Kürzlich bin ich auf Readly gestoßen. Ein Service, durch den man, für den monatlichen Preis von knapp 10€, ganz legal alle möglichen Zeitschriften online lesen kann. Sogar sehr gute und hochwertige Zeitschriften! Zeitschriften jeder Kategorie, von simplen Fernsehzeitungen, bis hin zu Tattoofachmagazinen. Sogar Zeitschriften aus dem Ausland, die als Importartikel im heimischen Bahnhofskiosk deutlich mehr als 10€ kosten! Als ich allerdings die ersten zwei kostenlosen Testwochen in Anspruch nahm, wurde mir schnell eine Sache klar:

Ich mag Zeitschriften nicht mehr!

Printmagazine, um mal ein anderes Wort zu benutzen, waren ein großer Teil meiner Jugend. Vermutlich sogar der Jugend vieler Menschen meines Alters. Als Kind las ich wöchentlich die “Micky Maus”, später die “Bravo”, dann “Space View”, “Moviestar”, “TV Highlights”, “Video Games”, “Starlog”, “Raveline”, etc. Das war nicht wirklich billig. Wenn so ein Ding nur 3,90 DM kostete, war das schon günstig. Oft habe ich Ca. 20 Öcken im Monat für Zeitschriften ausgegeben. Für nur drei bis vier von diesen Dingern!

Bereut habe ich das nicht. Ein Internetanschluss war damals noch Luxus und es gab nicht viele andere Möglichkeiten, sich über kommende Filme, Serien, Videospiele oder CDs zu informieren und Interviews mit deren Stars oder Machern zu lesen. Gerade durch die Lektüre der “Moviestar” wusste ich z.B. schon früh über kleine Horror- oder Fantasyperlen Bescheid, lange bevor sie in den heimischen Videotheken aufschlugen. Dank der “Space View” war ich immer über den Verlauf von Serien informiert, die ich mir gar nicht angeschaut habe und wusste, was sich so in den diversen Fandoms tat. Dank der “Video Games” besaß ich kein einziges schlechtes Videospiel. Und es ist schwer zu erklären, aber die Freude, wenn man an diesem speziellen Tag im Monat zum Zeitschriftenhändler der Wahl, sei es ein Kiosk, ein Supermarkt oder eine Tankstelle spazierte, eine neue Ausgabe in den Händen hielt und es nicht erwarten konnte, bis man diese zu Hause (oder im Zug) lesen konnte, war durch nichts zu ersetzen.

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Darum ist das Fragezeichen über meinem Kopf jetzt umso größer. Was hat sich geändert? Warum bereiten mir Zeitschriften keine Freude mehr? Die offensichtlichste Antwort ist wohl: “Das Internet”. Zeitschriften leiden nunmal, im direkten Vergleich mit dem weltweiten Netz, an einer fehlenden Aktualität. Warum sollte ich mir einen langen Artikel über z.B. “Alien: Covenant” durchlesen, wenn ich alles Wissenswerte schon in den letzten paar Wochen oder Monaten im Internet gelesen habe? Die News der Printausgabe sind auch schon ein alter Hut und so manches Gerücht, das hier als exklusive Neuigkeit angepriesen wird, wurde vielleicht schon vor Wochen als falsch widerlegt. Gut, natürlich gibt es auch exklusive Inhalte, wie Interviews oder Analysen, aber muss ich dafür wirklich eine ganze Zeitschrift kaufen und lesen?

Ein bisschen fehlt mir da auch die Interaktivität. Wenn ich zu einem Artikel etwas sagen möchte, muss ich eine e-Mail schreiben. Oft wird daraus eine sehr einseitige Unterhaltung. Eine Kommentarfunktion gibt es auf dem Papier nicht. Zugegeben, das ist auch von Vorteil, schließlich wissen wir alle, wie es in Kommentarsektionen oft zugeht, aber die Möglichkeit seinen Senf dazuzugeben und oft auch in den Dialog mit Gleichgesinnten zu treten, fehlt mir doch irgendwie. Früher ging es auch ohne, aber es scheint, dass mich das Internet da zu sehr verwöhnt hat.

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Aber ist das wirklich alles? Kann es nur das sein? Vielleicht gefällt es mir einfach nicht, meine Printmedien digital zu lesen. Ich bin schließlich trotz allem ein Analogmensch, der auch immer noch CDs und DVDs/Blu-Rays kauft, anstatt komplett auf MP3s oder Streaming umgestiegen zu sein. Um dies zu testen, kaufte ich mir eine “Geek”. Doch auch hier: Die Artikel und Interviews habe ich nur überflogen und nach einmaligem Lesen das Heft nicht wieder angerührt. Wäre ich gemein, könnte ich die Schuld auf die Zeitschrift schieben, aber rein qualitativ oder inhaltlich gab es daran nichts auszusetzen.

Fazit: Keine Ahnung. Ich suche noch nach dem Fazit. Ich weiß noch nicht mal, warum es mich so betrübt. Immerhin spare ich Geld durch die Streichung von Zeitschriften aus meinem Leben. Aber es fehlt mir schon etwas dadurch. Es ist irgendwie, als würde mir eines meiner Lieblingsgerichte nach Jahren nicht mehr schmecken. Es nicht mehr zu essen ist kein Beinbruch, aber es zu mögen, wäre schon irgendwie netter.

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