Ich hab zwar erst vor Kurzem geschrieben, dass ich mich mit PC Spielen nicht so recht anfreunden kann, aber das bedeutet nicht, dass ich sie vollständig ablehne. Die meisten Spiele aus diesem Bereich meiner Sammlung, sind allerdings eher von der gemütlichen Sorte, bei der ich mir nicht die Finger auf der Tastatur verknoten muss. Simulatoren und Strategiespiele, ohne viel Action. Im vorletzten Humble Bundle, das  ich mir eigentlich wegen „Prison Architect“ gekauft habe, war auch ein nettes, kleines Spielchen, mit dem vielversprechenden Titel „Punch Club“ mit dabei. Vielleicht habt ihr schon mal davon gehört.

Punch Club 05

Hey, das kenne ich doch…

Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Point & Click Adventure und Managementspiel, in herrlichster 16-Bit Grafik, vollgestopft mit den beliebtesten Actionfilmklischees und einem Haufen überraschender Popkulturreferenzen. Man übernimmt die Rolle eines jungen Mannes, der als Kind mit ansehen musste, wie sein Vater von einem geheimnisvollen Mann ermordet wurde. Als Erwachsener steigt er durch Zufall in die Kampfsportszene ein, trainiert täglich um der Beste zu sein, muss aber gleichzeitig Geld verdienen, Essen kaufen, seine Freundin nicht vernachlässigen, Teenage Mutant Ninja Krokodile bekämpfen, als Superheld die Straßen patrouillieren und herausfinden, wer eigentlich seinen Vater tötete.

Das alles klingt spaßig und das ist es auch. Zumindest anfangs. Das Erste, was mir ins Auge fiel, waren diverse, kleine Hintergrundgags, wie ein Poster vom Stallone Klassiker „Cobra“, ein weiteres für einen Boxerfilm namens „Stoney“ oder auch eine „Bloodsport“ Parodie namens „Sport Sport“, sowie der legendäre „A-Team“ Van in der Garage. Und das ist noch lange nicht alles. Über das gesamte Spiel hinaus trifft man auf Charaktere und Situationen, die nur darauf warten, dass früher oder später irgendein Rechteinhaber vor Gericht klären lassen wird, ob das nun als Parodie durchgeht oder schon eine Copyrightverletzung ist. (Ich weise da mal auf die Screenshots hin.) Auch wenn ich nicht gerade ein Freund des „Look, it’s _________!“ Referenzhumors bin, musste ich mehr als einmal laut loslachen.

Auch wenn ich nicht gerade ein Freund des „Look, it’s _________!“ Referenzhumors bin, musste ich mehr als einmal laut loslachen.

Punch Club 03

Die Typen da vor der Tür kenne ich doch…

Das Spiel selber ist originell. Im Groben besteht deine Aufgabe darin, Kraft und Fähigkeiten durch Training aufzubauen, neue Fähigkeiten freizuschalten und ein besserer Kämpfer zu werden. In der Praxis ist dies aber ziemlich nervtötend. Die Devise lautet: Leveln, leveln und nochmals leveln. Verschiedene Trainingsgeräte verstärken deine Kraft, Geschicklichkeit oder Schnelligkeit, aber du wirst dadurch auch hungrig und müde. Gegen den Hunger musst du Essen kaufen, aber dazu braucht man Geld. Das kann man am besten auf der Arbeit verdienen, aber Arbeit macht einen auch hungrig und müde und wenn man zu hungrig oder müde ist, kann man nicht arbeiten. Gegen die Müdigkeit hilft Schlaf, aber wenn man hungrig ist, kann man nicht schlafen. Wenn man nicht schlafen kann, kann man nicht arbeiten, man bekommt kein Geld, kann nichts zu essen kaufen…bekommt ihr mit, worauf ich hinaus will? Wenn man Pech hat, ist man in einer Hunger-, Müdigkeits- und Armutshölle gefangen, in der man nichts mehr machen kann. Das kann einem zwar nur zu Anfang passieren, weil es, nachdem man ein paar weitere Subquests und Errungenschaften freigeschaltet hat, diverse Möglichkeiten gibt, um z.B. ohne Geld an Essen zu kommen, aber es KANN passieren und dann muss man seinen Spielstand löschen und wieder bei Null anfangen. Immerhin: Diesen Fehler macht man nur einmal. Beim zweiten Versuch achtete ich schon genauer auf eine ausgewogene Mischung aus Training und Geld verdienen.

Aber hier gibt es ein weiteres Problem. Das ganze Gelevele wäre ja nicht schlimm, aber leider sind die Entwickler auf die Idee gekommen, dass man am Ende des sehr kurzen Tages einen Teil seiner Kraft, Geschicklichkeit und Geschwindigkeit wieder verliert. Und da man oft mit Kämpfen und Geld verdienen beschäftigt ist, wird da schnell ein frustrierender Teufelskreis draus. Da hat man sich gerade auf einen guten Level trainiert, schon ist der Kühlschrank leer, man verbraucht zu viel Zeit auf der Arbeit, verliert zu viel Energie und ist wieder da, wo man angefangen hat oder verbringt Stunden damit, eine tägliche Routine zu wiederholen, die nur langweilt, bis man dann endlich wieder einen Kampf bestreiten kann.

Man verbringt Stunden damit, eine tägliche Routine zu wiederholen, die nur langweilt, bis man dann endlich wieder einen Kampf bestreiten kann.

Punch Club 07

Hey, das kenne ich doch auch…

Diese Kämpfe bestreitet man übrigens nur indirekt selber. Man wählt für jede Runde ein paar Fähigkeiten aus (z.B. ein normaler Schlag, eine hoher Kick und die Fähigkeit, Treffer abzublocken) und beobachtet den Kampf dann als passiver Zuschauer. (Zum Glück lassen sich ab einem bestimmten Zeitpunkt die Kämpfe beschleunigen.) Das ist interessanter als es klingt und vor allem viel spannender. Zu versuchen, die richtige Kombination an Schlag-, Tritt- und Blocktechnicken zu finden und dann hilflos zuzusehen, wie man trotzdem die Fresse poliert bekommt, nur um dann in der nächsten Runde seine Strategie zu ändern und doch noch zu gewinnen, macht schon richtig Spaß.

Genau so viel Spaß macht es, wenn man neue Errungenschaften freischaltet und plötzlich über neue Sidequests stolpert. In diesen Momenten hat sich der schier end- und freudlose Teufelskreis der Levelei gelohnt. Nur, dass man diese neuen Sidequests aus Mangel an der richtigen Menge an Stärke ohnehin auf Anhieb versemmelt und man dann wieder viel zu viel Zeit mit leveln und arbeiten und leveln und essen und ausruhen und leveln und essen und arbeiten und ausruhen und leveln und kämpfen und essen und ausruhen und leveln und arbeiten und leveln verbringt.

Ich will nicht zu hart mit „Punch Club“ ins Gericht gehen. Es ist ein originelles und spaßiges Spiel, das nur leider durch ein etwas unfaires Zeitsystem viel Spielspaß verliert. Weniger Kraftverlust am Ende des Tages oder einfach nur längere Tage, würden schon helfen. Seit dem letzten Update gibt es die Möglichkeit, das Spiel in einem „Super Easy“ Modus zu spielen, in dem man keine Kraft verliert, dafür aber auch keine Errungenschaften freischalten kann, was aber irgendwie völlig am Problem vorbeigeht. Aber egal. Wenn es „Punch Club“ mal wieder für einen Appel und ein Ei im Steam Sale gibt, dürft ihr gerne mal einen Blick oder zwei riskieren.


Bilder © TinyBuild

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