Klassische Kritik: "Alarm im Weltall" ("Forbidden Planet")

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Genau wie beim legendären „Tanz der Teufel“ Poster, kommt auch diese Szene nicht im Film vor.

Es passiert jeden Tag so viel im Weltall, da war es nur eine Frage der Zeit, bis da irgendwann mal der Alarm losgeht. Erstaunlicherweise schicken sie ausgerechnet Leslie Nielsen um es zu richten. Doch keine Panik: vor 61 Jahren, als dieser Film gedreht wurde, war Herr Nielsen noch nicht der Komiker, an den wir uns heute erinnern, sondern ein ernsthafter Schauspieler. So einiges ist in „Alarm im Weltall“ viel ernsthafter, als man meinen sollte. Wenn man sich einen derart alten Science Fiction Film ansieht, darf man sich im Normalfall auf einen ganzen Haufen unfreiwilliger Komik gefasst machen. Wackelige Kulissen, schlechte Drehbücher und noch schlechtere Spezialeffekte sind oft an der Tagesordnung. „Alarm im Weltall“ ist aber anders. Er ist der erste Science Fiction Film, der tatsächlich als „A-Movie“ produziert wurde und von MGM nicht nur ein hohes Budget, sondern auch hohe Priorität als Prestigeprojekt bekam.

Doch fangen wir mal von vorne an. Es geht hier um die Besatzung des Raumkreuzers C57D, angeführt von Captain Adams (Leslie Nielsen), die zum Planeten Altair IV geschickt wurde, um zu ergründen, was mit den dortigen Kolonisten passiert ist, die sich schon seit einiger Zeit nicht mehr gemeldet haben. Als sie dort ankommen, empfangen sie einen Funkspruch von Dr Morbius (Walter Pidgeon), der sie ohne Angabe von Gründen davor warnt, auf dem Planeten zu landen. Natürlich lässt sich unsere wackere Crew von solchen Warnungen nicht abschrecken. Unten angekommen, lernen sie die einzigen Bewohner des Planeten kennen. Morbius, seine hübsche und naive Tochter Altaira (Anne Francis, wie Fans der „Rocky Horror Show“ sicher schon wissen), sowie ihren Haushälter, den Roboter Robby.

forbiddenplanet06Robby kennt ihr bestimmt. Selbst wenn ihr diesen Film noch nicht gesehen habt. Er ist einer der ikonischsten Roboter der Filmgeschichte und hatte u.a. Gastauftritte in „Columbo“, der 60er Jahre „Addams Family“ Serie, „Mork vom Ork“ und „Gremlins“. Hier ist sein IMDb Profil! Ich habe meinem besten Freund vor 10 Jahren die Special Edition DVD, in der coolen Metallbox, zum Geburtstag geschenkt. Es war das erste Mal, dass er mich umarmt hat und als wir uns dann die DVD angesehen haben, konnte ich sein Herz brechen hören, als er in den Specials erfuhr, dass Robby doch kein echter Roboter, der sich ferngesteuert bewegte, sondern „nur“ ein aufwändiges Kostüm war.

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Zurück zum Film: Morbius erzählt den Besuchern, dass alle anderen Kolonisten von einer scheinbar unsichtbaren Kreatur grausam ermordet wurden. Nur seine Familie blieb unbehelligt (Seine Frau starb eines natürlichen Todes), was er sich selber nicht erklären kann. Natürlich schrillen da alle Alarmglocken beim Captain. Auch, weil Morbius Behausung und natürlich vor allem Robby, selbst nach den Science Fiction Standards dieses Films viel zu hoch entwickelt sind. Und ja, schon in der ersten Nacht wird die C57D von einem unsichtbaren Saboteur besucht.

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Ich weiß, wie sie es gefilmt haben, aber es sieht immer noch cool aus!

Mehr will ich nicht verraten. Die Handlung von „Alarm im Weltall“ breitet sich nach und nach aus und je mehr man erfährt, desto faszinierender wird es. Der Film ist Kinomagie pur und gerade im Science Fiction Genre, gibt es nicht viele Filme aus dieser Ära, die sich noch so gut gehalten haben. Sogar die Spezialeffekte sind oftmals immer noch hervorragend! Sie sind vielleicht leicht angestaubt und es gibt einige Shots, die wirklich nicht überzeugend aussehen, aber man kann sagen, das Geld von damals, wurde sehr gut angelegt. Selbst (leichter Spoiler) eine Kreatur, von der man nur Umrisse sieht und die eindeutig eine Zeichentrickfigur ist, ist so cool animiert, dass ihr Dasein als Toon nicht weiter ins Gewicht fällt. MGM hat sich damals, in einer für diese Zeit sehr ungewöhnlichen Maßnahme, dafür einige Disney Animatoren ausgeliehen. Sehr gute Entscheidung!

Gene Roddenberry hat „Alarm im Weltall“ als eine der Hauptinspirationen für „Star Trek“ angegeben und wir haben es hier tatsächlich mit einer Geschichte zu tun, die als ein klassisches Abenteuer von Captain Kirk durchgehen könnte. Die Handlung kommt als Mischung aus typischem Weltraumpulp, mit Lasern, Aliens und Robotern, aber auch einer eher intellektuellen Sichtweise über Schuld, tödliche Neugier und Shakespeare rüber. Ja, Shakespeare. Es handelt sich hier um eine lose Adaption von „Der Sturm“. Diese ist aber so lose, dass es kein Spoiler für Shakespeare Nerds ist.

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Natürlich findet man hier noch einige Mängel, die aber eher irrelevant und auf die Entstehungszeit zurückzuführen sind. Statische Dialogszenen, etwas hölzerne Schauspieler, etc. Aber nichts, was dem geübten Seher von alten Filmen wirklich irritieren sollte. Das größte Problem sind hier wieder die veralteten Geschlechterrollen. Altaira ist hauptsächlich Eye Candy und die Art und Weise, wie sich manche Kerle an sie ranschmeißen, bzw. wie sie sich auf den ersten Blick erst in einen, dann in einen Anderen verliebt, sorgt schon für heftiges Augenrollen.  (Auch wenn ihr „sexuelles Erwachen“ zumindest in einer nicht verwendeten Szene einen sehr interessanten Märchensubtext hat.)

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Der junge Leslie Nielsen. (Links)

Die musikalische Untermalung ist ebenfalls etwas zwiespältig. Der Score von Bebe und Louis Barron war der erste, der mit elektronischen Instrumenten gespielt wurde. Leider ist er ziemlich experimentell und entpuppt sich als melodieloses, oft nerviges Herumgefiepe. Eine gewisse Coolness und vor allem Einzigartigkeit lässt sich aber nicht abstreiten. Von der filmhistorischen Relevanz gar nicht erst zu reden! Ich habe das Album als Spotify Playlist unten eingebettet, wer also mal ein Ohr riskieren will, kann das dort tun.

Aber ihr solltet auch ein Auge riskieren. Oder zwei. „Alarm im Weltall“ ist ein unbestrittener Klassiker, der das Genre nachhaltig geprägt hat und selbst für die heutige Generation an Science Fiction Fans so einiges zu bieten hat. Zum Glück ist der Film nicht so obskur wie manch anderer und man kann ihn ziemlich einfach auf DVD besorgen oder streamen.


Bilder:  © MGM/Warner Bros

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