Es gibt nur ganz wenige Regisseure, die gleichermaßen von Arthouse- und Popcornpublikum geachtet werden. Guillermo del Toro ist einer von ihnen. Auch wenn Ersteres bei „Hellboy“ oder „Pacific Rim“ oft die Nase rümpft, während Letzteres immer wieder frustriert feststellen muss, dass „The Devil’s Backbone“ oder „Pans Labyrinth“ eher menschliche Dramen, mit erstaunlich wenig Horror- und Fantasyelementen sind. Genau so ein Film ist auch „Crimson Peak“.

crimson_peakDarin spielt Mia Wasikowska (Tim Burtons „Alice im Wunderland“) die junge Edith Cushing (Kapiert?), Tochter aus wohlhabendem Hause. Ihre Mutter starb schon vor Jahren, aber nicht ohne ihre Tochter als Geist fast zu Tode zu erschrecken und sie vor „Crimson Peak“ zu warnen. Als der verarmte Adelige Thomas („Loki“ Tom Hiddleston“) bei Ediths Vater (Jim Beaver, Bobby aus „Supernatural“) um ein Darlehen für eine neuwertige Bergwerksmaschine bittet, bekommt dieser eine kalte Abfuhr. Dafür kann er wenigstens Ediths Herz für sich gewinnen. Als ihr Vater bei einem „Unfall“ stirbt, heiraten die beiden und Edith zieht zu Thomas und seiner Schwester Lucille (Die immer hervorragende Jessica Chastain) in deren beeindruckendes, aber auch langsam verfallendes Anwesen, welches zufälligerweise den Spitznamen „Crimson Peak“ trägt. Es dauert nicht lange, bis ihr die ersten Geister erscheinen, die ihr auf typische, leicht zu missverstehende Geisterart nahelegen, schnellstmöglich zu verschwinden und/oder das dunkle Geheimnis hinter dem Gemäuer und deren Besitzern zu lüften.

Ich fange an zu befürchten, dass del Toro etwas die Luft ausgeht. Seine Filme sind zwar immer noch hervorragend (auch wenn ich „Pacific Rim“ nur als „sehr unterhaltsam“ einordnen würde), aber in den letzten zehn Jahren, hat er sich immer wieder zu stark selber kopiert. „Pans Labyrinth“ erinnerte mehr als einmal an „The Devil’s Backbone“, „Hellboy II“ hatte überraschend viele Elemente von „Blade 2“ (Inklusive Luke Goss in einer viel zu ähnlichen Rolle) und auch „Crimson Peak“ bedient sich überraschend stark aus seiner vorherigen Filmografie. Dass der Film zwar als Horrorfilm beworben wird, aber wie „Cronos“, „The Devil’s Backbone“ (oder „Pans Labyrinth“, wenn wir Horror durch Fantasy ersetzen) eigentlich keiner ist, ist dabei das geringste Problem. Del Toro liebt es halt, die langweilige und triste „echte“ Welt, mit übernatürlichen Elementen zu würzen. Ihn dafür zu kritisieren, ist, als würde man die Coen Brüder für ihre Faszination an der menschlichen Dummheit tadeln. Aber außerhalb des Lieblingsleitmotivs seines Regisseurs, hat „Crimson Peak“ zu viele Momente, in denen mir ein „Oh, kenne ich schon aus einem frühreren del Toro Film“, durch den Kopf schoss. (Die will ich aber hier nicht spoilern. Ist ja nicht jeder so del Toro versiert.)

Ein weiteres Problem, ist die Vorhersehbarkeit des Drehbuchs. Die Handlung lebt von Geheimnissen, die vom Zuschauer zeitgleich mit der Protagonistin aufgedeckt werden sollen, aber ich hatte jeden einzelnen Twist schon in der ersten Hälfte herausgefunden. Immerhin wird hier gar nicht erst versucht so zu tun, als wären Thomas und Lucille kein zwielichtiges Geschwisterpaar, das nur hinter Ediths Geld her ist. Das hätte man eh von Anfang an erwartet.

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Trotzdem will ich auch nicht zu hart mit dem Film umgehen, denn so vorhersehbar die Geschichte auch ist, so gut erzählt ist sie. Die fast zwei Stunden Laufzeit fliegen dahin und del Toro schaffte es tatsächlich, in der heutigen Zeit einen Film zu drehen, der zwar modern ist, aber auch im besten Sinne an klassisches Hollywoodkino erinnert. Aber warum „Crimson Peak“ keine Oscarnominierungen für Ausstattung (Die haben das Haus tatsächlich vollständig und super detailliert gebaut!) oder Kostüme bekam, wird wohl nie jemand verstehen.

Pumpkinhead_2_Blood_Wings_001Warum „Pumpkinhead 2 – Schwingen des Todes“ keine Oscarnominierungen hatte, ist hingegen klar. Das Ding ist Mist. Für die, die den wenig kürbiskopfähnlichen Pumpkinhead nicht kennen: Er ist ein Rachedämon, der bei Bedarf gerufen werden kann, wenn jemandem Unrecht geschieht und der oder die Täter nun auf grausame Art das Zeitliche segnen sollen. In Teil 1 tat dies Lance Henriksen, nachdem sein Sohn von einer Gruppe unachtsamer Teenager getötet wurde. Auch wenn der Film, der das Regiedebüt von Spezialeffekt- und Make Up Legende Stan Winston war (der deshalb aber leider nicht am Monster arbeiten konnte), jetzt nicht soooo der Knaller war, lässt dessen „Schuld und Sühne“ Ansatz ihn aus dem Wust an 80er Jahre Horrorfilmen herausstechen. Denn es ist nicht nur so, dass der Erwecker des Dämons für seine Rache einen Preis zahlen muss, Pumpkinhead ist auch nicht wirklich zimperlich und tötet auf seinem Feldzug schonmal gerne Unschuldige, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort sind.

(Schon alleine deshalb bin ich seit längerem der Meinung, dass Guillermo del Toro perfekt für ein „Pumpkinhead“ Remake wäre. Er würde nicht nur das Monster cool aussehen lassen, er würde auch das menschliche Drama dahinter deutlich hervorheben.)

Der zweite Teil kratzt aber nur an der Oberfläche. Zugegeben, schon in der ersten Szene erleben wir in einem 50er Jahre Flashback, wie eine Gruppe Halbstarker Jagd auf einen missgebildeten Jungen macht und ihn brutal tötet, was natürlich der Auslöser für die späteren Ereignisse sein wird, aber der ganze „Rache kommt mit einem schrecklichen Preis“ Aspekt, wird hier für einen simplen „Ihr habt gesündigt, ihr müsst bezahlen“ Plot ignoriert.

Etwa 30 Jahre später kehrt Sheriff Braddock (Andrew Robinson, Garak aus „Deep Space Nine“ und Scorpio aus „Dirty Harry“) zurück in seine Heimatstadt. Seine Tochter Jenny (Ami Dolenz), freundet sich dort schnell mit einer Gruppe Nichtsnutzen (u.a. „Punky Brewster“ Soleil Moon Frye) an. Bei einer nächtlichen Spritztour, fahren sie erst versehentlich eine alte Einsiedlerin an, brechen dann in ihre Hütte ein, um zu sehen ob es ihr gut geht, klauen ihr Magiezubehör, ihr Anführer schlägt sie hinter dem Rücken der Anderen K.O. und während die Gruppe aus Jux und Dollerei versucht, die Leiche des im Anfangsflashback ermordeten Jungen wiederzubeleben, wird die alte Frau bei einem Feuer schwer verletzt.

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Nein, das ergibt auch in der Langfassung nicht viel Sinn und ist symptomatisch für den ganzen Film. Mit wenigen Ausnahmen sind nicht nur die Schauspielerleistungen schrecklich, die Charaktere und deren Handlungen sind völlig gaga. Als die Gruppe zum Beispiel eine alte Buchseite in der Hütte findet, geben sie diese sofort an Punky Brewster weiter, weil „sie sich mit Hexen auskennt“. Daraufhin verkündet sie erst, dass diese Seite älter ist, als alles, was sie bisher gelesen hat, nur um dann zielsicher zu bestätigen: „Das ist eine Seite aus dem Buch der Schatten! Damit kann man Tote wiedererwecken!“ Später im Film gibt es auch eine Szene, in der der Sheriff gerade bei einer ärztlichen Untersuchung  sitzt, als der Bürgermeister (Bill Clintons Bruder Roger!) zur Tür herein kommt, um seine Gitarre abzuholen, die die Ärztin gestimmt hat. In dem Moment habe ich damit gerechnet, dass jemand fragt, warum da Stroh in der Ecke liegt und die Szene in einem Gang Bang endet.

Naja, auf jeden Fall hat das Ritual der dummen Teenager gewirkt und die Leiche kehrt als Pumpkinhead zurück, um sich an denen zu rächen, die ihn damals lynchten. Und dann an denen, die das Haus seiner Ziehmutter abfackelten. Das geschieht mit viel unfreiwilliger Komik und genau so viel Langeweile. Immerhin versucht der Regisseur Jeff Burr („Stepfather 2“, „Texas Chainsaw Massacre 3“, „Puppet Master“ 4 & 5. Ich erkenne da ein Muster.) das Monster immer wieder beeindruckend in Szene zu setzen, was ihm auch ab und an gut gelingt. Vereinzelte Einstellungen, etwa wenn Pumpkinhead durch eine Haustür stürmt, ein leider etwas zu häufig wiederholter Shot, bei dem die Kamera unterhalb seines Kopfes befestigt ist und nach oben zeigt, während er durch den Wald rennt oder ein effektiver Einsatz von Stroboskoplicht während einer Attacke auf eine Gruppe Hühnerkämpfer (u.a. Kane Hodder!), deuten darauf hin, dass Burr zumindest ein gewisses Maß an Talent oder Kreativität besitzt.

Und so langweilig und peinlich der Großteil des Films auch ist,  die Szene, in der ein Mann mit dem Kopf voran in einen Hühnerkäfig geschleudert wird und von den Hühnern darin ins Gesicht gepickt wird, war einer der besten Lacher, die ich diese Woche hatte. (Und ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, „Cougar Town“ zu bingen!) Trotzdem: „Pumpkinhead 2“ muss man nicht nur nicht gesehen haben, man muss ihn so etwas von nicht gesehen haben. Es sei denn, man ist ein „Pumpkinhead“ Komplettist. Aber wer ist das schon?

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