Die nächsten beiden Filme von meiner #Horrorctober Liste, könnten kaum unterschiedlicher sein.

blairwitch“Blair Witch” ist natürlich die Fortsetzung des liebe-oder-hasse-ihn Überraschungshits aus den späten 90ern. Regie führt mit Adam Wingard diesmal ein Regisseur, der sich durchaus schon mit kleineren Independentschockern einen Namen gemacht hat, allerdings habe ich weder “A Horrible Way To Die”, noch “You’re Next” oder “The Guest” gesehen. Genau so wenig wie seine “Death Note” Verfilmung für Netflix. Sein nächster Film ist sein erster, großer Blockbuster, “Godzilla Vs Kong”, den ich auf jeden Fall sehen werde, aber nur an “Blair Witch” gemessen, werde ich meine Erwartungen etwas zurückschrauben.

Handlungstechnisch gibt es nichts wirklich Unerwartetes. Der Bruder der Einen, die im ersten Teil von der Blair Hexe geholt wurde, findet im Jahr 2014 ihr letztes Video (also den Schluss des Films) im Internet. Zusammen mit ein paar Freunden und den beiden Typen, die das Video ins Internet gestellt haben, macht er sich auf die Suche nach ihr. Schon in der ersten Nacht hören sie im Wald schaurige Geräusche und der Rest des Films ist das übliche “Waaah, wir haben uns verirrt, was geht hier ab, oh nein, wir werden verfolgt!” Herumgeplärre. Und der Schwarze stirbt zuerst. Spoiler.

2/3 des Films sind absolut langweiliger, tausendmal da gewesener Mist. Ich kann mich an kaum einen der Charaktere erinnern und im Gegensatz zum ersten Teil, wirken die Darstellungen so unglaublich hölzern und gestellt, dass ich meinen Augen nicht traute. Selbst in Szenen, in denen die Protagonisten “spontan” herumalberten, wirkte alles wie der zwanzigste, komplett durchchoreografierte Take.

Ich muss euch an dieser Stelle mal ein dunkles Geheimnis verraten: Ich habe in den letzten Jahren in vielen dieser “Scripted Reality Shows”, die Tag für Tag das Programm unserer Privatsender verstopfen, mitgespielt. Warum? Sagen wir mal, es macht viel mehr Spaß die Dinger zu drehen, als sie sich anzusehen. Der Punkt ist, so billig diese Serien auch aussehen, es wird ein erstaunlicher Aufwand betrieben, um sie so spontan inszeniert wirken zu lassen. Und auch wenn die schauspielerischen Leistungen der dortigen Akteure oftmals…nicht wirklich gut sind, wirken sie immer noch natürlicher und realistischer als das, was wir in “Blair Witch” zu sehen bekommen. Okay, ich verstehe es ja, im Gegensatz zu damals, kann man heute niemandem mehr erzählen, dass da tatsächlich jemand vor laufender Kamera von einer Hexe ermordet wurde, aber wenn ihr dann trotzdem so tut, als wären die gezeigten Aufnahmen echt, dann gebt euch mehr Mühe! Und lasst auch die bekannten Schauspieler weg! Ich mag Valorie Curry (“The Following”) sehr, aber sie zu sehen, zerstört die Illusion. Auch wenn ich von vornherein nie an diese Illusion glaubte.

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Ein paar Pluspunkte muss ich Adam Wingard und seinem Autor Simon Barrett dann doch zugestehen. Als Erstes haben sie eine verhältnismäßig clevere Erklärung gefunden, warum die Hexenopfer selbst in den extremsten Momenten weiterfilmen. Das Zauberwort heißt “Ohrclipkamera”. Keine Ahnung, ob es die Dinger wirklich gibt, aber es sind kleine Headsets, die automatisch filmen und dementsprechend nicht nur ein paar schöne POV-Aufnahmen ermöglichen, sondern auch den Vorteil haben, dass niemand mittendrin fragen muss: “Warum filmst Du noch?”

Als zweites dreht “Blair Witch” um die 55 Minuten Marke herum deutlich an der “heilige Scheiße” Schraube. Wer enttäuscht war, dass man in Teil 1 keine Jumpscares o.ä. zu sehen bekam, dürfte hier zufrieden sein. Ich würde den letzten Akt nicht unbedingt als spannend oder gruselig bezeichnen, aber die Atemlosigkeit, in der die letzten Überlebenden (und damit auch wir) durch dunkle Ecken gehetzt werden, sich überall für eine Sekunde etwas zu bewegen scheint und aus jeder Ecke ein unheimliches Geräusch kommt, sorgt für unterhaltsames Geisterbahnfeeling.

Insgesamt ist “Blair Witch” nicht wirklich ein Film, den man sich ansehen muss. Es sei denn, man hat sehr niedrige Ansprüche. Wenn man aber wirklich keine anderen Filme mehr hat, die man sich ansehen könnte, ist zumindest die letzte ca. halbe Stunde nicht ununterhaltsam.

dead-heat-posterDeutlich besser ist “Dead Heat”, eine durchaus obskure Mischung aus 80er Jahre Buddy Cop Actionfilm und Horrorkomödie. Darin spielt Treat Williams (“Hair”, “1941”, “Octalus”) den Polizisten Roger Mortis (Kapiert? Scheinbar spielt der Film in der Welt von “Kim Possible”.), der zusammen mit seinem Partner Doug (Ex-“Saturday Night Live” Komiker Joe Piscopo, den man hier wohl am besten als den holografischen Komiker kennt, bei dem Data in einer Folge “Star Trek TNG” Nachhilfe zum Thema Humor nimmt) ein Team an “Loose Cannon Cops” bildet, wie sie in 80er Jahre Actionfilmen hundertfach herumliefen. Ihr aktueller Fall stellt sie aber vor so einige Rätsel. Eine Bande von brutalen Juwelendieben versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Das Problem: Wenn man auf sie schießt, sterben sie, trotz eindeutig sichtbarer Schusswunden, einfach nicht! Als Roger und Doug es tatsächlich schaffen, zwei von ihnen mit ziemlich rabiaten Methoden (sprich: Handgranate und Auto) zur Strecke zu bringen, wird es noch rätselhafter. Der Pathologin zufolge hatte sie die beiden Leichen vor ihrem Raubzug schon einmal mausetot auf ihrem Tisch liegen!

Als unsere Helden einer Spur in einer Medikamentenfirma nachgehen, wird Doug von einem Monster angegriffen und Roger hinterrücks ermordet.  Zum Glück befindet sich am Tatort eine Maschine, mit der man Tote wieder untot machen kann, was auch sofort an Roger ausprobiert wird. Leider hält der Effekt nicht für immer an und nun hat der Zombiecop 12 Stunden Zeit, um herauszufinden, wer ihn ermordet hat und wer hinter den Raubzügen steckt, bevor er endgültig verwest und für immer tot bleiben wird.

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Nein, “Dead Heat” ist kein intelligenter Film, aber er macht einen Haufen Spaß. Roger und Doug sind herrlich stereotype “Bad Cops”. Roger, der elegant Angezogene und Eloquente und Doug, der seine Muskeln vorzeigende, immer einen respektlosen Spruch auf den Lippen habende Frauenheld. Beide kümmern sich nur bedingt um die Vorschriften, was ihren Vorgesetzten natürlich in Regelmäßigkeit zur Weißglut bringt. Allerdings sprechen ihre Resultate für sich, weshalb sie weiterhin unbehelligt Dienst schieben dürfen. Ob diese Ansammlung an 80er Jahre Actionfilmklischees mit einem Augenzwinkern daherkommt oder ernst gemeint ist, lässt sich schwer sagen. Dem Liebhaber solcher Filme dürfte das aber egal sein. Es ist eine getestete Formel, die nur selten nicht unterhält.

Richtig spaßig wird der Film aber erst, wenn der Horrorfaktor ins Spiel kommt. Dabei ist es nicht wirklich Horror, der darauf ausgelegt ist, uns Angst zu machen. Auch um ihn als Splatter zu bezeichnen, ist er zu harmlos. Er ist nicht blutarm, aber nach heutigen Maßstäben größtenteils schon ziemlich fernsehtauglich. Am ehesten würde ich “Dead Heat” vielleicht mit “Big Trouble In Little China” vergleichen. Beide sind gradlinige 80er Jahre Actionfilme, die plötzlich einen Umweg ins fantastische Gefilde nehmen und dabei keine Angst davor haben, auch mal so richtig albern zu werden.

Allerdings ist “Dead Heat” nicht so gut wie der John Carpenter Klassiker. Das Drehbuch könnte, trotz kurzer Laufzeit, etwas straffer sein. Und mehr als einmal sind die Logiklöcher darin gigantisch! Auch die Inszenierung von Mark Goldblatt, der eigentlich einer von Hollywoods Top Action Cuttern ist und auch beim “The Punisher” Film mit Dolph Lundgren auf dem Regiestuhl saß, ist etwas bieder, uninspiriert und stillos. Doch jedes mal, wenn ich spürte, dass mich der Film zu langweilen anfing, passierte plötzlich etwas völlig Unerwartetes und oft komplett Abgedrehtes! Ich will hier nicht spoilern, aber die Szene in der Metzgerei habe ich tatsächlich zurückgespult und ein zweites mal angesehen!

Ich würde nicht behaupten, dass “Dead Heat” ein Meisterwerk ist, aber es ist ein unterhaltsamer und absolut sehenswerter Geheimtipp, für Freunde von anspruchsloser, aber origineller Actionkost mit Fantasy-/Horrortouch.

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