Reise nach 1997: “Batman & Robin” und “Spawn” oder [Das Ende des Superheldenfilms]

Liebe Kinder, wir hatten bis jetzt viel Spaß während unserer Zeitreise in die unbekümmerte Ära von vor 20 Jahren. Heute möchte ich aber auf ein ernstes Thema zu sprechen kommen. Wir leben in einer Zeit, in der Superheldenfilme und Comicverfilmungen gesellschaftlich akzeptiert sind. Sie sind erfolgreich an den Kinokassen und größtenteils sogar so gut, dass selbst “seriöse” Kritiker ihnen wohlwollend gegenüberstehen. Wenn dann tatsächlich ein Film daherkommt, der so schlecht ist, dass weder Publikum noch Kritiker ihm irgendetwas abgewinnen können, ist es halb so wild. Es fällt nicht gleich auf alle anderen Filme zurück. 1997 war dies aber anders.

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Dies war übrigens einer der ersten Filme, bei dem jeder Hauptcharakter ein eigenes Poster bekam.

Tim Burton hatte weniger als zehn Jahre zuvor, mit “Batman” den Superheldenfilm aus dem B-Film Land, zurück ins Blockbusterfeld geholt und mit seiner, kommerziell weniger erfolgreichen, Fortsetzung “Batmans Rückkehr” gezeigt, dass eine gewisse psychologische Tiefe und düstere Sexualität in den Capeträgern steckt. Das war den Warner Bros. Bossen aber nicht Toyetic genug und sie beauftragten Joel Schumacher, der zwar einige erfolgreiche, aber nie einen wirklich guten Film gedreht hat, mit einer familienfreundlichen Version.

Mächtig großer Fehler.

“Batman Forever” kam, zumindest damals, heute eher nicht mehr so, gut beim Publikum an, aber was auch immer “Batman & Robin” darstellen sollte, gefiel niemandem. Selbst mir nicht und ich hatte damals eine noch höhere Toleranz gegenüber schlechten Filmen, als heute! Okay, über die Jahre hinweg habe ich gelernt, ein Auge zuzudrücken und ihn als Kinoversion der 60er Jahre Serie zu sehen. Das scheint auch durchaus im Sinne der Macher zu sein. Zumindest glaube ich nicht, dass man einen “Batman” Film dreht, der so aussieht, ein derartiges Drehbuch hat und in dem die Schauspieler so agieren, ohne dabei dieses klassische Vorbild im Kopf zu haben.

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Erstaunlicherweise macht er keinen einzigen „Ice Ice Baby“ Witz.

Leider kommt “Batman & Robin” nicht an die Klasse von “Batman ‘66” heran. Die Serie war bei den Fans damals vielleicht nicht wirklich beliebt, aber sie war das Resultat von intelligenten und talentierten Menschen, die sich zu jeder Zeit bewusst waren, was denn nun so witzig war und wie man es möglichst witzig rüberbrachte. Diese inoffizielle Filmversion, ist nur ein buntes und lautes Mischmasch von netten Ideen, die aber nur selten zünden.

George Clooney als Batman? Warum nicht? Dummerweise ist dies hier der George Clooney der späten 90er Jahre und der war, das muss leider gesagt werden, kein besonders guter Schauspieler. Er konnte noch nicht mal seinen Text aufsagen, ohne ständig mit dem Kopf zu wackeln. Nachdem er mit den Coen Brüdern und Steven Soderbergh zusammenarbeitete, wurde aus ihm doch noch ein ziemlich guter (wenn auch nicht unbedingt sehr wandlungsfähiger) Akteur, aber hier? Nö, sorry. Chris O’Donnell ist, so gerne ich “NCIS: LA” sehe, auch nicht gerade ein Supertalent. Genau so wenig wie Uma Thurman, die in ihrer Rolle als vermeintliche Sexbombe Poison Ivy auch völlig fehlbesetzt ist. (Und das kommt von jemandem, der eigentlich auf “durchschnittlich” aussehende Frauen steht.) Arnold Schwarzenegger, der König der One-liner, ist zumindest auf dem Papier ein interessantes Casting. Man würde ihn eher als Superheld besetzen, aber nicht als Schurken. Okay, dieser Mr Freeze ist eher eine tragische Figur und nicht komplett böse, aber er hat sehr viel Spaß dabei, Verbrechen zu begehen. Auch wenn es schon irgendwie unterhaltsam ist, Arnie mal so richtig übertreiben zu sehen, ist auch er hier eher peinlich.

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Selbst die Bathöhle sieht in diesem Film wie eine Disco aus.

Die einzigen beiden Schauspieler, die wirklich eine gute Figur machen, sind Michael Gough (“Die Todeskarten des Dr. Schreck”), der hier wieder “Alfred” spielt und zum ersten Mal tatsächlich etwas zu tun bekommt, und John Glover (“Smallville”, “Gremlins 2”). Letzterer hat aber leider nur eine kleine Rolle und ist nach weniger als fünf Minuten schon wieder verschwunden. Er schafft es aber einerseits maßlos zu übertreiben, dabei aber immer noch wie ein echter Schauspieler rüberzukommen. Also genau wie die Stars aus der 60er Jahre Serie. Schade, dass er nicht Mr Freeze war.

Es ist schwer, etwas über “Batman & Robin” zu sagen, was nicht schon gesagt wurde. Es ist ein legendäres Leinwanddesaster, das selbst heute noch das Negativmaß aller Dinge ist, wenn es um schlechte Comicverfilmungen geht. Im Gegensatz zu vielen anderen Lieblingshassobjekten der Nerds, ist dessen schlechter Ruf sogar wirklich gerechtfertigt. Ich kann viele, nette Dinge über “Super Mario Bros”,  “Howard – Ein tierischer Held” oder die “Star Wars” Prequels sagen und mag sie sogar ohne einen Hauch von Ironie oder “Guilty Pleasure” Rechtfertigung. Dazu ist mein Herz ohnehin nicht fähig. Aber “Batman & Robin”? Nun, sie haben es zumindest versucht und sind gescheitert. Und er ist immer noch besser als “Robot Monster”, “Troll 2” oder diverse SyFy Original Movies. Das wäre es dann an positiven Aussagen.

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Ich besitze dieses Poster sogar. Sieht auch nicht schlecht aus, oder?

Während “Batman & Robin”, völlig unabhängig vom Resultat, eindeutig ein “Major Motion Picture Event” war, ist “Spawn” in allen Belangen ein B-Movie. (Was ja nicht unbedingt schlimm ist.) Das Budget betrug nur ein gutes Drittel von dem, des letzten Abenteuers des dynamischen Duos (40 Millionen $ Vs 125 Millionen $) und die Hauptrollen spielten der damals unbekannte Michael Jai White (“Black Dynamite”, “Blood & Bone”) und der Stand-up Komiker John Leguizamo (Luigi aus “Super Mario Bros”, Baz Luhrmanns “Romeo + Julia”, “John Wick”). Mit Martin Sheen (“Apocalypse Now”, “The West Wing”) konnte man immerhin eine echte Leinwandlegende in der Schurkenrolle besetzen, auch wenn er zu dem Zeitpunkt in einem Karrieretief steckte. Zudem spielte auch noch der so brillante, wie notorisch schwierige Shakespearedarsteller Nicol Williamson (“Excalibur”, “Oz – Eine phantastische Welt”) eine wichtige Nebenrolle. In Sachen Starpower hat “Batman” die Nase vorn, aber zumindest auf dem Papier hat “Spawn” die größeren Talente vorzuweisen.

Geholfen hat es aber nicht.

Die Geschichte ist, kurz zusammengefasst, folgende: “Spawn” ist der ehemalige Geheimagent Al Simmons (White), der von seinem größenwahnsinnigen Boss (Sheen) ermordet wurde. Dieser hatte nämlich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, welcher im Gegenzug seinen besten Soldaten verlangte. Um seine Frau wiederzusehen, geht Simmons ebenfalls einen Pakt ein. Er führt die Armee des Teufels an, darf dafür aber zurück auf die Erde. Leider aber erst fünf Jahre später und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Dafür aber auch mit coolen Superkräften und einer Quasi-Unsterblichkeit ausgestattet. Diese will er erstmal nutzen, um sich an seinem Ex-Boss zu rächen, was dem Teufel und seinem Handlanger, dem Clown (Sven Martinek John Leguizamo in einem Hammer-Make-up!), mehr als recht ist. Cogliostrio (Williamson), einem ehemaligen “Hellspawn”, gefällt dies aber nicht. Sollte Spawn sich auf den Pfad des Bösen begeben, ist die Menschheit am Arsch, also versucht er ihn auf der Seite des Guten zu halten oder im Zweifelsfall zu töten.

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Eine der wenigen Szenen, in denen Spawn seinen Umhang trägt.

Die Comicvorlage wurde Anfang der 90er von Todd McFarlane (Nicht verwandt mit “Family Guy” Macher Seth McFarlane) auf den Markt geworfen und schlug, mit ihrer apokalyptischen Story und den detaillierten Zeichnungen, wie eine Bombe ein. Kritiker behaupten zwar, dass “Spawn” all das verkörpert, was an den Comics der 90er Jahre schlecht war (Style over substance, Sex & Gewalt über eine gute Handlung, etc), aber das ist ein anderes Thema. Zudem ist es völlig egal, was man von der Comicreihe hält, es ist schade, dass die Verfilmung ist, was sie ist.

Und sie ist…nicht gut.

Ich gebe zu, ich mag diesen Film irgendwie. Er hat einen gewissen B-Movie Charme, dem ich nicht widerstehen kann. Allerdings gebe ich auch zu, dass man ihn sich nicht schönreden kann. “Spawn” ist das Ergebnis eines Levels an Inkompetenz, den man auf der Leinwand nur selten sieht. Als günstig produzierte DTV-Produktion, könnte man noch ein Auge zudrücken und sagen: “Hey, die hatten halt kein Geld und vermutlich auch keine Zeit.” Vielleicht trifft das auch in gewissem Maße hier zu, aber irgendwie wird einem bei Ansicht des fertigen Werks das Gefühl nicht los, dass wir es hier mit einem “Frühling für Hitler”-esquen Betrug zu tun haben, bei dem jemand absichtlich den Film sabotierte, damit niemand merkt, wieviel der Produktionskosten in seiner eigenen Tasche landete.

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Ja, das ist wirklich John Leguizamo.

Das Drehbuch könnte von einem Zwölfjährigen stammen. So banal ist die Handlung, so platt sind die Dialoge, so peinlich sind die Gags. Alles, egal ob Emotionen oder Infos, die sich der Zuschauer selber zusammenreimen kann, weil wir sie gerade direkt vor unserer Nase sehen, wird uns regelrecht buchstabiert! Dann werden uns hin und wieder wichtige Infos vorgesetzt, die dann gar nicht so wichtig sind. Etwa wenn Cogliostro Spawn davor warnt, seine Kräfte zu verbrauchen. Nur dass er nie in Gefahr gerät, seine Kräfte zu verbrauchen. Oder wenn Spawn innerhalb von einer Minute lernt, seine Superkräfte perfekt zu kontrollieren und es irgendwie keinen Unterschied dazu zu machen scheint, wie er diese vorher einsetzte. Oder wenn man uns am Anfang erzählt, dass Simmons das Töten liebt und sein psychologischer Test ihn als Beinahepsychopathen einstuft, er aber wie ein netter Kerl rüberkommt, der zwar seinen blutigen Job erledigt, aber keine Unschuldigen verletzen will und nach seinem Tod eigentlich nur mehr als gerechtfertigter Rache nachgeht. Nichts in diesem Film ergibt wirklich Sinn!

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Nein, das ist keine Szene aus dem Videospiel! Der Deibel bewegt beim sprechen noch nicht mal seinen Mund!

Besonders berüchtigt ist er wegen seiner Spezialeffekte. Wenn so ewig-gestrige Nerd-Doofies darüber meckern, dass “CGI” beschissen aussieht, denken sie an “Spawn”. Selbst nach 1997 Standards waren sie mies. Man sollte meinen, 20 Jahre später könnte man sie sich mit wohlwollender Nostalgie ansehen und denken: “Hey, sooo schlecht waren sie dann auch wieder nicht”, aber nö, die Zeit war wirklich nicht gut zu ihnen. Besonders schlimm ist es, dass sogar ILM dafür zuständig waren. Hier greift wieder meine “Frühling für Hitler” Theorie, denn dieser Film, der tatsächlich für einen zweistelligen Millionenbetrag produziert wurde und mit einem gewissen Werbeaufwand sogar in den Kinos lief, hat Spezialeffekte auf dem Niveau einer durchschnittlichen “Xena” Folge. Der große Finalkampf sieht sogar aus, wie eine PS1 Cutscene!

Gibt es denn auch gute Dinge über “Spawn” zu sagen? Kameramann Guillermo Navarro (“Pans Labyrinth”, “From Dusk Till Dawn”) liefert stimmungsvoll düstere Bilder ab. Zudem tun die Schauspieler  ihr Bestes. Michael Jai White, der ja ein paar Jahre später unter Kennern zu einem der beliebtesten Actionstars dieser Zeit wurde, wirkt hier noch etwas hölzern, aber die meiste Zeit über ist er von dickem Make-up umhüllt und muss platteste Dialoge von sich geben, also kann man ihm nichts vorwerfen. Martin Sheen hatte offensichtlich Spaß und würde auch einen guten Bond-Schurken abgeben. Nicol Williamson merkt man an, dass er die meiste Zeit keine Ahnung hatte, was seine Zeilen zu bedeuten haben, aber als Profi füllt er seine Nebenrolle mit genug Persönlichkeit, um positiv hervorzustechen. Und John Leguizamo? Gott schütze ihn. Der Mann hat keine Angst davor, sich lächerlich zu machen. Er kann auch ernsthafte Rollen spielen, aber wenn man ihn darum bittet zu übertreiben, dann legt er so richtig los! Die Sprüche und Witze vom “Clown” sind (gewollt?) platt und nervig, aber man kann niemandem böse sein, der sich so derart in die Rolle eines kleinwüchsigen, übergewichtigen, unlustigen Clowns aus der Hölle stürzt und selbst davor nicht zurückschreckt, sich ein Stück Pizza voller echter (!) Maden in den Mund zu schieben.

Für den Film eher irrelevant, muss aber auch der Soundtrack erwähnt werden. Selbst 20 Jahre später ist es eine meiner liebsten CDs. Im Gegensatz zu anderen “Songs from and inspired by the movie” Alben, wo oft einfach nur ein Haufen gerade populärer Künstler ohne einen größeren Zusammenhang auf eine CD gepresst wurden, hatte man sich hier die Mühe gemacht, ein Konzept zu entwerfen. Dieses war: “Nehmt einen Rock/Metal Act und lasst ihn mit einem Künstler aus dem Bereich der elektronischen Musik zusammenarbeiten.” Das war nur bedingt innovativ, da “Big Beat”, “Industrial” und Co. zu dem Zeitpunkt die dominanten Musikgenres waren und selbst klassische Bands wie U2 mit Samples und Drumcomputern experimentierten, aber das Ergebnis kann sich hören lassen. Es ist laut, düster und cool. Unter anderem kollaborierte Marilyn Manson mit den Sneaker Pimps, Korn mit den Dust Brothers, Slayer mit Atari Teenage Riot, Henry Rollins mit Goldie, Metallica mit DJ Spooky oder die Butthole Surfers mit Moby. Einige sind nur Remixe älterer Songs, aber andere sind brandneu und sie alle wurden extra für dieses Album produziert.

Was lässt sich also abschließend über “Batman & Robin” und “Spawn” sagen? Beide Filme sind Mist, aber “Spawn” etwas weniger oder zumindest auf eine erträglichere Weise. Schade nur, dass dieser one-two Punch den Superheldenfilm für immer gekillt hat. Ganz recht, hiernach gab es keine Capes mehr auf der Leinwand. Schon gar keinen Batman.

Halt. Wartet mal. Ich bekomme da gerade eine Meldung rein. Äääh…vergesst es.

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Screencaps ©Warner Bros und New Line Cinema

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