Munsters Buch CoverFür die jungen Leser unter Euch: “The Munsters” oder auch “Familie Munster” war eine Sitcom aus den 60ern, die die täglichen Abenteuer einer ganz normalen, amerikanischen Familie porträtierte. Nur, dass diese Familie zu 4/5 nicht menschlich war. Zumindest äußerlich. Papa Herman war Frankensteins Monster, seine Frau Lily und ihr Vater “Grampa” waren Vampire und Sohn Eddie ein Werwolf. Nur Nichte Marilyn war, als wunderschöne, blonde Menschenfrau, das “schwarze Schaf”. Geliebt wurde sie trotzdem. Denn ja, trotz ihres gruseligen Aussehens, waren die Munsters eine herzensgute Familie, die keiner Fliege etwas zuleide tun würde. (Naja, Grampa vielleicht hin und wieder mal.)

Die Serie lief nur zwei Staffeln, hinterließ aber einen bleibenden Eindruck in der Popkultur. Ihnen wurde zwar, im Gegensatz zu ihren ähnlich gruselig-liebenswerten Konkurrenten der “Addams Family”, nie die Ehre eines oder mehrerer Kinofilme zu Teil*, aber es gab diverse Fernsehfilme, eine Serienneuauflage in den 80ern (“The Munsters Today”) und erst vor ein paar Jahren den Versuch einer radikalen, aber sehr gelungenen Neuinterpretation von Bryan Fuller (“Hannibal”, “New Gods”), die aber nicht über den Pilotfilmstatus hinaus kam.

*Vor Ca. 10 Jahren kündigten zwar die Wayans Brüder (“Scary Movie 1 & 2”, “White Chicks”) einen an, aber der materialisierte sich zum Glück nie. Auch Gruselrocker und Horrorfilmer Rob Zombie (“Haus der 1000 Leichen”, “The Devil’s Rejects”), der  schon in den 90ern einen Song nach Herman Munsters Rennwagen benannte, erwähnte mehrfach seinen Wunsch, die Munsters auf die Leinwand zu bringen.

Ich kann nicht genau sagen, wann es war, aber es muss so Anfang der 90er gewesen sein, als meine Schwester dieses Buch auf dem Wühltisch des örtlichen Kaufhauses, trotz “Mängelexemplar” Stempel im Tip Top Zustand, fand. Diese 2,50 DM waren auf jeden Fall eine gute Investition. In diesem kleinen Taschenbuch befindet sich alles, was das Herz des Fans begehrt. Abgesehen vielleicht von Interviews mit den Schauspielern und allen Projekten, die ab den 90ern entstanden. Das Buch kam 1989 in den USA heraus. Immerhin gibt es ein Vorwort von “Lily”-Darstellerin Yvonne DeCarlo und es werden immer kurze O-Töne und Zitate eingebracht.

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Angefangen bei Charakterbiografien, erfahren wir dann von der damals nur selten gesehenen Pilotfolge “My Fair Munsters”, die, im Gegensatz zur Serie, in Farbe gedreht wurde und ein paar sehr interessante Unterschiede gegenüber den späteren Folgen aufzuweisen hatte. (Z.B. war Sprössling Eddie ein wütendes, “Lasst mich in Ruhe!” brüllendes Terrorkind und der Witz lag darin, dass seine Eltern nach dessen Schimpftiraden, “Was für ein guter Junge” seufzten.) Interessanterweise ist dieses Stück Film heute kein so seltenes Sammlerstück mehr und ist unter anderem als Bonusmaterial auf der wirklich hervorragenden DVD Box zu finden. Es folgen detaillierte Kapitel über die Entstehungsgeschichte und die Erlebnisse der Menschen vor und hinter den Kulissen. Man erfährt Interessantes über die Arbeit der Maskenbildner und Kostümdesigner, und es werden u.a. Grampas Zaubertränke aufgelistet. Natürlich darf ein Überblick über das Merchandise genau so wenig fehlen, wie Biografien und Infos über die Schauspieler.

Was mir schon damals nicht gefiel, ist das Kapitel über die “Addams Family”. Stephen Cox, der Autor, ist ein eindeutiger “Munsters” Fan. Daran ist nichts einzuwenden. Leider überschreitet er hier die Grenze vom Fan zum Nerdstereotyp, der nichts davon hält, auch nur ein gutes Haar an einem Konkurrenzprodukt zu lassen. (Ihr wisst schon, Marvel Vs DC, “Star Trek” Vs “Star Wars”, “Star Trek” Vs “Babylon 5”, “Super Nintendo Vs Mega Drive”, etc.) Er kritisiert die Serie, die Kulissen, sogar die stürmische Romanze zwischen Morticia und Gomez! Dieses eine Kapitel wirft leider einen kleineren Schatten auf das Gesamtbild des eigentlich wirklich guten Nachschlagewerks.

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Ich habe keine Ahnung, ob “Eine Familie mit Biss” (Naja, technisch gesehen “Biß”, wegen alter Rechtschreibung und so) jemals neu aufgelegt wurde, aber es ist nicht schwer zu finden. Auf Amazon gibt es einige gebrauchte Kopien für wenig Geld. Fans und Interessierte sollten also auf jeden Fall zuschlagen. Meines Wissens nach gibt es kein besseres Buch über diesen Serienklassiker.


Cover: ©Heyne Verlag

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