phantom_of_the_opera„Das Phantom der Oper“ muss wohl einer der meistverfilmtesten Romane aller Zeiten sein. Keine Ahnung warum. Ich will jetzt nicht behaupten, dass die Geschichte um einen maskierten, da entstellten und mal mehr, mal weniger sympathischen Bösewicht, überhaupt nicht funktioniert, aber so viel kann man damit jetzt auch nicht machen. Das ist auch eines der Hauptprobleme von Universals „Das Phantom der Oper“ (In Technicolor) und vermutlich einer der Gründe, warum Phanti, im Gegensatz zu seinen Kollegen Dracula, Frankenstein(s Monster), dem Unsichtbaren oder dem Wolfsmenschen, jetzt nicht so einen hohen Stellenwert in der Garde der „Universal Monster“ einnimmt.

Der vierfach Oscar-nominierte Claude Rains („Casablanca“, „Der Wolfsmensch“, „Der Unsichtbare“, „Laurence von Arabien“) spielt hier den Operngeiger Erique, dem einige ziemlich harte Zeiten bevorstehen. Dass seine schwindende Gesundheit seinen Job immer schwieriger macht und sein ganzes Geld für die geheime Förderung der Sängerin Christine (Susanne Foster) draufging, ist nur der Anfang einer Verkettung unglücklicher Umstände, die damit endet, dass er sich als gesuchter Mörder und mit verätztem Gesicht in der Kanalisation verstecken muss.  (Und der Joker dachte, er wäre der Einzige, der einen schlechten Tag hatte.) Mit einem geklauten Generalschlüssel der Pariser Oper und einem ebenfalls gemopsten Bühnenoutfit, macht er sich nun daran, Christines Karriere mit sehr eigenwilligen und tödlichen Mitteln zu fördern.

vlcsnap-error531Diese Verfilmung aus dem Jahr 1943, hat mich ganz gut unterhalten, aber richtig herausragend ist sie nicht. Okay, teilweise ist sie es doch. Claude Rains hat zwar, sobald er zum Phantom wird, nicht viel zu tun, aber zu Anfang spielt er sich fast die Seele aus dem Leib, damit wir auch ja Mitleid mit dem vom Schicksal gebeutelten Trauerkloß haben und seine Transformation zum kaltblütigen Killer so tragisch wird, wie möglich. Außerdem ist der Film ein visueller Leckerbissen und wurde zurecht mit dem Kameraoscar prämiert. Schon die Anfangsszene, die eine Opernaufführung zeigt, in der knallrot gewandete Akteure vor einer grauen, aber schön gestalteten Kulisse agieren, während die Kamera von der Bühne immer höher und weiter zurückfliegt, um uns schon mal den schönen Kronleuchter zu zeigen, der später noch eine Rolle spielen wird, ist ein Fest für die Augen. Es ist egal ob wir uns in der Oper oder in den Katakomben unterhalb befinden, es gibt immer etwas Schönes zu sehen. Und wenn es „nur“ die Kostüme sind.

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Leider ist das Drehbuch nicht so atemberaubend. Dass hier sehr viel Zeit darauf verwendet wird, die Zuschauer mit opulenten Opernszenen (in Technicolor) zu beeindrucken, lasse ich noch durchgehen. Wie gesagt, sie sind wunderschön gefilmt und es ist ja nicht so, dass ich in einem Film namens „Das Phantom der Oper“ nicht erwarten würde, Opernszenen zu sehen. Aber dazwischen passiert nicht viel und interessantere Handlungsstränge werden ignoriert. Im Verlauf des Films spielen sowohl Erique als auch Christine ein Kinderlied aus der Provinz, in der sie aufwuchsen. Natürlich erwartet man da die Enthüllung, dass sie eigentlich Vater und Tochter sind, aber auf die Motivation, warum Erique sich so für sie interessiert, wird nicht weiter eingegangen. Der (übrigens sehr interessanten) Doku auf der DVD zufolge, war er tatsächlich ihr Vater, der sie als Baby verließ, aber als die Zensoren andeuteten, dass seine Zuneigung zu inzestuös rüberkommen würde, wurde dieser Ansatz fallen gelassen.

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Und ihr dachtet, „In Technicolor“ wäre nur ein dummer Witz…

Eine weitere, enttäuschende Nebenhandlung, gehört dem Opernsänger Anatole (Nelson Eddy). Dieser wird verdächtigt das Phantom zu sein und muss nun nicht nur um Christines Sicherheit, sondern um den Beweis seiner Unschuld kämpfen. Doch mehr als ein paar verbale Verdächtigungen von seinem romantischen Nebenbuhler in Sachen Christine, dem Polizisten Raoul (Edgar Barrier), kommen dabei nicht heraus. Anatole und Raoul sorgen immerhin für die meisten Lacher. Ihr Konkurrenzkampf um die schöne Sängerin, bietet mehr als nur einen gelungenen Gag und sorgt auch dafür, dass die Geschichte unerwartet fröhlich endet.

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Aber abgesehen davon, funktioniert „Das Phantom der Oper“ (in Technicolor) nur, wenn man auf seichte Unterhaltung durch klassische Gruseler steht. Und selbst dann funktioniert er nicht richtig. Selbst mit dem „Es ist halt ein alter Film“ Bonus, kann man über das löchrige und ereignislose Drehbuch nicht vollständig hinwegsehen. Schade.

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