WTF Did I Just Watch: “Ghost Fever”

Ich sage ja immer wieder, dass ich eine hohe Toleranz gegenüber schlechten Filmen besitze. Vor allem in unserer “Wäääh, alles Mist” Gesellschaft, ist so eine Einstellung in meinen Augen Gold wert. (Nicht, dass ich angeben möchte.) Es passiert dann aber doch hin und wieder, dass ich auf einen Film stoße, den ich einfach nicht verteidigen kann. So einer ist die 80er Jahre Klamotte “Ghost Fever”.

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Das einzige Akkurate an diesem Poster ist Sherman Hemsley. Kein Geist sieht so gruselig aus und wer auch immer die halbnackte Frau ist, sie muss aus einem anderen Film sein. Selbst der Vampir sieht anders aus!

Der Film beginnt mit der Beerdigung des Plantagenbesitzers Andrew Lee (Myron Healey). Dessen Vater war ein Sadist, der seine Sklaven folterte, doch Andrew war immer nett zu ihnen und schenkte ihnen sofort nach Papas Tod die Freiheit. Dafür will sich der ehemalige Sklave Jethro (Sherman Hemsley, der in den 70ern und 80ern dank der Sitcom “The Jeffersons” einer der großen Publikumslieblinge der Amerikaner war), der nun als Geist für Recht und Ordnung auf Friedhöfen und in Spukhäusern sorgt, revanchieren und erlaubt Andrew als Geist auf seiner alten Plantage zu spuken.

Einige Zeit später werden die beiden netten, aber etwas glücklosen Polizisten Buford (Ebenfalls Sherman Hemsley) und Benny (Luis Avalos) mit einem Räumungsbefehl dorthin geschickt, um die aktuellen Bewohner rauszuschmeißen. Diese sind die hübschen Schwestern Linda und Lisa und das Medium Madame St. Esprit, die aus irgendwelchen Gründen eine Seance abhalten soll. Ich weiß nicht mehr genau warum und die Zusammenfassung auf Wikipedia ist auch nicht wirklich hilfreich. Vielleicht habe ich kurz nicht aufgepasst, aber um ehrlich zu sein, ist das Drehbuch zu “Ghost Fever” kaum als solches zu bezeichnen.

Jethro und Andrew wollen die beiden Polizisten mit dem üblichen Geisterkram vertreiben und so den Verkauf und Abriss des Hauses verhindern. Das klappt auch erst ganz gut, aber als Buford und Benny endlich aus dem Haus rennen wollen, scheint ein dritter Geist sie dort einzusperren. Schnell wird klar: Andrews Vater, der eigentlich aufgrund eines Voodoofluchs, den seine ehemaligen Sklaven über ihn verhängt haben, in seinem Grab bleiben sollte, ist als Vampir zurückgekehrt. Und er versucht sich eine Armee von Zombies zu bauen. Und eine breakdancende Mumie gibt es auch noch.

Ghostfever00_02Ich gebe ja zu, das klingt auf dem Papier nicht übel. Man kann sich darunter eine charmante 80er Jahre Fantasykomödie im Stile von “Ghostbusters” oder “Beetlejuice” vorstellen, aber in “Ghost Fever” funktioniert nichts. Offensichtlich wurde der Film als Hommage an klassische Slapstickkomödien, wie “Abbott & Costello treffen Frankenstein” konzipiert. Deshalb sollte ich den Film eigentlich mögen, aber das Ding ist so altbacken und amateurhaft inszeniert, dass es einfach keinen Spaß macht. Der Film hat keine Atmosphäre, kein Flair, die Kameraführung, Beleuchtung und selbst die Gags wirken eher, wie eine billige 80er Jahre Sitcom.

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Das Drehbuch ergibt wirklich überhaupt keinen Sinn, was man zwar bei einer Komödie eigentlich verzeihen könnte, aber die 90 Minuten sind so zusammenhangslos, als ob der Film komplett improvisiert ist. Die beiden Geister sind, abgesehen vom letzten Akt, auf den ich gleich zu sprechen komme, komplett nutzlos. Weder machen sie etwas, das für die Handlung relevant ist, noch sind ihre Kommentare in irgendeiner Form witzig. Am Anfang wird der Film sogar überraschend geschmacklos, wenn Jethro, der zu Lebzeiten als Sklave gefoltert wurde, Buford für Lacher auf die Folterinstrumente seines ehemaligen Besitzers sperrt. Okay, das waren die 80er, da hat man gewisse Dinge noch nicht so ernst genommen, aber kommt schon! Das ist nun wirklich sehr bizarr.

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Selbst Ingo Jownes musste nie gegen eine tanzende Mumie antreten. Seine war nur schlimm.

Dann wird die Handlung unnötig durch einen endlos langen Schwertkampf zwischen Benny und einem schwebenden Billardqueue in die Länge gezogen, gefolgt von einem Tanzduell mit einer Mumie. (Letzteres war zumindest der einzige Lacher, den ich in diesem Film hatte.) Dann taucht plötzlich der Vampir auf, dann plötzlich eine Zombiearmee, die aber genauso plötzlich verschwindet, wenn der Vampir besiegt wird, was ungefähr fünf Minuten nach seinem ersten Erscheinen passiert. Und dann läuft der Film trotzdem noch weitere 20 Minuten! Wie sich herausstellt, sind die beiden Schwestern, in die sich die Polizisten verliebt haben, ebenfalls Geister, wenn auch scheinbar ganz andere Geister als Jethro und Andrew. Leider sind sie an ihr Haus gebunden und wenn es abgerissen wird, passiert irgendetwas, keine Ahnung was, da wird nicht weiter drauf eingegangen. Also nehmen die beiden Polizisten an einem Boxkampf teil, um mit dem Preisgeld das Haus zu kaufen. Natürlich gewinnen sie den Kampf nur, weil er von der Geisterseite aus kräftig manipuliert wird. Leider macht das den Film auch nicht witziger oder unterhaltsamer.

Okay, wisst ihr was? Ich spoilere jetzt mal das Ende, denn das ist so ein großer WTF-Moment, dass ich ihn einfach spoilern muss. Und ich werde noch nicht mal mein übliches “Spoilerland” Bild hier einsetzen, weil der Film es nicht wert ist, yo!

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Als Buford und Benny mit dem Preisgeld die Schulden von Linda und Lisa begleichen, werden sie von ihrem Chef gefeuert, weil sie ja eigentlich das Haus räumen, aber nicht dessen Bewohnern helfen sollten. (Ich frage mich, wie da die rechtliche Lage ist.) Ohne Job und ohne die Möglichkeit eine Beziehung mit den zwei hübschen Damen anfangen zu können, fahren die beiden Cops deprimiert eine verregnete Landstraße entlang. Da kommt Jethro, der mit Andrew auf dem Rücksitz sitzt, die zündende Idee, um ihnen zu helfen.

ER BRINGT SIE UM!

Im Ernst! Er sorgt dafür, dass das Auto von der Straße abkommt, sich überschlägt und explodiert!

Immerhin, in der letzten Szene sitzen unsere Protagonisten als glückliche Geister mit ihren neuen “Lebens”gefährtinnen in ihrem neuen Zuhause und es ging ihnen nie besser. Trotzdem: Ein sehr bizarres Ende, für einen sehr bizarren Film!

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#OnePerfectShot (oder zumindest #OneShotThatLooksPrettyGood)

“Ghost Fever” war ein kolossaler, heute größtenteils vergessener Flop. Ich meine, ich hatte bis vor Kurzem noch nie davon gehört, bis mir Videobuster kürzlich die DVD schickte. (Interessanterweise kann ich mich immer noch nicht daran erinnern, sie auf meine Wunschliste gesetzt zu haben.) Und die DVD selber beinhaltet den Film als offensichtlichen VHS-Rip (eine Szene hat Trackingspuren!), der noch nicht mal zu einer echten DVD konvertiert wurde! Der Film ist dort als drei Ca. 30 Minuten lange Videodateien enthalten, die einfach nacheinander abgespielt werden!

Hauptdarsteller Sherman Hemsley, der ja, wie schon erwähnt, eine Fernsehikone war, ging durch den Streifen, den er größtenteils aus eigener Tasche produzierte, fast bankrott. Das Ding saß zwei Jahre im Giftschrank, bevor es schließlich veröffentlicht wurde. Der Regisseur ist ein gewisser “Alan Smithee”, was ja schon einiges aussagt. Und glaubt mir, das hier ist wirklich kein missverstandener Klassiker! Es ist zugegebenermaßen auch kein Film, dessen pure Existenz mich schon wütend macht (von denen gibt es nur ganz wenige), aber…verdammt! Das ist wirklich eine Ansammlung von Inkompetenz auf hohem Niveau! Ich kann “Ghost Fever” nicht beschreiben. Man muss ihn gesehen haben! Oder auch nicht. Nein, besser nicht.

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