Es ist alles Andere als eine neue Idee, U-Musik als E-Musik zu spielen. Selbst Metallica haben dies schon vor einiger Zeit getan. Etwas seltener ist dies noch im Dancebereich, auch wenn es dann doch schon oft genug vorkam, um es nicht mehr als Innovation bezeichnen zu können. Ich erinnere mich daran, 2008 auf der Love Parade in Dortmund, die Märtini Brös mit einem Streicherquartett gesehen zu haben. Schon 2006 nahm Jeff Mills ein Album mit dem Montpelier Philarmonic Orchestra auf und 2011 taten Basement Jaxx dies mit Metropole Orkest. Aber nur weil Andere es schon getan haben, bedeutet das nicht, dass man grundsätzlich die Finger davon lassen sollte. Und so präsentiert uns BBC Radio 1 Ikone Pete Tong zusammen mit dem Heritage Orchestra nun „Classic House“, ein Album voller Danceklassiker im Orchestersound.

Zu den gecoverten Künstlern zählen hier u.a. Fatboy Slim, Eric Prydz, Robert Miles, Moby (gleich mit zwei Songs), Frankie Knuckles und ATB. Da wird natürlich der eine oder andere Tanzflurhipster gleich „Kommerzkacke!“ schreiend die Nase rümpfen, aber wer keine Ahnung hat und vor allem echte Klassiker nicht zu schätzen weiß, soll einfach mal die Klappe halten. Wer will denn schon ein Album hören, auf dem ein ganzes Symphonieorchester an melodienlose pseudo-„Underground“ Tracks verschwendet wird? Selbst wenn einige der Originale durchaus etwas poplastiger sind als andere, muss man eigentlich eingestehen, dass die Tracklist gut gewählt ist. (Und ich wette, es standen anfangs noch so einige clubbigere Tracks auf der Liste, die vermutlich einfach nicht gepasst haben.)

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Doch so oder so ist das Ergebnis etwas zwiespältig.  Der Opener, Fatboy Slims „Right Here, Right Now“, ist geradezu prädestiniert, um mit einer Horde von Streichinstrumenten gespielt zu werden. Schon bei Track 2, Eric Prydzs „Pjanoo“, fällt der Orchesterbonus aber kaum noch auf. Vielleicht war es eine schlechte Entscheidung, kein hundertprozentiges Orchesteralbum zu produzieren. Trotz aller Streicher und Bläser dominieren die Synths, Drumcomputer und ähnliche Konserven einige Tracks, wie z.B. „Good Life“, viel zu stark. Wenn dann der Originaltrack ohnehin für eine derartige Instrumentalisierung angelegt war (wie z.B. „Lola’s Theme“), sind kaum tatsächliche Unterschiede festzustellen und es wirkt eher wie ein Re-edit als eine echte Neuinterpretation.

Das klingt jetzt zugegebenermaßen übermäßig negativ, aber eigentlich ist „Classic House“ durchaus lohnenswert. Vor allem für Freunde elektronischer Tanzmusik der (größtenteils) 90er und Crossoversounds jeglicher Art. Die Mischung aus digitalen Drums und Loops mit Streichern und Bläsern bleibt oft hinter ihren Möglichkeiten zurück, trifft aber genau so oft, vielleicht sogar einen Tick öfter, ins Schwarze. Ich muss aber auch gestehen, dass hier Nostalgie in meinem Fall eine größere Rolle spielt. Die meisten Tracks auf diesem Album, haben mich durch irgendeinen Teil meiner Jugend begleitet. Da ist es schwer, eine Compilation wie diese nicht mit einem warmen Gefühl im Herzen anzuhören.

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