Buh! Erschrocken? Es ist wieder #Horrorctober! Film Nr. 1 in diesem Jahr, ist ein kleiner Klassiker des Genres, der sogar im Titelsong der “Rocky Horror (Picture) Show” erwähnt wurde.

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And I really got hot, when I saw Jeanette Scott fight a Triffid that spits poison and kills.

“Blumen des Schreckens” (“Day Of The Triffids”) hat einen Plot, der über ein simples Creature Feature hinausgeht. Als eines Nachts ein ungewöhnlicher Meteorschauer am Himmel zu sehen ist, ist am nächsten Morgen die ganze Welt erblindet. Die ganze Welt? Nein, ein paar Menschen, die das Glück hatten, in einer Position gewesen zu sein, in der sie den Nachthimmel nicht sehen konnten, haben dementsprechend noch ihr Sehvermögen. Wie etwa der Seefahrer Bill Masen (Howard Keel, der in den 80ern einer der Hauptdarsteller von “Dallas” war), der die schicksalhafte Nacht in einem Krankenhaus, mit Bandagen über den Augen verbrachte. Oder die beiden Forscher Tom und Karen Goodwin (Kieron Moore und Jeanette Scott), die auf einem isolierten Leuchtturm irgendwo im Nirgendwo ihrer Arbeit nachgingen.

Die kollektive Blindheit ist an sich schon schrecklich genug. Die Zivilisation bricht schnell zusammen, wenn von Heute auf Morgen niemand mehr seinen alltäglichen Tätigkeiten nachgehen kann. Doch vor einiger Zeit kam durch einen früheren Meteor, eine neue Art fleischfressender Pflanzen auf unseren Planeten. Diese saßen bis jetzt harmlos in der Erde und machten normales Pflanzenzeug, aber das Himmelsspektakel ließ sie wachsen und zum Leben erwachen. Nun laufen diese “Triffids” über den Erdball und machen Jagd auf Mensch und Tier, welche natürlich durch ihre Blindheit eine leichte Beute sind.

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In den ersten paar Minuten des Films, war ich etwas enttäuscht. Nicht nur, weil die Bildqualität unter aller Kanone war. Keine Ahnung, ob es irgendeine bessere Version gibt, aber die ausgewaschene, mit Flecken übersäte, auf 4:3 beschnittene Aufnahme von Sky, sah schrecklich aus! Nein, das Hauptproblem war, dass der spannende und ungewöhnliche Plot scheinbar für einen, selbst für die 60er Jahre, billigen Monsterstreifen genutzt wurde. Ihr alle wisst, dass ich kein Problem mit alten, billigen oder alten und billigen Filmen habe. Aber die erste Monsterattacke war schon etwas unfreiwillig komisch und anstatt einer schockierenden, durch die Massenblindheit ausgelösten Panik, tapsen nur ein paar stereotyp blind spielende (Sprich: ausgestreckte Arme und keine Augenbewegungen) Statisten durch leere Straßen. Der erste, große, vermeintliche Höhepunkt, ist dann ein Zugunglück, welches aber scheinbar keine Opfer hinterlässt. Aber als hier die nächste sehende Protagonistin, ein kleines Mädchen, auftaucht und sie aufgrund ihrer Fähigkeit plötzlich in ungeahnte Gefahr gerät, hatte der Film mein Interesse.

“Blumen deday_of_triffids02s Schreckens” hat eine interessante Produktionsgeschichte. Das Budget war nicht wirklich hoch, was man aber zumindest in einigen größeren Effektmomenten nicht unbedingt merkt. (Zum Beispiel sehen die Triffids ganz gut aus, auch wenn sie in einigen Szenen deutlich an Dräten gezogen werden.) Irgendwann war den Produzenten aber das Geld ausgegangen, obwohl nur 59 Minuten brauchbares Material gefilmt wurden. Als man Geld für Nachdrehs auftreiben konnte, engagierte man Freddie Francis, der schon im letzten Horrorctober den Eröffnungsfilm lieferte, um schnell und günstig die Nebenhandlung im Leuchtturm zu drehen. Was wie eine platte Notlösung wirkt (weil sie es auch war), hat aber einen interessanten Nebeneffekt: Es lässt den Film überraschend modern wirken. Filme mussten sich damals steifen Regeln ergeben, sowohl inhaltlich, als auch formal. Da ist es interessant, einen so alten Film zu sehen, dessen Geschichte in zwei parallel laufenden Handlungen erzählt wird, in denen sich die jeweiligen Protagonisten nie begegnen.

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Allgemein ist das Drehbuch weniger gradlinig, als ich es erwartet hatte. Nicht nur, dass der Film eine gewisse Road Movie Struktur hat, bei der die Charaktere selten an einem Schauplatz verweilen, auch die Probleme ändern sich ständig. Bis zum letzten Akt treffen (und verlieren) wir neue Charaktere und zwischenzeitlich gibt es kleine Umleitungen in das Katastrophenfilmgenre. Dadurch bleibt die Handlung nicht nur über die gesamte Laufzeit hin frisch und größtenteils unvorhersehbar, ich kann mir auch vorstellen, dass “Blumen des Schreckens” ein loses Vorbild für Serien wie “The Walking Dead” war.

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[Albernen „Blume des Schreckens“ Witz bitte hier einfügen]

Natürlich ist der Film nicht perfekt. Neben dem schon erwähnten geringen Budget und inszenatorischen Mängeln, gibt es natürlich auch altersbedingte Schwächen in den Charakterzeichnungen (Etwa Frauen, dessen Hauptaufgabe es ist, laut loszuschreien, wenn sie etwas sehen). Und die Art und Weise, wie die Triffids letztendlich besiegt werden, ist so dämlich, dass selbst ich mit den Augen rollte. Immerhin, bis dahin bekommt man einen stellenweise überraschend spannenden und sehr abwechslungsreichen Genremix aus Horror- und Katastrophenfilm serviert. Es ist kein Meisterwerk, aber ein sehenswertes Stück Genreklassik.

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