicher Horror, mal Thriller, mal Creature Feature, für eine spektakuläre Szene Spukhausfilm und in einer anderen sehen wir sogar Vincent Price auf einem LSD-Trip.

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Was mich überrascht hat, ist die sichere Hand, mit der William Castle den Film inszenierte. Dafür, dass er hauptsächlich als B-Film Regisseur und für seine Werbegimmicks bekannt ist, ist “The Tingler” überraschend hochwertig. Vor allem eine Szene, die auf eine sehr erstaunliche Art und Weise mit dem schwarz/weiß Format spielt, hat mich regelrecht begeistert. Eigentlich sollte Castle in einem Atemzug mit Alfred Hitchcock, der übrigens selber ein Fan von ihm war, genannt werden. Aber Horrorregisseure mussten halt schon immer um Anerkennung kämpfen. (Darum wird “Psycho” auch als Thriller bezeichnet.)

Dann sind da natürlich die Gimmicks. Wenn man zuhause sitzt, vibrieren die Sitze offensichtlich nicht. Trotzdem gibt es eine sehr witzig anzusehende Szene, in der der Tingler in einem Kino herumkriecht und man als Zuschauer quasi zum mitmachen aufgefordert wird. Ohne den Kontext der “Percepto!” Technologie, wie die kleinen Elektroschocker in den Sitzen hießen, wirkt das irgendwie merkwürdig, aber ein spaßiger Einfall ist es trotzdem noch.

Okay, das ist erst der vierte Film in diesem #Horrorctober, aber bis jetzt ist “Schrei, wenn der Tingler kommt” der beste. Es ist noch Luft nach oben, aber ich bezweifle, dass ich viel mehr Spaß mit irgendeinem der anderen Filme haben werde.

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