Es war nicht alles gut im Musikfernsehen. Viele Dinge waren, nicht nur aus heutiger Sicht betrachtet, hochnotpeinlich. Und dass wir VIVA unter anderem Niels Ruf, Oliver Pocher und Heike Makatsch zu verdanken haben, sollte man auch nicht totschweigen. So gerne wir dies auch tun würden. Doch hin und wieder gab es Shows und Konzepte, die sich durch eine Frische, Originalität oder ein hohes Maß an positivem WTF auszeichneten. Zum Beispiel MTVs anarchische Liveshow “Most Wanted” mit Ray Cokes oder ihre Cartoons, wie “The Head”, “Beavis & Butt-Head” und natürlich “Daria” (auf das ich demnächst mal genauer zu sprechen kommen werde). An der VIVA (Zwei) Front gab es da das “Most Wanted” in nichts nachstehende “Vivasion”, mit dem damals noch kreativen und lustigen Stefan Raab oder das VJ Vs DJ Format “2Step”.

Und natürlich “Zwobot”.

Was zum Teufel war “Zwobot”? Es war eine Art Kasperletheater auf Droge. Ein Sammelsurium an bizarren Sparwitzen für Freunde sinnlosester Unterhaltung. Ein Adult Swim ohne Vergewaltigungswitze und mit viel weniger Blut.

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Ich habe keine Ahnung, was es war, obwohl ich kaum eine Folge verpasst habe. “Zwobot” war keine Fernsehsendung, es war eine Experience, wie es so schön heißt.

Der titelgebende “Zwobot” war ein Viva Zwei Mikrofon mit aufgeklebten Kulleraugen. Zwischen seinen Moderationen und vereinzelten Musikvideos, gab es Segmente wie “Kroko, übergeben sie”, bei denen die Sockenpuppe Wah Wah Binx und Kroko, das Krokodil, ein Lied über etwas sangen, über das sich Kroko so aufregte, dass er danach das Studio vollreiherte. Oder “Mr Explosion”, der um die Welt reiste und alles in die Luft jagte, was ihm in die Quere kam. (Wie z.B. am Ende von Viva Zwei, den kompletten Sender.) Oder “Das Klingelmonster”, das in seiner düsteren Teletubbiewelt mysteriöse Telefonanrufe bekam, die es zur Weißglut brachten. “Die Rinnsteinkids” erzählte die Kindheitsabenteuer von Rammstein, der gutmütige “Seattle Jörg” wurde von seinem Tagebuch zur Schnecke gemacht und hielt es trotzdem für seinen besten Freund und Gott weiß was “Kraku + Net Net” eigentlich darstellen sollte.

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Nein, “Zwobot” war keine intelligente Unterhaltung, aber es war verdammt witzig und kreativ. Manchmal auch etwas verstörend und oft etwas repetitiv, aber ich habe sie geliebt. Schade, dass die Reihe wohl mehr oder weniger verloren scheint. Ich bezweifle, dass Viacom irgendwann alle Folgen mal wieder aus dem Archiv holen wird oder diese sogar auf dem Heimvideomarkt erscheinen werden. Alles, was uns bleibt, sind vereinzelte YouTube Uploads, von denen ich hier mal einige einbetten werde, da es eh müßig ist, über “Zwobot” zu schreiben.

Also, viel Spaß und schlagt mich nicht.

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