Von MTVIVA nach Hollywood

Musikvideos mal wieder. Als Kind der 80er und 90er waren sie ein großer Teil meiner Jugend und nein, ich werde jetzt nicht schon wieder darüber reden, wie sehr ich das Musikfernsehen vermisse und dass die Kunst des Musikvideos seinen Höhepunkt in den 90ern erreicht hat. Aber ich habe hier ein paar Beispiele für Frühwerke von Hollywoodregisseuren, die ihr Handwerk in diesem damals sehr populären Genre der audiovisuellen Unterhaltung erlernt haben. Ich meine nicht die offensichtlichen Beispiele wie Spike Jonze, Michel Gondry, Michael Bay, David Fincher, Russell Mulcahy und Co., die absolute Superstars der Branche waren, bevor sie anfingen Filme zu drehen. Die folgenden Clips sind eher so von der Sorte: „Hey, der Typ hat Musikvideos gedreht?“

(Aufgrund des Alters und der Semiobskurität einiger Videos, konnte ich diese leider nicht in guter Bildqualität finden. Entschuldigt also bitte den Pixelbrei.)

Fangen wir mal klein an. Der Holländer Matthijs van Heijningen Jr kam 2011 wie aus dem Nichts, und ergatterte sofort, ohne jemals einen echten Spielfilm gedreht oder sonst irgendwelche Erfahrung mit Projekten dieser Größenordnung zu haben, den Regiestuhl für „The Thing“, das Premaquel des John Carpenter Splatter- und Paranoiaklassikers. Das Ergebnis war gar nicht mal so übel, aber auch nichts, was man gesehen haben muss.

Seine bekannteste Arbeit ist aber wohl das Video zu Technoheads brillant-dämlichem „I Wanna Be A Hippy“, welches 1995 überraschenderweise ein großer Hit in vielen Ländern war. (Naja, vielleicht doch nicht so überraschend. Es waren schließlich die 90er.) Aus irgendwelchen Gründen bringt mich das Ding nach über 20 Jahren immer noch zum lachen und ich muss anerkennen, dass es einfach eine perfekte Ergänzung zur Musik ist.

Der hier ist auch gut:  Das popkulturelle Musikeckchen: "Colors", "The Saga Continues", "Flash", "Classical 90s Dance", "1989" & "How Dare You"

Ebenfalls 1995 drehte David Slade den Clip zu Aphex Twins „Donkey Rhubarb“. Slade ist ein Regisseur, der mich zugegebenermaßen größtenteils kalt lässt. Sein Spielfilmdebüt „Hard Candy“ war eher nervig als spannend und „30 Days Of Night“ war auch nicht wirklich besser. Immerhin muss ich zugeben, dass „Eclipse“, sein Beitrag zur „Twilight“ Saga, überraschend unschlecht und seine Arbeit im TV Bereich (u.a. für „Breaking Bad“ und „Hannibal“) sogar wirklich gut ist!

Für die, die Aphex Twin nicht kennen: Er ist von der Sorte elektronischer Musik, die sich oft nicht mit so trivialen Dingen wie „Rhythmus“ oder „Melodie“ aufhält. Häufig klingen seine Werke anfangs so, als hätte er mal eben alle möglichen Samples aufeinandergeworfen und dann nach 10 Minuten einfach Feierabend gemacht, doch bei erneutem Anhören fällt einem auf, wie brillant diese Klangkollagen dann doch sind. Oder man gibt einfach auf und bezeichnet sie als „Mist“. „Donkey Rhubarb“ ist eines seiner leichter zu ertragenden Werke, was das bizarre Video aber irgendwie noch brillanter macht.

Ja, diese Ausgabe ist schon wieder überraschend Tanzmusiklastig. Das nun folgende Video stammt von den Nightcrawlers, die ihren größten Hit 1995…schon wieder 1995? Egal. Ihr größter Hit war ein Remix ihres Tracks „Push The Feeling On“, der hauptsächlich dadurch Furore machte, dass die Vocals von Sänger und Fabiodoppelgänger John Reid durch den Remixer MK so zerstückelt wurden, dass sogar Reid selber keine Ahnung mehr hatte, was da eigentlich gesagt wurde. (Es klang wie „The life’s in a game, uh, the light are poon us, uh“, was wirklich nicht viel Sinn macht.) Dieses Konzept der Textzerstückelung wurde in den folgenden Tracks der Nachtkriecher noch beibehalten, wenn auch nur als Refrain, während die Strophen unangetastet blieben.

Der hier ist auch gut:  Trailerfundstück: Skidoo

So wie in „Don’t Let The Feeling Go“. Auch wenn man es dem eher gemächlichen Low Budget Video nicht wirklich anmerkt, führte hier jemand Regie, der sich ein paar Jahre später als einer der stylischsten Filmemacher aller Zeiten entpuppen sollte: Guy Ritchie, Macher von „Bube, Dame, König GrAS“, „Snatch“ und den Robert Downey Jr „Sherlock Holmes“ Filmen.

Und jetzt machen wir mal einen Zeit- und Genresprung. Regelmäßige Leser des Plaudereckchens wissen, dass Electric Six meine absolute Lieblingsband sind. „Dance Commander“ war die dritte Single aus ihrem 2003er Debütalbum „Fire!“ Regisseur des Videos war Ruben Fleischer, der später den Megahit „Zombieland“ drehte. Die Dreharbeiten zu „Dance Commander“ waren etwas problematisch, da Fleischer ein Video wollte, in dem der Frontmann Dick Valentine durch ein Haus tanzt und dieses dabei demoliert, während Valentine lieber eines über einen echten Dance Commander haben wollte, der einen Haufen Cheerleader befehligt. Das Ergebnis ist eine Mischung aus beidem und, um Dick Valentine hier mal zu zitieren: „makes absolutely no sense whatsoever’“

Das wäre es dann für Heute. Im Laufe der Zeit werden sich garantiert noch mehr Beispiele finden. Wenn ihr welche kennt, sagt Bescheid!

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