Es ist schon etwas befremdlich, dass die beiden Brüder Ron und Russel Meal, alias Sparks, keine größeren Musikikonen sind. Ihr erstes Album kam schon 1971 heraus und trotz diverser Flirts mit Mainstreamanerkennung, etwa durch ihre größten Hits “This Town Ain’t Big Enough For The Both Of Us” (1974) oder “When Do I Get To Sing ‘My Way’” (1994), die Nutzung ihrer Songs auf diversen Filmsoundtracks, die Komposition des Scores und Titelsongs zum Jean-Claude van Damme Film “Knock Off”, einen Gastauftritt bei “Gilmore Girls”, sowie der Tatsache, dass Acts wie die Pet Shop Boys, They Might Be Giants, Björk oder Morrissey sie als ihre Vorbilder bezeichnen und sie 2015 zusammen mit Franz Ferdinand die Supergroup FFS gründeten,  scheinen sie, außerhalb eines verhältnismäßig kleinen Fankreises, weitgehend unbekannt zu sein. Das ist mehr als schade, da die Qualität ihres Outputs in ihrer fast fünfzigjährigen Bandgeschichte konstant erstklassig blieb und auch ihr 23. Studioalbum “Hippopotamus” nicht enttäuscht.

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Wie man es von den Sparks kennt und erwartet, bietet das neue Album eine Mischung aus Synthiepop, Jazz und Glamrock, mit cleveren Texten, die sich nicht davor scheuen, auch mal nur witzig zu sein. Allen voran die schon bekannten Singles “What The Hell Is It This Time” (worin Gott sich über die ständigen Gebete wegen unwichtiger Kleinigkeiten aufregt), die Powerballade “Edith Piaf (Said It Better Than Me)” und natürlich dem herrlich albernen Titelsong “Hippopotamus” (in dem jemand einen Haufen immer bizarrer werdender Dinge und Personen in und um seinen Swimmingpool findet).

Das ganze Album ist eigentlich voller Highlights und beginnt schon stark, mit dem verträumten Piano Bar Intro “Probably Nothing”, welches nahtlos in das schwungvolle “Missionary Position” übergeht. “Scandinavian Design” überzeugt durch eine tolle Melodie, während “Giddy Giddy” eher in der Wortspielekategorie gewinnt. “Unaware” könnte auch auf einem 70er Jahre Album der Brüder Platz finden (und das ist durchaus etwas Gutes!), während “Bummer” an ihr 2005er Werk “Hello Young Lovers” erinnert. “I Wish You Were Fun” ist erfrischend verspielt und  “So Tell Me Mrs Lincoln Aside From That How Was The Play?” kann auch sehr gut auf verschiedenen Alternative Rock Playlists Platz finden.

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Ab hier wird es etwas schwächer. “When You’re A French Director” (featuring “Holy Motors” Regisseur Leos Carax!) ist vielleicht etwas zu gewollt klischeehaft, mit den pseudofranzösichen Akkordeonsounds, um wirklich zu gefallen. “The Amazing Mr Repeat” hat Atmosphäre, klingt für eine derart innovative Band aber überraschend altbekannt. “A Little Bit Like Fun” versprüht den Flair einer Ballade aus einer 80er Jahre Teeniekomödie und der opernhafte Abschlusstrack “Life With The MacBeths” ist mir wirklich zu opernhaft.

Doch der schwache Abschluss schmälert nicht wirklich den Gesamteindruck von “Hippopotamus”. In einem Jahr, in dem albumtechnisch nicht wirklich viel Hervorragendes veröffentlicht wurde, sticht es deutlich hervor. Und eigentlich würde es das auch in jedem anderen Jahr machen. Für mich ist es eindeutig das Album des bisherigen Jahres.

 

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