Der Fall "Cougar Town"

In der Geschichte des Fernsehens gibt es viele Serien, die sich trotz hoher Qualität nie durchsetzen konnten. Viele wurden sofort abgesetzt, einige konnten sich wie durch ein Wunder mehrere Jahre, wenn auch aus Quotensicht mehr schlecht als recht, auf den Bildschirmen halten. Doch selbst von diesen Serien, konnten die meisten nie über den Status eines Geheimtipps herauswachsen.

Die vorherigen Sätze habe ich einfach aus meinem Artikel zu „News Radio“ von vor ein paar Wochen kopiert, denn er passt auch irgendwie auf die Serie, über die ich heute sprechen möchte. Auch wenn die Gründe, wegen denen „Cougar Town“ irgendwie nie ein echter Hit wurde, andere sind.

Anfangs noch „sexy“, später hauptsächlich albern.

„Cougar Town“ startete 2009 als große Prestigeserie und galt als sicherer Hit. Die Hauptrolle spielte Courtney Cox, die einer der beliebtesten Stars aus „Friends“, der vielleicht populärsten Sitcom der 90er war (Auch wenn ich dessen Erfolg nie verstehen werde.). Als Produzent und Co-Erfinder war Bill Lawrence tätig, der unter anderem mit „Scrubs“ und „Chaos City“ schon einige echte Kritiker- und Publikumslieblinge vorweisen konnte. Zudem lag der ursprünglich angedachte Plot der Serie – geschiedene Mutter über 40 schmeißt sich an jüngere Kerle ran – genau auf einer Wellenlänge mit dem „Sex & The City“, bzw. „Desperate Housewifes“ Zielpublikum.

In „Cougar Town“ geht es um Jules Cobb, Mutter und Immobilienmaklerin, die zum ersten Mal in ihrem Leben Single ist. Ihr Ex-Mann Bobby (Brian van Holt, „House Of Wax“, „The Bridge“) ist eigentlich ein ganz dufter Typ, nur leider nicht der Hellste, Verantwortungsvollste oder Treueste, wobei Letzteres natürlich zum Hauptgrund für die Scheidung wurde. Ihr gemeinsamer Sohn Travis (Dan Byrd, „The Hills Have Eyes“, „Aliens In America“) ist ein sarkastischer Nerd und in Jules Freundin/Assisstentin Laurie (Busy Philips, „Emergency Room“, „Dawsons Creek“) verknallt. Ihre beste Freundin ist aber ihre gemeine Nachbarin Ellie (Christa Miller, „Scrubs“), die mit dem viel netteren Andy (Ian Gomez, „Felicity“) verheiratet ist. Und wenn sie nicht versucht ihr Liebesleben in Schwung zu bringen und sich mit jungen Männern zu treffen, geht Jules ihrem ebenfalls frisch geschiedenen Nachbarn Grayson (Josh Hopkins, „Quantico“), der jeden Tag einen neuen One Night Stand mit einer viel Jüngeren hat, auf die Nerven.

Auch wenn die Serie mit ganz okayen Quoten und wohlwollenden, wenn auch nicht übermäßig begeisterten Kritiken startete, hatte sie ein Problem. Und dieses Problem war leider der Plot. Diese ganze „Dating im mittleren Alter“ Sache, begeisterte niemanden. Sie sorgte zwar für ein paar witzige Momente, etwa wenn Travis seine Mutter beim Blowjob mit ihrem Date überrascht und ihr beim Frühstück am nächsten Morgen entsetzt eine Banane aus der Hand schlägt, aber die Momente, in denen die Gruppe einfach gemeinsam abhing und Quatsch machte, waren viel unterhaltsamer als die Datingplots. Das merkten auch die Produzenten und so wurde „Cougar Town“ in Staffel 2 zu einer „Freunde hängen gemeinsam herum und machen Quatsch“ Serie, was sie viel besser machte.

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Der Titel war der beliebteste Running Gag der Serie.

Leider war der Schaden da schon angerichtet und all diejenigen, die mit einer Datingsitcom nichts anfangen konnten, hatten schon abgeschaltet, bzw. gar nicht erst eingeschaltet und konnten auch jetzt nicht zum zuschauen überredet werden. Selbst eine wiederholte Lobpreisung in diversen Folgen von „Community“, der Lieblingsserie des Internets, mit der Joss Whedon nichts zu tun hatte, konnte nicht wirklich helfen. Und dass die Serie immer noch „Cougar Town“ hieß, obwohl sie nicht mehr von einem „Cougar“ (also einer Frau, die es mit viel jüngeren Kerlen treibt) handelte, war auch alles andere als hilfreich. Immerhin führte das zu einem sehr amüsanten Running Gag, bei dem man sich in schöner Regelmäßigkeit im Vorspann über den unpassenden Titel lustig machte. Dass sich die Serie dann doch sechs Staffeln und 102 Episoden lang hielt, ist ein kleines Wunder, auch wenn die überraschend lange Laufzeit unter anderem einen Wechsel von ABC, zum verhältnismäßig kleinen Kabelsender TBS beinhaltete.

Ähnlich wie das anfangs erwähnte „News Radio“, hatte auch „Cougar Town“ keine Angst davor, richtig bizarre und surreale Gags in Richtung Zuschauer abzufeuern. Genau das, gemischt mit den vielen kleinen und großen Running Gags, machte es so vergnüglich. Man könnte den Machern allerdings vorwerfen, dass sie sich nicht wirklich um ihre Charaktere gekümmert haben. Ein viel zu häufig benutzter Plot ist „Zwei weniger gut befreundete Mitglieder der Gruppe machen etwas zusammen und lernen, dass sie sich doch wirklich mögen“, was dann aber in der nächsten Folge irgendwie kaum mehr relevant ist. Und so einzelne Charaktere, wie Jules oder Ellie, haben zwar ihre tieferen Momente, sind aber im Endeffekt oft nur Stichwortgeber, die uns mit ihren Marotten zum Lachen bringen sollen. Da das aber ausgezeichnet funktioniert und ich der Meinung bin, dass der Versuch, Gagcharakteren auf Gedeih und Verderb eine dritte Dimension aufzuzwingen meistens eher nervig als erfolgreich ist, beschwere ich mich nicht allzu sehr darüber. Und um fair zu bleiben, häufig sind es kleine, kaum merkbare Pinselstriche, die den Protagonisten dann doch noch Tiefe geben.

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Besonders hervorheben möchte ich Bobby. Als nichtsnutziger Ex-Mann der Protagonistin, wäre es ein Einfaches gewesen, ihn als wiederlichen Buhmann darzustellen oder zumindest zu einem „Stanley Zbornak“ zu machen. Das war er aber nie. Er war ein durch und durch sympathischer Mensch. Nur eben, dass seine Fremdgeherei wie eine dunkle Wolke über ihm hing. Dies wiederum ist aber der Hauptgrund, für sein sympathisches Wesen. Jules zu betrügen, war der größte Fehler seines Lebens und das wurde ihm erst klar, als es zu spät war, was ihn so einiges an seinem Leben ändern ließ. Nach der Scheidung wurde er der Freund und Vater, der er vorher nicht war. Auch wenn man sagen könnte, dass „Cougar Town“ solche Charakterentwicklungen oft egal waren, hatte die Serie trotzdem ein Talent dafür, sie immer im passenden Moment hervorzuziehen.

cougar_town_ver5Trotzdem: In dieser Serie ging es hauptsächlich um Spaß. Wilden, absurden, oft surrealen, „Verdammt, ich wünschte, meine Freunde wären so“ Spaß. Und vor allem originellen Spaß, der nie irgendwelche Gimmicks brauchte. Es gab noch nicht mal eine Musical Episode! Es ist sehr schade, dass es der Serie nicht vergönnt war, ein Zuschauermagnet, wie minderwertigere Produkte Marke „Big Bang Theory“ oder „How I Met Your Mother“ zu werden. Immerhin, sechs Staffeln, über hundert Folgen und zumindest spätes Kritikerlob sind nun nicht wirklich ein Grund, um sich zu beschweren, aber wenn es eine Serie verdient hat, dem (deutschen) Publikum per Dauerschleife im Nachmittagsprogramm aufgezwungen zu werden, dann ist es „Cougar Town“!

Aktuell kann man sich alle Staffeln bei Amazon Prime und Maxdome ansehen. Wie lange, ist eine andere Frage, also beeilt euch! Wenn ihr eure Comedyserie originell, schräg, manchmal albern, aber immer lustig mögt, dann ist „Cougar Town“ für euch!

Beenden möchte ich das Ganze mit dem vielleicht merkwürdigsten Seriencrossover aller Zeiten:


Bilder © ABC & TBS

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