alien_covenant_ver4Die “Alien” Reihe hat eine sehr illustre Evolution hinter sich. Waren die ersten beiden Teile noch Aushängeschilder für “erwachsenen” Horror, der selbst bei Kritikern und der Oscarjury Jubelstürme hervorrief, kamen die Teile 3 und 4 bei kaum jemandem wirklich gut an. (Auch wenn ich “Die Wiedergeburt” liebe. Da er 1997 herauskam, werde ich an späterer Stelle garantiert noch darüber reden.) Danach hatte jemand die dämliche Idee das Alien gegen den Predator kämpfen zu lassen. Was als Comic oder Videospiel noch spaßig ist,  funktioniert als Film überhaupt nicht und schadete dem Image beider Kreaturen. (Allerdings ist Teil 2 nicht un-unterhaltsam. Mit zwei weniger bekannten Monstern, wäre dies garantiert ein beliebter B-Film.) 2012 versuchte Ridley Scott die Serie mit dem Spin-off “Prometheus” wieder zu ihren A-Wurzeln zurückzubringen, was ihm zumindest teilweise gelang. Jetzt kommt also “Alien – Covenant” in die Kinos.

Und um es kurz zu machen: Der Film ist nicht so brillant wie Teil 1 oder 2, gibt sich aber Mühe. Er ist viel besser als Teil 3, leider nicht so abgedreht unterhaltsam wie Teil 4, logischerweise eine Million mal besser als die AvP Filme und fühlt sich einheitlicher an als “Prometheus”.  Man könnte sagen, es ist der Teil 3, den die Reihe verdient hat, aber es ist noch deutlich Luft nach oben.

Wie so oft in “Alien”, geht es in “Covenant” um die unbedarfte Arbeiterklassencrew eines Frachtschiffes. In diesem Fall sollen sie (u.a. Katherine Waterston, Billy Crudup, Demian Bichir, Danny McBride und Michael Fassbender, als neues Model des Androiden aus “Prometheus”) 2000 Kolonisten im Kälteschlaf, zu einem neuen Planeten bringen. “Nur noch” sieben Jahre von ihrem Zielort entfernt, wird das Schiff von einer Energiewelle oder so einem Ding getroffen und stark beschädigt. Aufgrund der menschlichen Verluste unter der Crew und den Tiefkühlsiedlern, muss der neue Captain eine Entscheidung treffen. Da trifft es sich gut, dass ein unerwarteter Funkspruch, von einem bisher unbekannten, aber scheinbar bewohnbaren und vor allem sehr nahen Planeten aufgefangen wird. Also schauen sie mal nach, stellen fest, dass alles dort cool ist, der Planet wird besiedelt, nichts Schlimmes passiert und dann ist der Film auch schon vorbei.

alien_covenant_ver12Okay, wir alle wissen, dass das eine Lüge ist. Es dauert nicht lange und schon werden die ersten Crewmitglieder mit Aliens infiziert. Und diese Viecher, im Abspann als “Neomorph” bezeichnet, sind wie die altbekannten Xenomorphe, nur auf Speed. Das sind wilde, angriffslustige Mistviecher, die für den größten Adrenalinstoß des Films sorgen. Ja, das ist vielleicht das erste Mal seit Teil 2, dass ein “Alien” Film für eine längere Strecke tatsächlich gruselig ist! Danach fizzelt “Covenant” leider etwas auseinander und zu keinem weiteren Zeitpunkt wird die Qualität der Zeitspanne, zwischen der ersten Geburt und der zweiten Attacke der Aliens erreicht.

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Wirklich schlecht wird es danach nicht, nur etwas problematisch. Eines der beiden Hauptprobleme, sind die Charaktere. Sie sind schlichtweg langweilig und uninteressant. Die Meisten werden so schnell zu Hackfleisch verarbeitet, dass es eh keinen interessiert, wer sie nun eigentlich waren. Aber auch diejenigen, die mehr zu tun bekommen (logischerweise von den bekannteren Akteuren gespielt), interessieren nicht. Ich konnte mir noch nicht mal die Namen von ihnen merken!

Für das größte Problem, muss ich leider spoilern. Es ist kein großer Spoiler, weil dieses Handlungselement ein offenes Geheimnis ist, das zwar überraschenderweise nicht in den Trailern zu sehen war (als Gegenreaktion auf all die großen Spoiler der “Prometheus” Trailer?), das aber irgendwie doch schon jeder kannte. Trotzdem, wer völlig jungfräulich in den Film gehen will:

Wir erfahren, wie es mit den Überlebenden von “Prometheus” weitergeht. Ihr erinnert euch: Am Ende sind sie zur Heimatwelt der “Architekten” geflogen. Nun, Noomi Rapaces Charakter erlitt leider ein ähnliches Schicksal wie Newt in “Alien³” (soll heißen: Sie ist irgendwann zwischen den beiden Filmen gestorben) und Android David, nun wieder mit einem Körper, lebt auf diesem Planeten ganz alleine. Und leider verschwendet “Covenant” viel zu viel Zeit mit der Beziehung zwischen David und seinem Nachfolgemodell Walter, welcher nicht ganz so viel freien Willen besitzt. Es ist ja nicht nur so, dass künstliche Lebensformen, die herauszufinden versuchen, was “Mensch sein” bedeutet und ob sie ihren Schöpfern nicht überlegen sind, ein veraltetes Science Fiction Klischee sind. Es wird hier auch in endlosen, zähen, pseudophilosophischen Dialogen, immer und immer wieder durchgekaut. Es gibt z.B. eine ewig lange Szene, in der David Walter das Flötespielen beibringt, ohne dass es irgendwie relevant für die Handlung ist. Ich will nicht behaupten, dass es keinen Weg gäbe, dieses Element für den Zuschauer interessant darzustellen, aber das passiert hier nicht. Wenig hilfreich ist auch, dass Michael Fassbender kein wirklich guter Schauspieler ist. Ja, tut mir leid, er hat seine Fans, aber er ist langweilig und ihm fehlt das Talent, um solchen Szenen Leben einzuhauchen. Wären das zwei Lance Henriksens gewesen, wäre das alles eine andere Geschichte.

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Okay, hier ist die spoilerfreie Kurzfassung des eben Geschriebenen: Michael Fassbender hat einfach nicht genug Talent um einen klischeehaften Subplot, dem viel zu viel Zeit eingeräumt wird, interessant zu machen.

alien_covenant_ver11Also was ist gut an “Covenant”? Vieles. Wie bereits erwähnt, ist er in einigen Momenten unglaublich spannend. Allgemein funktioniert er gut als unterhaltsamer Survivalhorrorfilm. Die Handlung bewegt sich, mit einigen zäheren Momenten, problemlos von A nach B nach C und baut auf gelungene Weise die Brücke zwischen “Alien” und “Prometheus”. Ridley Scott weiß einfach, wie man einen Film gut aussehen lässt und alle bekannten Techniken effektiv einsetzt. Ich kann das erste VFX Breakdown Video nicht erwarten! Sicher, die computeranimierten Aliens hätten noch eine Runde oder zwei auf der Renderfarm vertragen können, aber alles Andere wirkt so derart perfekt und fotorealistisch, dass wir es hier mit einem sicheren Kandidaten für eine Spezialeffektoscarnominierung zu tun haben. (Ich wette, selbst die Außenaufnahmen entstanden im Studio, auch wenn sie wirken, als wären sie on Location gedreht worden.)

“Covenant” ist keine perfekte “Alien” Fortsetzung, aber es ist die beste, nach den brillanten ersten beiden Teilen. Und das nicht nur, weil alles, was nach “Aliens” kam, qualitativ eher wechselhaft war. Es gibt ein paar Dinge, mit denen ich absolut nicht einverstanden bin, wie z.B. das, was ich im Spoilerland erwähnt habe oder auch das Überraschungsende, das man schon eine halbe Stunde vorher erraten konnte. Es wäre mir auch lieber, wenn man auf das ganze kifferphilosophische Blabla verzichten und endlich wieder “nur” einen Horrorfilm produzieren würde. Eindeutig ist aber, dass man sich endlich wieder Mühe gibt und versucht, der Reihe dringend benötigtes, neues Leben einzuhauchen und sie aus dem anspruchslosen Popcornsumpf zu holen. (Auch wenn dies wohl der blutigste Teil der Reihe ist.) Die Macher sind auf dem richtigen Weg. Hoffentlich kann der nächste Teil auf den positiven Aspekten aufbauen und sich immer weiter von den negativen entfernen.

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Poster ©20th Century Fox

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