poltergeistRemakes, AAAARGH! Sind sie nicht beschissen? Ich meine, jedes mal wenn ein Remake gedreht wird, bricht die Hollywoodpolizei in unsere Häuser ein und zerstört alle Kopien des Originals! Aber am schlimmsten sind ja diese verdammten Zeitmaschinen. Damit reisen sie in die Vergangenheit und ruinieren unsere Kindheit, damit sie auch ja klarstellen, dass die neue Version unseres Lieblingsfilms, von nun an die einzig wahre ist. Wer schaut sich denn heute noch „A Nightmare On Elm Street“ an, wenn alle Welt nur noch von dem Remake von vor ein paar Jahren spricht?! Gott, warum kann Hollywood nicht so sein, wie Theater? Da werden doch auch nicht ständig Neuinszenierungen von Klassikern aufgeführt. Könnt ihr euch vorstellen, wie irrelevant Shakespeare heute wäre, wenn die immer noch „Hamlet“ oder „Romeo und Julia“ spielen würden?

Aber im Ernst, ich habe nichts gegen Remakes. Um ehrlich zu sein, freue ich mich sogar jedes Mal darauf, eins zu sehen. Es interessiert mich immer brennend, wie sie versuchen, die bekannte Geschichte neu zu erzählen. Wird es einfach nur eine simple Kopie mit mehr Handys und iPads? Wird die Neuauflage komplett ihr eigenes Ding durchziehen? Wird es eine Mischung aus beidem werden? Werden die Mängel des Originals beseitigt werden? Und vor allem: Ist das Remake in der Lage, als eigenständiger Film zu existieren?

Das Remake von Steven Spielbergs Tobe Hoopers Steven Spielbergs Tobe Hoopers Steven Spielbergs und/oder Tobe Hoopers „Poltergeist“ ist ein klarer Fall von „teils, teils“. Die Geschichte ist eigentlich dieselbe. Ehepaar (Sam Rockwell und Rosemary DeWitt, also schon mal eine überraschend hochwertige Besetzung für ein Remake) mit drei Kindern zieht in ein neues Haus, merkwürdiger Scheiß geht ab, die jüngste Tochter nimmt über den Fernseher Kontakt mit Geistern auf, wird in eine andere Dimension entführt, ein Medium (Jared Harris als gender swapped Zelda Rubinstein) hilft und noch mehr merkwürdiger Scheiß geht ab. Wer also gehofft hat, dass die 2015er Version von „Poltergeist“ eine komplett neue Geschichte erzählen würde, wie es z.B. das unterbewertete „Robocop“ Remake tat, wird enttäuscht werden. Trotzdem ist das Ding noch immer eigenständig genug, um zu unterhalten.

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Echte Remakes brauchen natürlich Reality TV Stars mit Hashtags!

Ein ziemlich cleverer Aspekt ist zum Beispiel, dass man einige der ikonischsten Momente der 82er Version zwar kopiert, aber nicht 1:1 und vor allem früh genug, um sie schnell aus dem Weg zu räumen. Auch wenn die Clownpuppe einer der Stars des Marketings war, hat sie hier nicht nur weniger zu tun als damals, sie bekommt ihren großen Auftritt schon in der Mitte des Films, als Tag Team mit dem Baum. Und selbst der Baum schöpft hier plötzlich sein gesamtes Potenzial aus. Ja, ich bin ganz ehrlich: Die große Spukattacke um die 45 Minuten Marke herum, ist gleichwertig mit allem, was im Original vorkam. Vor allem eine brandneue Idee, die wohl auf etwas basiert, das jeder schon mal in einem Albtraum erlebt hat, wird hier sehr effektiv eingesetzt.

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Wo wir gerade bei „effektiv“ sind: Das Remake schien mir weniger effektlastig als das Original zu sein. Ja, ich weiß, die meisten Remakes existieren nur, weil jemand gedacht hat: „Hey, mit den Fortschritten, die die Spezialeffekttechnologie in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, können wir uns richtig austoben!“, aber die meisten Spannungs- und Gruselmomente sind hier ganz klassische „Things that go bump in the night“ oder Schatten und andere Dinge, die man nur ganz kurz sieht. Ja, diesmal sehen wir tatsächlich, wie es auf der „anderen Seite“ aussieht und es war bestimmt die teuerste Szene des ganzen Films. Allerdings ist selbst dieser Moment eher darauf bedacht, uns Dinge NICHT oder zumindest nur kurz sehen zu lassen. Ich bin niemand, der behauptet, dass „guter Horror nur im Kopf entsteht“ und dass „es immer gruseliger ist, Dinge nicht zu sehen“, aber es ist schon bemerkenswert, wie man sich hier selbst in den großen Momenten zurückhält. Das Original hatte Szenen mit Riesenskeletten, schwebenden Kinderzimmereinrichtungen, Menschen, die sich die Haut von den Knochen reißen und noch viel mehr. Und jedes mal hat die Kamera voll draufgehalten, um das Publikum mit Effektshots zu begeistern. (Ja, in den 80ern war man noch froh, wenn Filme einem die neueste Spezialeffekttechnologie um die Ohren schlugen, selbst wenn es trotzdem noch künstlich aussah!) Doch selbst eine Szene, die im Trailer als deutlich sichtbarer Moneyshot zu sehen war, spielt sich im fertigen Film als ein „Was zum…was habe ich da gerade gesehen? Das ging so schnell und war so weit weg!“-Moment ab. Schon alleine deshalb ist die schlechte Reputation des Remakes völlig ungerechtfertigt.

Poltergeist02Der gleichermaßen interessanteste, aber auch frustrierendste Aspekt des Films, ist ein genderpolitischer Unterton, den es in der Originalversion nicht gab. Eines der Themen hier, ist eindeutig „Wann ist ein Mann ein Mann im 21. Jahrhundert?“ Der Vater ist in dieser Version arbeitslos und schämt sich offensichtlich dafür, dass er seine Familie nicht versorgen kann und so vielleicht den Traum seiner Frau, zu Hause zu bleiben und einen Roman zu schreiben, aufs Spiel setzt. Sein Sohn hat wiederum Schuldgefühle, weil seine kleine Schwester ins Jenseits entführt wurde. Es war eindeutig nicht seine Schuld, aber sein Vater sagte ihm, dass er ein starkes Vorbild sein muss und seine Mutter bezeichnete ihn als Baby, als er versuchte, ihr von den unheimlichen Ereignissen zu erzählen. Als später die „Geisterjäger“ ins Haus kommen, hat der vorerst einzige männliche Mitarbeiter eine ziemlich schockierende Nahtoderfahrung, doch die behält er  für sich. Und als ihn seine (davon nichts wissende) Kollegin nur kurz darauf tadelt „das alles hier viel ernster zu nehmen“, nickt er nur stumm und geht an seine Arbeit, anstatt ihr zu erzählen, was ihm gerade passierte.  Es wurde oft kritisiert, dass die Mutter, die in der alten Version noch die Heldin war, hier nichts zu tun hat, aber stattdessen sollte man es begrüßen, dass ein moderner Studioblockbuster sich tatsächlich mit der modernen, männlichen Frustration auseinanderzusetzen versucht. Männer sollen heute keine starken Machos mehr sein, werden aber trotzdem verspottet, wenn sie „Gefühle zeigen“. Und wenn sie über ihre Probleme reden wollen, hört man ihnen nicht zu, weil es ja nicht so wichtig sein kann.

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Doch wie kurz vorher angemerkt, wird hier nur versucht, sich mit modernen Geschlechterrollen auseinanderzusetzen. Die Aussage, die am Ende zurückbleibt, ist ziemlich konfus. Auf der einen Seite will einem der Film sagen: „Hey, Scheiß doch auf altmodische Versorger- und Beschützerrollen. Du bist auch so ein guter Mann, Charlie Brown!“ Dann ist es aber klassisches Machotum, das am Ende den Tag rettet. Etwa durch die Drohne, die der Vater gekauft hat, um seinen Sohn glücklich zu machen, obwohl er das Geld für wichtigere Dinge brauchen würde. Oder weil der Sohn etwas verdammt Dummes tut, um seine Schwester zu retten. Oder weil das Chefmedium etwas noch viel Dümmeres tut, um die ganze Familie zu retten! Keine Ahnung, ob es da vielleicht irgendwelche nicht verwendeten Szenen oder frühere Drehbuchfassungen gibt, die das Ganze aufklären. Das Endresultat ist zumindest nett gemeint, aber irgendwie auch problematisch und wirr.

Poltergeist01Immerhin funktioniert „Poltergeist“ außerhalb dieses Subtextes ganz gut. Er fügt dem Spukhausgenre keine wirklich neuen Ideen hinzu, aber als kurzweiliger Popcornspuk, mit einigen gelungenen Spannungsmomenten, ist er durchaus sehenswert. Regisseur Gil Kenan („Monster House“) hat den Job eindeutig nicht nur des schnellen Geldes wegen gemacht und sein Kameramann Javier Aguierresarobre („The Others“, „The Road“) liefert stimmungsvolle Bilder ab, die das Ganze nochmal zusätzlich aufwerten. Wie sehr ihr den Film genießen werdet, hängt davon ab, wie antastbar das Original in euren Augen ist und ob ihr in der Lage seid, 90 Minuten vor dem Fernseher zu sitzen, ohne ständig genervt die alte Version in eurem Kopf mitlaufen zu lassen. Mir hat er gut gefallen und ich will nicht ausschließen, dass ich ihn genau so oft aus dem DVD Regal holen werde, wie seinen Vorgänger. (Also ein bis zwei mal innerhalb von zehn Jahren.)

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