Ich habe hier schon mehrfach über “Kim Possible”, eine meiner absoluten Lieblingszeichentrickserien geredet. Nun, wie sich herausgestellt hat, war gestern (07. Juni) das 15. Jubiläum dieser gelungenen Serie! (Sorry, dass ich hier erst heute darüber schreibe. Ich bin ein ganz mieser Fan…)

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Auch Heldinnen müssen sich so einiges von Lehrern gefallen lassen.

Als ich zum ersten Mal einen Trailer für “Kim Possible” sah, war ich wenig begeistert davon. Irgendwie schien mir die Serie etwas…durchschnittlich. “Ui, natürlich ist sie Cheerleaderin, schließlich machen amerikanische Teenagerinnen nichts anderes. Vermutlich gibt sie den ganzen Tag auch platte Girlpowersprüche von sich. Oh, schaut mal, da ist der stereotype, lustige Tiersidekick. Ich schalte dann mal um.” Erst als ich einige Zeit später im Samstagmorgenprogramm von Pro7 (Erinnert ihr euch noch, als Privatsender um diese Zeit immer Cartoons zeigten?) über die letzten paar Minuten der Folge “Zeckenalarm” stolperte, merkte ich, dass ich mich komplett in der Serie getäuscht hatte. Denn was ich sah, war verdammt witzig.

Im Groben ging es in diesen paar Minuten darum, dass die Heldin Kim und ihr bester Freund Ron quer durch die Stadt gejagt wurden. Sowohl von ihren Erzfeinden, dem bösen Wissenschaftler Dr. Drakken und seiner viel fähigeren Assistentin Shego, aber auch von ihrem übereifrigen Lehrer Mr Barkin und drei nichtsnutzigen Mitschülern, mit denen Kim eigentlich in diesem Moment nachsitzen sollte. Mit Ausnahme von “Scrubs” waren diese paar Minuten das Witzigste, das ich zu dieser Zeit seit längerem im Fernsehen gesehen hatte. Die Gags kamen fast im Sekundentakt und die Dialoge waren so perfekt getimt (“Ach so, ein Gravitomat.”), dass ich tatsächlich Lachtränen in den Augen hatte. Zugegeben, ich bin manchmal viel zu einfach zum lachen zu bringen, aber das war eine Art von Comedy, die ich von Disneyserien in dieser Qualität höchstens von “Darkwing Duck” kannte! (Nichts gegen Disneys andere Serien, die zum Teil verdiente Klassiker sind.)

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Ron steht mal wieder kurz vor einer Panikattacke.

Für die, die die Serie nicht kennen: In “Kim Possible” geht es um Kim Possible. Cheerleaderin, Einserschülerin, Tochter einer Hirnchirurgin und eines Raketenwissenschaftlers, Problemlöserin der besonderen Art. Wann immer jemand Hilfe braucht, sei es, weil eine Schlammlawine ein Dorf zu verschlucken droht oder ein Superschurke mit einem Laser den Erdkern anbohren will, ist sie zur Stelle. Und die ganze Welt akzeptiert es! Sie hat keine Geheimidentität, sie muss sich nicht vor Politikern verantworten, sie wird einfach um Hilfe gerufen, rettet den Tag, geht dann wieder zu Schule oder Klamotten kaufen, genau wie ein ganz normaler Teenager. Es ist einfach ihr Ding, dessen Unlogik augenzwinkernd akzeptiert wird und zu dem es keine dramatische Backstory gibt. (Wie wir in Staffel 2 erfahren, fing es mit einem Tippfehler an.)  Schon alleine dieses “Ist halt so”, ist selbst im Jahr 2017 ein frischer Wind. Dass Kim zwar scheinbar perfekt, aber trotzdem keine nervige oder langweilige “Mary Sue” ist, sollte man ebenfalls noch anmerken. Sie hat genug Persönlichkeit und Fehler, um sie zu mögen und sie ist die Sorte Mensch, die man gerne im eigenen Freundeskreis hätte.

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Trotzdem, wie so oft, wird Kim von anderen Charakteren in den Schatten gestellt. Allen voran ihrem besten (ab Staffel 4 festen) Freund Ron Stoppable. (Ich wünschte, in unserer Welt wären wortspielerische Namen so normal.) Ron ist ein Weichei, wie es im Buche steht. Gleichzeitig aber auch nicht. Er leidet unter anderem an einer sehr bizarren Phobie vor Affen, bekommt schnell weiche Knie, wenn es hart auf hart geht und ist allgemein eher jemand, der Ärger lieber aus dem Weg geht. Trotzdem ist er immer zur Stelle, wenn Kim ihn braucht und er würde sie oder seine anderen Freunde, nie absichtlich enttäuschen.

Kim ist ein gutes Vorbild, aber Ron ist eigentlich ein besseres. Wie Shaggy aus “Scooby-Doo”, ist Ron ein normaler Durchschnittstyp, der sich nicht dafür schämt Angst zu haben. Mehr noch: Ron schämt sich absolut nicht dafür, er selbst zu sein! Er ist kein exzentrischer Hipster, der der Welt sein “I am what I is” unter die Nase reibt. Er zieht einfach sein Ding durch, auch wenn es ihn unter seinen oberflächlichen Altersgenossen nicht immer beliebt macht. Das und seine ständige, wenn auch nicht immer siegreiche, Konfrontation mit seinen Ängsten, sind doch definitiv Botschaften, die man Kindern und Erwachsenen vermitteln sollte.

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Dr Drakken und Shego, die eigentlichen Publikumslieblinge der Serie.

“Kim Possible” ist vielleicht eine Serie, die für das Kinderprogramm konzipiert wurde, aber sie unterhält auch ältere Zuschauer glänzend. Und das nicht durch irgendwelche Popkulturreferenzen, die junge Zuschauer nicht verstehen. (Obwohl es tatsächlich der erste Disney Cartoon war, der ein “Fight Club” Zitat benutzte!) Es ist auch keine sehr tiefgründige Serie, die ihre Charaktere zu analysieren versucht und sie vor moralische Zerrreisproben stellt. “Kim Possible” soll Spaß machen. Und “Kim Possible” macht Spaß! Die Drehbücher und Gags sind clever und witzig, aber niemals zu albern. Die Moral der Geschichten wird unaufdringlich und ohne erhobenen Zeigefinger eingeflochten. Selbst eine Folge, in der es um gesunde Ernährung geht, ist zumindest unterhaltsam. (Den Machern zufolge wurde sie ihnen übrigens von Disney aufgezwungen, aber sie machten das Beste daraus.)

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Es hat schon seine Gründe, warum die Serie so populär war und auch immer noch ist. Sie wurde zwar nie zu einem großen Crossovererfolg oder Popkulturphänomen wie z.B. “Spongebob” oder “Phineas & Ferb”, aber sie war ein Kritikerliebling und Publikumserfolg, der selbst nach Jahren nichts an Qualität eingebüßt hat.

Also, Happy Birthday, Kim! Es wäre schön, Deine komplette Serie auf DVD oder meinetwegen auch Blu-ray zu haben, aber der Zug ist wohl abgefahren.

Hier ist übrigens der ohrwurmige Titelsong, von Christina Milian. Zeitweise wurde dieser in der deutschen Fassung durch eine Version der Preluders (eine längst vergessene one-hit Wonder Castingband) ersetzt, aber das hier ist das Original.

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Screencaps © Disney

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