Konzertbericht: Electric Six (und We-Are-Z)

Ich bin ein unglaublicher Fan von Electric Six. Die meisten kennen, wenn überhaupt, nur ihre ersten beiden Singles „Danger! High Voltage!“ und „Gay Bar“, die beide damals eine beachtliche Anzahl an Airplay im sterbenden Musikfernsehen des Jahres 2003 bekamen. Die Detroiter Band war seitdem aber verdammt fleißig. 2005, also zwei Jahre nach ihrem Erstling „Fire“, erschien ihr zweites Album „Senor Smoke“ und ab dann veröffentlichten sie jedes Jahr, pünktlich im Oktober, ein neues Album. Aktuell sind sie bei Nr. 12 (13, wenn man das Live Album „Absolute Pleasure“ mitzählt) und ich habe es endlich mal wieder auf ein Konzert von ihnen geschafft. (Das letzte Mal war 2009 in Köln, als Teil der „Jägermeister Rock Liga“. Das ist so lange her, dass ich damals sogar noch auf MySpace darüber geschrieben habe!)

Vorgestern, am 16.11., spielten sie im „Matrix“ in Bochum und heilige Scheiße, war das eine geile Party! Darüber zu schreiben ist eigentlich ziemlich sinnlos. Man muss dabei gewesen sein. Aber ich werde mein Bestes tun.

Zu meiner Überraschung war der Raum, mit dem prunkvollen Namen „Rockpalast“ ziemlich klein, aber da ich nicht gerade ein Riese bin, hatte dies den Vorteil, dass ich immer einen guten Blick auf die Bühne hatte. Und im Nachhinein trug die intimere Atmosphäre zum Fun Faktor bei. Nach einer kurzen Zeit fühlte man sich, wie von einem Haufen Freunde umgeben. Keine engen Freunde, vielleicht doch eher Bekannte, aber eine verhältnismäßig kleine Gruppe Menschen, die alle auf der selben Seite standen und gleichermaßen abfeierten.

Um ein paar Minuten nach 20 Uhr betrat die Vorband die Bühne. Ich habe vorher noch nie etwas von We-Are-Z gehört, aber es war kein schlechter Einstieg für einen gelungenen Abend. Normalerweise habe ich etwas gegen Bands, die meinen, sich exzentrische Bühnenoutfits überstülpen zu müssen, aber hier wirkte es irgendwie sympathisch und nicht wie ein Kreativität oder Talent ersetzendes Gimmick. Es waren einfach ein paar Typen, die scheinbar kurz vor ihrem Auftritt mal eben einen Second Hand Laden geplündert haben und nun rocken wollen. Und sie haben gerockt. Die Songs waren gut, das Publikum hat schnell mitgemacht und der Sänger, der mich ein kleines bisschen an Russell Brand erinnerte, schien ein paar Mal deutlich davon überrascht. Leider war der Sound nicht perfekt. Die Texte waren schwer zu verstehen und das Schlagzeug schien mir viel zu laut, aber ein gelungenes Warm-up für die Hauptattraktion war es trotzdem.

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Leider mussten wir nach We-Are-Zs ziemlich kurzem Auftritt noch eine halbe Stunde warten, bis Electric Six endlich auf die Bühne kamen, aber das Intro, bei dem der Vorspann von „Saturday Night Live“ lief, aber jeder einzelne Name durch „Electric Six“ ersetzt wurde, hat die Stimmung (die eigentlich nie wirklich abgesunken war) wieder angehoben. Mittlerweile hatte sich der Raum auch besser gefüllt, aber man hatte immer noch genug Platz um sich herum und konnte problemlos nah an die Bühne wandern, ohne sich wie ein mieser Vordrängler zu fühlen.

Das erste Lied war „Electric Six“ aus dem vorletzten Album „Bitch, Don’t Let Me Die“. In meinen Ohren einer ihrer schwächeren Songs, aber hey, wenn man schon ein Lied nach der Band benennt, kann man damit auch gleich die eigenen Konzerte eröffnen.  Ironisch als „the best song we got“ angekündigt, war das nächste Lied „Down At McDonnelzzz“, aus Album Nr. 5 „I Shall Exterminate Everything Around Me That Restricts Me From Being The Master“. Das ist ein echter Fan Favorit und dies war der Moment, in dem das Publikum wirklich zu kochen anfing.

Dick Valentine hat mir ein Autogramm aufs "Human Zoo" Cover gegeben und ein Plektrum habe ich auch gefangen. (Muss jetzt nur noch Gitarre spielen lernen...)
Dick Valentine hat mir ein Autogramm aufs „Human Zoo“ Cover gegeben und ein Plektrum habe ich auch gefangen. (Muss jetzt nur noch Gitarre spielen lernen…)

Was folgte, war eine so gut wie perfekte Setlist und eine gelungene Interaktion zwischen Band und Publikum. Man muss einer Band nicht glauben, wenn deren Frontmann behauptet, dass das aktuelle Publikum viel besser ist, als das von den Abenden zuvor. Schon gar nicht, wenn ein Spaßvogel wie Dick Valentine dies behauptet, aber in diesem Fall bin ich bereit, es als sehr plausibel zu betrachten. Spätestens als Mr Valentine kritisierte, dass mitten über dem Publikum eine Discokugel baumelte, die aber sonst nicht viel tat, wurden die Karten auf den Tisch gelegt und der Aufforderung, die Kugel zu berühren und manuell zu drehen, wurde von einem Publikumsmitglied, das von einem Freund zwecks Discokugelbewegungsmaßnahme mal eben so Huckepack genommen wurde, Folge geleistet. Dies endete mit einem Stagedive und einem Crowdsurf. Das erste Mosh Pit startete mit „Gay Bar“ und zum Ende des Konzerts hin waren selbst eher groovige als rockige Songs ein Anlass, um sich gegenseitig freudig anzurempeln. Okay, ein paar Leute waren dabei etwas zu enthusiastisch und mein Kumpel hat dabei seine Brille einbüßen müssen, aber abgesehen davon war es ein Riesenspaß.

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Wie schon gesagt, es ist wieder eine „Man muss  dabei gewesen sein“ Affäre, aber im Endeffekt war dieser Abend der vielleicht beste, den ich dieses Jahr (und um ehrlich zu sein, seit mehreren Jahren) hatte. Ich würde euch gerne noch ein paar Fotos und/oder Videos zeigen, aber da ist nichts wirklich Vorzeigbares herausgekommen. Ich bin vielleicht eine Social Media Hure,  doch ich bin keiner von den Menschen, die sich ein Konzert nur durch ihr Handydisplay betrachten.

Dafür habe ich, mit Hilfe meines Gedächtnisses und etwas Internetrecherche, eine Spotify Playlist mit den Songs,  die an diesem Abend gespielt wurden, zusammengestellt. Leider ist sie nicht ganz vollständig. Es fehlen die Songs aus „Senor Smoke“, welches nicht auf Spotify zu finden ist, und die Coverversion von David Bowie’s „Cat People“.

Okay, ein Foto gab es doch: Hier bin ich, mit Frontmann Dick Valentine, der nach dem Konzert Autogramme verteilte. (Siehe unterschriebenes Albumcover weiter oben.)

Ein von CJ (@captarschkarte) gepostetes Foto am


Headerphoto: Cover von „Fire“, © XL Recordings

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