IHR ARSCHLÖCHER! WARUM LASST IHR DIESEN FILM IM KINO FLOPPEN? UND DANN WIEDER NUR HERUMJAMMERN, DASS ANGEBLICH KEINE GUTEN FILME LAUFEN! DAS HABEN WIR GERNE!!

Ähm, ich meine… der neue Luc Besson Film “Valerian”, läuft ja gerade nicht so erfolgreich. Das ist sehr schade, denn so gut wurde ich lange nicht mehr im Kino unterhalten.

valerian01In “Valerian” geht es um Valerian (Dane DeHaan, der nervige Jammerlappen aus “Chronicle”). Der ist im 28. Jahrhundert, zusammen mit seiner Partnerin Laureline (Cara Delevingne, die Enchantress aus “Suicide Squad”) als Geheimagent tätig. Kurz vor Beginn ihres neuesten Auftrags hat Valerian einen sehr realistischen Traum von der Zerstörung des Planeten Mül. Hier finde ich ganz interessant, dass wir als Zuschauer natürlich schon ahnen können, dass das nicht nur ein Traum war, aber in solchen Filmen erfahren die Protagonisten das oft erst im letzten Akt. Doch hier lässt Valerian nach ein paar Minuten seine Gehirnaktivität scannen und der Computer sagt ihm sofort, dass ihm jemand diese Bilder geschickt hat. Boom! Klischee gebrochen! So einfach ist das!

Die beiden Agenten sollen auf einem Markt, der sich in einer anderen Dimension befindet und nur mit technologischen Hilfsmitteln gesehen und berührt werden kann, den Verkauf eines “Transmutators” verhindern. Dahinter versteckt sich keine tödliche Geheimwaffe, sondern ein seltenes, supersüßes Echsending, das alles duplizieren kann, was man ihm zu fressen gibt. Natürlich verläuft die Aktion nicht so glatt wie geplant, was zur originellsten Actionszene, seit dem Finale von “Lone Ranger” führt. Dort wurde in, auf und um Züge herum gekämpft, geschossen und gesprungen, hier passieren solche Dinge in zwei, teilweise nur zur Hälfte sichtbaren Paralleldimensionen und es ist so spaßig und innovativ, wie es klingt!

valerian 02Schließlich bringen Valerian und Laureline den Transmutator nach Alpha, der titelgebenden “Stadt der tausend Planeten”. Diese ist eigentlich “nur” die ISS, die aber, wie in der herrlichen Anfangssequenz gezeigt wurde, über Jahrhunderte hinweg wuchs. Erst bauten einzelne Nationen ihre Module daran an, schließlich außerirdische Lebensformen, bis das ganze Ding auf Planetengröße erweitert und quasi zum Treffpunkt des Weltalls wurde, in dem tausende verschiedene Völker (fast) friedlich zusammenleben und ihr Wissen und ihre Technologie miteinander teilen. Seit kurzem macht sich dort aber eine Gefahr breit. Irgendwo in der Mitte tauchte plötzlich eine radioaktive Zone auf, in der keine Funkwellen übertragen werden können und Leben auch nicht möglich ist. Die Soldaten, die von Commander Filitt (Clive Owen, hey, lange nicht gesehen!) dorthin geschickt wurden, um das Ganze zu untersuchen, kamen nie zurück. Gerade als Fillitt vor den Sicherheitsrat treten und über weitere Vorgehensweisen sprechen möchte, wird dieser von einer Gruppe Pearls, ehemaligen Bewohnern von Mül, angegriffen und entführt.

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Und das ist erst der Anfang eines verdammt unterhaltsamen und visuell atemberaubenden Science Fiction Geheimagentenabenteuers!

Lasst mich klarstellen, dass “Valerian”, trotz einiger nie da gewesener Szenen und visueller Ideen, das Rad nicht neu erfindet. Das ist auch etwas schwierig, wenn man, wie hier, einen Comic verfilmt, der in den letzten 50 Jahren fast alles, von “Star Wars”, bis zu Bessons “Das fünfte Element” und “Avatar”, im Bereich Science Fiction und Fantasy beeinflusst hat. Das will “Valerian” aber auch nicht. Und das ist erfrischend! Der Film versucht uns nicht davon zu überzeugen, dass er das coolste und cleverste Ding  aller Zeiten ist (aka das “Sherlock” Syndrom), sondern genießt es, “nur” ein “Spezialagenten erledigen ihren Job”-Film, vor einer SciFi/Fantasy Kulisse zu sein, die “Avatar” veraltet aussehen lässt. Hier geht es nicht um das Ende der Welt oder gar des Universums, es geht, ohne zuviel verraten zu wollen, nur darum, einen Fall zu lösen und den Täter zu fassen.

valerian_and_the_city_of_a_thousand_planets_ver4Der Exzess, mit dem Besson diese Geschichte erzählt, ist “Valerians” größter Pluspunkt, aber auch der größte Makel. Es vergehen keine fünf Minuten, in denen nicht irgendetwas neues, aufregendes oder einfach nur skurriles passiert. Das kann eine Verfolgungsjagd durch die verschiedenen Ebenen von Alpha sein oder auch nur eine Gruppe kleinwüchsiger, schnabeltierähnlicher Aliens mit Elefantenrüsseldingern im Gesicht, die Laureline nerven.  Keine Szene ist wie die andere. Die einzelnen Actionszenen sind vielfältig genug, um in drei Filme hineinzupassen und die Probleme, die Valerian und Laureline überwinden müssen, reichen von “Wie komme ich von A nach B, um nach C und von dort nach D zu gelangen?” bis zu “Okay, Schwertkampf mit der gesamten Palastwache!” Ständig tauchen neue Charaktere auf, von denen einer schillernder ist, als der Andere. Das Ganze ist so vollgestopft mit Ideen, keine Szene gleicht irgendeiner vorherigen, was den Unterhaltungswert aufs Maximum hochjagt. Problem: Es gibt tatsächlich eine gute halbe Stunde mitten im Film, die absolut nichts mit der Geschichte zu tun hat. Diese halbe Stunde, in der Valerian zusammen mit der Formwandlerin Bubble (Rihanna) auf eine Sidequest geht, könnte man ohne größere Probleme aus dem Film entfernen und höchstens Fans von Rihanna (Oder Ethan Hawke, der hier ebenfalls auftaucht) würden sie vermissen. Okay, jetzt, wo ich sie gesehen habe, würde ich sie auch vermissen. Sie macht genau so viel Spaß, wie der Rest des Films. Hätte Besson sie aber vorher schon entfernt und vielleicht nur als Bonusmaterial auf die kommende Heimvideoveröffentlichung gepackt, wäre es nicht tragisch gewesen.

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Eine weitere, zwiespältige Angelegenheit, ist die Besetzung, die genau so schillernd und exzessiv ist, wie der Film selber. Sehr viele bekannte und oft auch talentierte Gesichter tauchen auf, haben aber nur wenig zu tun. Besonders frustrierend ist dies bei Rutger Hauer, der im Vorspann sogar den “and” Credit bekommt, aber eigentlich nur einen kurzen Cameoauftritt hat. Und so cool es ist, z.B. Musiklegende Herbie Hancock dabei zu haben, seine Rolle besteht daraus, Valerian und Laureline über einen Monitor Befehle zu geben. Alain Chabat (“Asterix: Mission Cleopatra”, “Science Of Sleep”) taucht als “Pirat” auf und sorgt für einige der größten Lacher, verschwindet nach ein paar Minuten aber wieder. Ein Alien wird im Original von John Goodman gesprochen, doch auch das scheint mir Talentverschwendung zu sein.

valerian04Sehr schade ist es, dass bei der grandiosen Besetzung der Nebenrollen, die Hauptrollen fast schon fehlbesetzt zu sein scheinen. DeHaan, der mir eigentlich in allem, was er bis jetzt getan hat, nur auf die Nerven ging und Delevingne, die ihre Karriere wohl hauptsächlich ihren Augenbrauen zu verdanken hat, liefern eine okaye Leistung ab. Sie sind nicht schlecht, obwohl ihnen jedes Charisma fehlt, aber auch nicht bemerkenswert. Am schlimmsten ist eigentlich, dass beide oft unglaublich unsympathisch und arrogant wirken, wenn wir sie eigentlich mögen sollten. Das ist aber nicht nur die Schuld der Schauspieler. Zum Beispiel hat Luc Besson in Laurelines Fall oft schlichtweg ihren “starke Frau” Faktor fehlkalkuliert und sie ist in einigen Fällen nur arrogant, in anderen schlichtweg ein Arschloch. Etwa wenn sie am Ende einen Befehl missachtet und dadurch fast alle umbringt (was überraschenderweise komplett ignoriert wird), nur weil sie keinen Bock hat, Valerian die ganze Action alleine zu überlassen.

Und das ständige herumgeflirte der Beiden, obwohl sie wie Bruder und Schwester aussehen, macht sie auch nicht sympathischer.

Im Großen und Ganzen ist “Valerian” aber definitiv sehenswert. Um ehrlich zu sein, hatte ich nicht mehr so viel Spaß im Kino, seit “Drag Me To Hell” und ich wünschte mir, wir würden jetzt alle drei bis vier Jahre ein neues Abenteuer von Valerian und Laureline bekommen. Ob wir überhaupt ein Neues bekommen, ist fraglich. Luc Besson sagte zwar, der Film hatte schon durch Auslandsverkäufe vor dem Kinostart sein Budget wieder reingeholt und ich bin mir sicher, er wird auf dem Heimvideomarkt ein Erfolg werden, aber ob das reicht?

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