Ja, ich hänge mit meinem #Horroctober etwas hinterher, aber hier sind gleich zwei Filme, über die ich nicht viel zu sagen habe. Oder sagen kann.

raising_cainUm es gleich aus dem Weg zu räumen: Ja, Brian DePalmas „Mein Bruder Kain“ ist jetzt nicht wirklich Horror, aber erstens wusste ich das nicht, als ich ihn auf die Liste setzte, zweitens sprechen die surreale und (alb)traumartige Atmosphäre eindeutig für diese Genreeinordnung und drittens haben „Psycho“ und „Das Schweigen der Lämmer“ da schon vor Ewigkeiten Präzedenzfälle gesetzt, wenn es darum geht, ob man Thriller als Horrorfilme betrachten darf. Also im Endeffekt drückt ihr am besten einfach ein bis zwei Augen zu.

Ein kleines Wort der Warnung noch: Der Film ist wirklich am Besten, wenn man nichts darüber weiß. Nehmt die Spoilerwarnung also bitte ernst.

Schon nach wenigen Minuten war mir klar, dass ich diesen Film lieben würde. Er fängt eigentlich ganz harmlos an. Der immer grandiose John Lithgow spielt Carter, einen Kinderpsychologen, der sich gerade mit einer platonischen Freundin im Park unterhält und seinem und ihrem Kind beim Spielen zusieht. Auf der späteren, gemeinsamen Nachhausefahrt, erwähnt Carter, dass er seine Tochter demnächst ins Ausland, in die Klinik seines Vaters schicken möchte. Dort werden neuwertige Erziehungsmethoden oder so etwas angewandt und er bietet seiner Bekannten an, ihrem Kind ebenfalls einen Platz darin zu besorgen.

Ab dann wird es abgefahren. Als die Mutter Carters Idee kritisiert, bekommt er einen Niesanfall, der damit endet, dass er ihr Sand ins Auge niest (!!) und sie mit Chloroform betäubt. Dann steht plötzlich Carters krimineller Zwillingsbruder Cain (oder wie es hier eingedeutscht wurde: Kain) am Beifahrerfenster, macht sich über ihn und seine undurchdachten Entführungspläne lustig und bringt ihn dazu, sein Opfer innig zu küssen, um zwei vorbeikommenden Joggern vorzugaukeln, dass alles in Ordnung ist.

Interessanterweise wird gar nicht erst versucht uns davon zu überzeugen, dass Cain wirklich existiert. Er taucht so plötzlich auf und wir sehen die „Brüder“ nie zusammen in einem Bild, ganz zu schweigen davon, dass schon das Plakat andeutete, was hier eigentlich vorgeht. Ja, Carter hat eine gespaltene Persönlichkeit. Der Witz an der Sache ist aber, dass man sein Problem wiederum dem Zuschauer auch nicht von Anfang an buchstabiert. Es ist quasi ein: „Hey, wisst ihr schon, was Sache ist? Cool. Wisst ihr es nicht? Auch cool.“ Als dann endlich jemand Carters Hintergrundgeschichte erklärt, wird es so locker und nebenbei erzählt, dass sich die Zuschauer, die es von Anfang an gewusst haben, nicht für dumm verkauft vorkommen, aber die, die es nicht wussten, trotzdem einen Aha-Effekt erleben dürfen.

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Nach ungefähr einer halben Stunde verändert sich zudem die Erzählperspektive und wir erleben eine lange Nebenhandlung, durch die Augen von Carters Frau, mit Zeitsprüngen, Albträumen, die vielleicht keine sind, plötzlich auftauchenden und ebenso plötzlich verschwindenden und nie wiederkehrenden Erzählstimmen und einem ganzen Haufen irrer Wendungen, die ich selbst hier im Spoilerland einfach nicht verraten will.

Für die, die gerade zugeschaltet haben: „Mein Bruder Kain“ ist alles Andere als ein gradliniger Film. Die Handlung hat ein ganzes Sammelsurium an Twists zu bieten und schlägt immer dann Haken, wenn man es nicht erwartet. Und diese Twists und Haken ergeben auch nicht immer Sinn, aber das ist wohl so gewollt. Der ganze Film scheint in einer Albtraumwelt zu spielen und ist eher vergleichbar mit den bizarrsten Werken von Dario Argento oder Lucio Fulci (wenn auch mit viel weniger Gewalt), als mit Hitchcock und Co. Es ist ein wirrer Film, der eine sadistische Freude daran hat, dem Zuschauer große und kleine Absurditäten um die Ohren zu schlagen, aber es ist ein hervorragender, wenn man bereit ist, sich auf unkonventionelle Erzählstile einzulassen.  Abgesehen davon macht es immer Spaß, John Lithgow beim Übertreiben zuzusehen.

beast_must_dieNicht so toll hingegen ist „Mondblut“. Genau wie „Die Todeskarten des Dr. Schreck“, handelt es sich auch hier um eine Amicus Produktion mit Peter Cushing. Auch wenn seine Rolle hier ziemlich vergessenswert ist. Aber Peter Cushing, der nichts zu tun hat, ist immer noch besser als kein Peter Cushing. (Ich vermisse Peter Cushing.) Der Star des Films ist Calvin Lockhart („Predator 2“, „Der Prinz aus Zamunda“, „Wild At Heart“), der den reichen Tom Newcliffe spielt. Tom ist ein begeisterter Jäger und hat sein Anwesen und den angrenzenden Wald mit Mikrofonen und Kameras ausstatten lassen. Dann lädt er eine Gruppe völlig fremder Menschen (u.a. eben Peter Cushing, „Rocky Horror Picture Show“ Erzähler und Bond-Schurke Charles Gray und Dumbledore Nr. 2 Michael Gambon) über das Wochenende zu sich ein.  Schon am ersten Abend legt er alle Karten offen. Jeder der Anwesenden steht in irgendeiner Form im Zusammenhang mit brutalen Mordserien und/oder Kannibalismus und Tom ist sich sicher, dass mindestens einer von ihnen ein Werwolf ist, welchen er vorhat zu jagen und zu erlegen. Nur wer es ist, ist hier die Frage. Aber zum Glück ist an diesem Wochenende Vollmond.

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Der Plot ist eigentlich ganz interessant, aber es wird nicht viel daraus gemacht. Alles plätschert gemütlich daher, Spannung kommt nur ganz selten auf und es wird so derart krampfhaft versucht, den Verdacht auf eine bestimmte Person zu lenken, dass die Unschuld des Mannes viel zu eindeutig ist. Das Erinnerungswürdigste an „Mondblut“, abgesehen vom superfunky 70er Jahre Score, ist aber das „Werewolf Break“ Gimmick. Am Anfang wird man dazu eingeladen, bei dieser Detektivgeschichte selber Detektiv zu spielen. 15 Minuten vor dem Ende, stoppt der Film für den eben genannten „Werewolf Break“. Der Zuschauer soll sich hier für 30 Sekunden alle Hinweise nochmal durch den Kopf gehen lassen. Eine nette Idee, die das Ding immerhin zum Status einer interessanten Fußnote erhebt, aber leider auch eine völlig vertane Chance. Jeder verhält sich verdächtig, aber echte Hinweise gibt es keine. Selbst bei einer durchschnittlichen Folge „Scooby Doo“ hat man mehr Chancen, den Täter zu erraten.

Dies ist einer von diesen Filmen, die durchaus Remakepotenzial haben (mit oder ohne „Werewolf Break“). Es gibt ein paar nette Ideen, aber ansonsten nur Leerlauf, Langeweile und unfreiwillige Komik. (Der Werwolf ist ein schwarz gefärbter Schäferhund mit Löwenmähne. Also nicht nur Blackface, sondern auch Catface!) Schade drum.

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