Gerüchtekontrolle: Titten und Eingeweide im neuen "Star Trek"

Weil die USA einen orangefarbenen Troll zum Präsidenten gewählt haben und sich niemand genau erklären kann, wie das eigentlich passieren konnte, wird im Moment viel über Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken geredet. Schließlich werden demnächst die größten Geheimnisse (inklusive Atomraketencodes) an einen cholerischen C-Promi ausgehändigt, der sich den ganzen Tag auf Twitter mit Broadwayshows und Sketch Comedies streitet. Da kann es keine andere Erklärung geben als „Wähler lesen auf Facebook wie Hilary kleine Kinder frisst und niemand mehr unter Donald Trump Steuern zahlen muss, also glauben sie es und wählen den Falschen“. Dies ist eine sehr vereinfachte Erklärung, aber ich bin bereit, sie in Betracht zu ziehen. Das Internet ist seit jeher das größte „Stille Post“ Spiel aller Zeiten. Jemand sagt etwas, ein Anderer reißt es aus dem Zusammenhang und verdreht die Aussage, der Rest der Welt glaubt es einfach. Zum Glück passiert das meistens aber nur im kleinen Stil und im Bezug auf Entertainmentnews und so ein Zeug.

picard facepalmSo machte z.B. dieses Wochenende die Nachricht die Runde, dass man 100.000 US-Dollar von „Guardians Of The Galaxy“ Regisseur James Gunn gewinnen kann, wenn man ein bestimmtes, bis jetzt noch nicht aufgedecktes Easter Egg in eben diesem Film findet. Auch hier: Stille Post. Aber darum geht es nicht. Nein, heute gehen mir mal wieder die Trekkies auf den Sack. Denen war wohl zuletzt wieder langweilig, also sind sie auf die Idee gekommen, zu behaupten, dass die neue Serie „Star Trek: Discovery“ so etwas wie „Game Of Thrones“ im Weltall sein wird. Also in jeder Folge massenweise Nacktheit, komabrutale* Gewalt und jede Menge perverser und abartigster Sex!

Der hier ist auch gut:  Der Akte X Spätstart Report: "Das Nest", "Signale" und "Der Teufel von Jersey"

BULLSHIT!

Woher dieses Gerücht kommt?

Nun, der CBS Interactive CEO Jim Lanzone, redete kürzlich in einem Podcast für Recode, über die neue Streamingplattform, für die „Discovery“ produziert wird. (Außerhalb der USA wird sie auf Netflix ausgestrahlt.) Sein Kommentar darüber, dass diese neue Plattform nicht den Zensur- und Jugendschutzbestimmungen normaler Networksender unterliegt, wurde daraufhin komplett aufgebauscht. Als Antwort auf die Frage hin, wie „erwachsen“ denn nun die neue Serie sein würde, sagte er Folgendes:

“The showrunners were like ‘Oh yeah, we could do that,’” Lanzone recalled. “Of course, the response is, ‘As long as it serves the story.’ But yeah!”

“Naked aliens, and humans?” Kafka asked.

“Theoretically.”

“And swearing?”

“Whatever future swearing, 300 years in the future, would be.“

Seine Antwort beinhaltet „could“, „would“ and „theoretically“, aber keinen Hinweis darauf, dass wir im besten (?) HBO Stil Woche für Woche mit rausgerissenen Augäpfeln und Massenvergewaltigungen in der Sternenflotte konfrontiert werden. Die Showrunner, die übrigens aus Leuten bestehen, die „Star Trek“ und alles was dafür steht kennen und lieben (u.a. „Zorn des Khan“ und „Das unentdeckte Land“ Macher Nicholas Meyer), werden jetzt garantiert nicht in die klassische Fanfictionfalle tappen und die neue Serie zu einem „dark & edgy“ Sündenpfuhl an Sex und Gewalt machen. Sie scheinen es zwar nicht kategorisch abzulehnen, aber nur „As long as it serves the story“.

Wir haben also jede Menge „könnte“, „würde“, „vielleicht“, „eventuell“, etc, aber kein einziges „es wird sein“! Trotzdem ist es laut dem Internet Fakt, dass Kinder und Zartbesaitete lieber nicht zuschauen sollten.

space mutants gifWas ich persönlich glaube: In einigen Folgen werden Charaktere etwas grafischer sterben, als wir es von „Star Trek“ gewohnt sind. Es wird garantiert keine Kannibalismusorgien in Großaufnahme geben, aber „Star Trek“ hat oft das sinnlose Sterben im Krieg angeprangert. Eine Kriegsepisode, in der tatsächlich Gliedmaßen durch die Gegend fliegen oder man stark blutende, schwer verbrannte Soldaten und Zivilisten in einem Lazarett sieht, halte ich für möglich. Schließlich wäre das ein gutes Beispiel von „It serves the story“. Vielleicht auch etwas mehr „SciFi Horror“. Denkt an die Vidiianer aus „Voyager“. Und ich kann mir vorstellen, dass eine wenig zimperliche Rasse wie die Klingonen auch nicht immer unbedingt ein Blatt vor den Mund nimmt. Dass wir es aber mit „Star Trek: Spartacus“ zu tun bekommen werden und das kriegerische Alien dem Sternenflottenkapitän erst ein „Lutsch meinen Schwanz!“ an den Kopf wirft und anschließend dessen Gesicht abzieht und es genüßlich verspeist, während er  sein verblutendes Opfer minutenlang vergewaltigt, halte ich aber für sehr unwahrscheinlich. Ich halte es sogar für unmöglich. Schon von einem marketingtechnischen Standpunkt aus. „Star Trek“ war immer eine Familienserie. Manche Folgen oder Filme weniger als andere, aber ich bezweifle, dass die jetzt, nach 50 Jahren anfangen werden, das Zielpublikum des Franchises so derart deutlich einzuschränken.

Der hier ist auch gut:  Ach menno! Bye bye, "Person Of Interest"!

Also: Wahrheitsgehalt dieses Fakts Gerüchts? Sehr, sehr, sehr gering.

Der hier geht also an all die Trekkies, die mal wieder einen Grund brauchten, um sich über ihre Lieblingsserie zu beschweren und aus Langeweile, Dummheit oder was auch immer, einfach einen erfunden haben:

*Zu meiner eigenen Überraschung, hat die, zugegebenermaßen nicht unfehlbare, Rechtschreibprüfung auf Duden.de diesen Ausdruck einfach so durchgewunken.


Headerphoto by blicsejo @ Fotolia

Picard Facepalm © Paramount

Simpsons © 20th Century Fox,  gif via Frinkiac

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