Mein persönlicher Januar 2017 Filmrückblick

Ist der Monat schon wieder um? Und verdammt, ich bin diesmal zu kaum etwas gekommen. Selbst an der Filmfront habe ich diesen Monat nur 12 geschafft.  Die komplette Liste findet ihr auf Letterboxd, aber jetzt kümmern wir uns mal um die High- und Lowlights des Monats.

 

Gods Of Egypt
Gods Of Egypt

Ja, ich gebe zu, es ist kein wirklich guter Film im Sinne von “Das ist ein guter Film”. Er ist jetzt auch keine Trashgranate, aber im Endeffekt ist er nur eine moderne Version der klassischen Fantasyfilme meiner Jugend, in denen Sindbad und Co ständig irgendwelche Monster bekämpften.  Diese Filme lebten auch von Actionszenen und Spezialeffekten, ohne wirklich tief gehende Handlung, waren aber von Anfang bis Ende unterhaltsam. Gleiches kann man über “Gods Of Egypt” sagen. Das Effektbudget war zwar niedriger, als es sein sollte, die Schauspieler sind nicht immer wirklich gut (milde gesagt) und die größtenteils weiße Besetzung in einem Film über das alte Ägypten ist etwas problematisch, aber der Film nimmt sich selber nicht immer ernst, hat einige originelle Ideen, sehr unterhaltsame Charaktere und unterhält hervorragend.

 

shaft
Shaft

Es wird viel über “world building” im heutigen Kino geredet, aber meistens bedeutet das scheinbar nur: “Wir erwähnen Dinge, die dann in der Fortsetzung aufgelöst werden”. Dieses spin-off des Black Cinema Klassikers, wählt aber einen anderen und viel interessanteren Ansatz. Es bevölkert seine Welt mit unterhaltsamen Charakteren! Es gibt kaum eine Szene, in der nicht schon wieder irgendeine neue Person auftaucht, die mit ihrem Eigenarten wie jemand wirkt, den wir schon lange kennen und gerne noch länger kennen wollen. Gangsterbosse, die selbst beim kacken noch die Zeit finden, um ihre Mitmenschen zu bedrohen. Cops, die mit rassistischen Ausdrücken um sich werfen, sich aber als eigentlich ganz okaye Typen entpuppen, die gerne auch mal ein paar Regeln brechen, um das Richtige zu tun. Die zwei gigantischen Bodybuilderbrüder einer Augenzeugin. Selbst der rassistische und gewissenlose Geldsack darf mal für einen Moment seiner Mutter nachweinen. Und das Beste: Hier geht es nicht um das Ende der Welt oder Terroristen. Es ist einfach nur die Geschichte eines (Ex-)Cops, der Coolness und Integrität aus jeder Pore schwitzt und versucht, einen Mordfall aufzulösen.

 

Monkey Business
Die Marx Brothers auf hoher See

Das war mein erster Marx Brothers Films, was schon erstaunlich ist, wenn man bedenkt, wie sehr ich klassischen Slapstick liebe. In dieser Hinsicht hat mich der Film nicht enttäuscht. Die Gags prasselten wie ein Vaudeville Maschinengewehr auf mich ein und ein Großteil davon war verdammt witzig. Im letzten Akt versucht der Film leider so etwas wie eine echte Handlung ins Spiel zu bringen, was das Tempo deutlich bremst und das Ganze auch etwas unbefriedigend enden lässt. Aber als 80 Minuten fast nonstop Gaggewitter funktioniert es trotzdem.

Der hier ist auch gut:  R.I.P. Larry Drake

 

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Alarm im Weltall

Ich hatte schon an dieser Stelle eine kleine Lobhymne über diesen Science Fiction Klassiker geschrieben, aber in der Kurzfassung: Selbst nach all diesen Jahrzehnten kann diese “Star Trek” Blaupause immer noch an vorderster Front mitspielen.

 

Lieblingsperformance des Monats:

Djimon Hounsou  in “The Tempest”

Djimon Hounsou ist ein hervorragender Schauspieler, der leider zu selten wirklich gut eingesetzt wird. Doch selbst als Fan, der weiß, was er so draufhat, hat mich seine Leistung in Julie Taymors Shakespeareverfilmung überrascht. Er verbiegt sich und grimassiert hier auf eine Art und Weise, die man selbst von konstant risikofreudigen Schauspielern nicht kennt. Ich habe keine Ahnung, was ihn dazu inspiriert hat, aber ich bin froh, diese Seite von ihm mal gesehen zu haben.

Zweitliebste Performance des Monats:

Harry Lennix in “Titus”

Auch der zweite Platz geht an einen Darsteller, aus einer Shakespeareverfilmung von Julie Taymor. Harry Lennix spielt hier den durchtriebenen und ständig Pläne schmiedenden “Mohren” mit einer unbändigen Freude. Es ist die Sorte Performance, die Schauspieler immer meinen, wenn sie in Interviews davon reden, dass die Schurken oft interessanter sind, als die Helden. An Schurken mangelt es in “Titus” nicht, aber dieser hier reißt den kompletten Film an sich. Schade, dass Lennix in “The Blacklist” so wenig zu tun hat, wenn er doch Woche für Woche auf Augenhöhe mit James Spader spielen könnte.

Drittliebste Performance des Monats:

Jeffrey Wright in “Shaft”

Noch ein sehr unterhaltsamer Bösewicht. Er ist vielleicht nicht so cool und würdevoll wie das vorherige Beispiel und ist um ehrlich zu sein etwas überdreht und cartoonhaft, aber er passt perfekt zum Ton des Films und stiehlt so ziemlich allen anderen Darstellen, in diesem ohnehin wirklich hervorragend besetzten Film, die Show.

Der hier ist auch gut:  Das popkulturelle Filmvorschau Eckchen, Teil 4 oder 5 oder was auch immer.

robot monster
Robot Monster

Wenn man Menschen, die sich wirklich ernsthaft damit beschäftigen, nach dem schlechtesten Film aller Zeiten fragt, nennen sie entweder “Plan 9 From Outer Space”, “Manos: The Hands Of Fate” oder eben diesen Kandidaten hier. Zurecht. “Robot Monster” ist wirklich nur Trash, den man sich durch nichts schönreden kann. Noch nicht mal mit dem “So bad it’s good” Bonus.

 

civil war
Captain America: Civil War

Ja, es ist eine unpopuläre Meinung, aber die Russo Brüder sind wohl das Schlimmste, was dem Marcel Cinematic Universe passieren konnte. “Civil War” ist zum Glück nicht so schlecht wie “Winter Soldier”, aber auch hier werden tolle Actionkonzepte durch wackelige Kameras und zu schnell gesetzte Schnitte verschwendet. Das macht es umso verwunderlicher, dass der viel gelobte Flughafenkampf tatsächlich wie ein professioneller Film aussieht! Keine Ahnung, ob die Russos plötzlich motiviert genug waren, um ihren Job zu machen oder ob Marvel kalte Füße bekommen hat und diese wichtige Szene einem 2nd Unit Regisseur überließ. Auf der Handlungsebene ist es auch nicht viel besser. Die Motivation des Schurken ist zwar verständlich, aber auch wenig originell. Keine Ahnung, warum daraus für den Großteil des Films so ein Geheimnis darum gemacht wurde. Das Drehbuch verspricht Konsequenzen, aber am Ende ist eigentlich alles wieder gut. Selbst beim großen Duell der Helden, tauschen beide Fraktionen nach jedem Schlag freundliche Sticheleien aus. Und wenn der eine Superheld einen anderen in einen Tanklaster schleudert, tut er das auch nur, weil er weiß, dass es ihn nicht ernsthaft verletzen wird. Am Ende geht alles so versöhnlich aus, das “Civil War” quasi das filmische Äquivalent zu zwei Freunden ist, die sich in der Kneipe wegen einer Nichtigkeit prügeln, danach aber gemeinsam lachend ein Bier schlürfen.

Immerhin, trotz all dieser Schwächen, hat der Film auch alle Stärken des MCU. Sprich: Ein hoher Unterhaltungswert, viel Action (wenn man sie denn sehen kann), interessante Charaktere und einen Haufen Easter Eggs für Fans. Kein Totalausfall, sondern nur eine verschenkte Chance.

 

Gods Of Egypt
Gods Of Egypt

Wie oben gesagt, es ist kein guter Film, den man ohne “aber” und “naja, trotzdem” als guten Film bezeichnen kann, aber er ist zu unterhaltsam und ambitioniert, um ihn als den Megatrash abzutun, als der er oft abgestempelt wird.

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