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Alte Horrorfilme hatten schon immer die besten Poster.

Dann starten wir mal den #Horrorctober mit einem Episodenfilm aus der traditionsreichen Amicus Schmiede. In „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ („Dr. Terror’s House Of Horrors“), teilen sich fünf Männer (u. a. Christopher Lee und Donald Sutherland) ein Zugabteil. Kurz vor der Abfahrt steigt aber noch ein sechster Passagier ein. Er stellt sich als Dr. Schreck (Peter Cushing) vor und behauptet, mit Hilfe seiner Tarotkarten die Zukunft jedes Menschen vorhersagen zu können. Da es eine lange Zugfahrt ist und das Tarotkonzept in den 60er Jahren wohl für den Mainstream neu und aufregend war, probiert der erste Mann sein Glück.

Die Karten erzählen ihm, wie er bald einen Anruf aus seiner alten Heimat bekommen wird. Die Frau, die sein Familienanwesen gekauft hat, möchte den jungen Architekten wegen größerer Renovierungsarbeiten zurate ziehen. Als er bei genauerer Ansicht des Hauses hinter einer scheinbar frischen Gipswand im Keller einen uralten Sarg findet, wird er mit einem Familienfluch und dem dazugehörigen Werwolf konfrontiert.

Diese Geschichte kann man sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne als „routiniert“ bezeichnen. Sie bietet absolut nichts Neues, aber für jemanden wie mich, der klassische Gruselgeschichten um alte Gemäuer liebt, ist sie sehr unterhaltsam. Verschlossene Türen, grimmig dreinblickendes, zwielichtiges Dienstpersonal, sich langsam öffnende Särge, neblige Wälder, Wolfsgeheul, diese Geschichte hat alles, was man sich wünscht. Leider endet sie ziemlich übereilt. Gerade, wenn die Geschichte Schwung aufnimmt, ist sie schon wieder vorbei und lässt einige Fragen unbeantwortet.

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Echte Bewunderung

Obwohl die Tarotkarten dem ersten Freiwilligen keine schöne Zukunft vorausgesagt haben, probiert der Nächste sein Glück. In seiner Zukunft kehrt er mit Frau, Tochter und Hund aus dem Urlaub zurück und entdeckt ein merkwürdiges Unkraut, das an seinem Haus entlang wächst. Als er es entfernen will, scheint sich dieses aber stärker zu wehren, als es für Grünzeug normal ist. Die beiden Botaniker, die er um Hilfe bittet (u.a. Bernard Lee, der erste „M“ aus den klassischen „James Bond“ Filmen), können sich keinen Reim darauf machen. Doch es dauert nicht lange, bis die Pflanze ihr erstes Todesopfer fordert. Man muss dieser Geschichte zugutehalten, dass sie einen originellen Ansatz hat. Trotz Triffids und Audrey II, sind Killerpflanzen ein verhältnismäßig selten anzutreffendes Monster. Leider hat auch dieses Segment dasselbe Problem, wie sein Vorgänger. Gerade wenn es richtig spannend wird, ist es vorbei.

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Dass nach diesen beiden Geschichten sich überhaupt noch jemand traut, sich die Karten legen zu lassen, ist mehr als unwahrscheinlich, aber zum Glück ist Opfer Nr. 3 nicht gerade der Hellste. Bei ihm handelt es sich um einen Jazzmusiker, der mit seiner Band für einen Hotelgig auf die Antillen geschickt wird. Als er dort Zeuge eines Voodoorituals wird, beschließt er, die dort gespielte Melodie zu klauen. Trotz aller Warnungen, dass dies den Voodoogott erzürnen wird, spielt er seine Coverversion im heimatlichen Jazzclub und wird prompt dafür bestraft.

Diese Episode ist eindeutig die schwächste. Sie ist nicht nur die Einzige, die hauptsächlich für Lacher gespielt wird, es passiert auch nicht wirklich viel darin. Ein Großteil der Laufzeit wird auf Musikeinlagen verschwendet. Zugegeben, die Musik ist gut und einige der Gags funktionieren hervorragend (vor allem der, in dem unser Protagonist beim spionieren entdeckt wird), aber von einem ach so rachsüchtigen Voodoogott, habe ich mehr erwartet, als nur kurz „Buh!“ zu rufen, so wie es quasi hier geschieht.

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Wenn Christopher Lee und Michael Gough sich streiten, gewinnt der Zuschauer

In der vierten Episode kommt endlich Christopher Lee zum Zug. Nachdem er den Großteil des Films damit verbracht hat, Dr Schreck als Scharlatan und seine Mitreisenden als leichtgläubige Trottel zu verunglimpfen, erfahren wir, dass diese wenig sympathische Person ein gefürchteter Kunstkritiker ist. Den Karten zufolge wird er in der Öffentlichkeit von einem Maler (Michael Gough, den die Meisten heutzutage am ehesten als Alfred, aus den Burton/Schumacher „Batman“ Filmen kennen dürften) derart gedemütigt, dass sich sein Ego einfach nicht mehr von der Schmach erholen kann. Also beschließt er, ihn mit dem Auto zu überfahren. Doch der Mordversuch schlägt fehl, auch wenn das Opfer dabei seine Hand verliert, was natürlich seiner Karriere als Künstler ein Ende bereitet. Damit könnte für unseren Kritiker jetzt alles in Ordnung sein, wenn er nicht bald auf einen unerwarteten Gegner stoßen würde, der ihm das Leben zur Hölle macht.

Das ist eindeutig die beste Geschichte und ich wünschte mir, jemand hätte das Drehbuch gelesen und beschlossen, daraus einen kompletten Spielfilm zu machen. So ziemlich alles funktioniert daran, natürlich mit Ausnahme der kurzen Laufzeit. Aber es ist herrlich, Lee und Gough dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig auf verbale und non-verbale Art fertigmachen, während die Handlung überraschend viele Wendungen hat, um schließlich in einem schwarzhumorigen „Geschichten aus der Gruft“ Finale zu enden.

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Die letzte Episode ist leider wieder etwas schwächer. Darin spielt Donald Sutherland einen frisch verheirateten Arzt. Wie wir schnell lernen, ist seine Angetraute aber ein Vampir. Als der Doktor es kurz darauf mit einem Kind zu tun bekommt, das an Blutarmut leidet und zwei merkwürdige Male am Hals hat, kommt sein zu dem Fall hinzugezogener Kollege überraschend schnell zu dem Schluss, dass ein Vampir das Blag wohl angeknabbert hat.

Die Geschichte überzeugt hauptsächlich durch den „tickende Zeitbombe“ Faktor. Wir wissen, wer den Jungen jede Nacht besucht, aber die Frage ist, wann wird ihr Ehemann davon erfahren und wie wird er reagieren? Leider wird dieses Konzept erst in den allerletzten Momenten voll ausgeschöpft, aber dafür bekommen wir im Anschluss eine weitere herrlich böse Pointe. Als Bonus endet die Rahmenhandlung schließlich mit einem kurzen, aber gelungenen Spannungsmoment, der gerne noch weiter hätte gemolken werden dürfen, bevor der finale Twist irgendwie alles, was vorher kam, sinnlos macht. Trotzdem ist es ein gelungenes Ende, das zum augenzwinkernden Geisterbahnton des Films passt.

Wie so viele andere Episodenfilme, ist also auch „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ von wechselhafter Qualität. Das Hauptproblem des Films ist eindeutig seine Laufzeit, bzw. die Menge an Geschichten, die man dort hineinzuquetschen versucht. Fünf Geschichten plus Rahmenhandlung ist einfach zu viel für 90 Minuten. Das resultiert dann natürlich in den etwas plötzlichen Enden der jeweiligen Segmente und den stark unterentwickelten Handlungen. Schon eine Episode weniger, bevorzugt die dritte, hätte da geholfen.

dr terror001Aber trotzdem wurde ich gut unterhalten. Nicht nur, weil ich die klassischen, britischen Gruseler der 60er Jahre mit all ihren Stars liebe. Der Regisseur Freddie Francis, den man wohl am besten als zweifach oscarprämierten Kameramann kennt, der auch unter anderem Scorseses „Kap der Angst“ und Lynchs „Der Elefantenmensch“, „Dune“ und „The Straight Story“ in Szene setzte, weiß, wie man das Ding selbst in seinen schwächeren Momenten am Laufen hält. Wenn man dem Werk eines nicht vorwerfen kann, dann, dass es langweilig ist. Oder schlecht gefilmt. So einige Kamerafahrten und Farbspielereien erinnern an Mario Bava und wirken, vor allem für 1965, überraschend modern.

In meinen Augen ist „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ ein gelungener Auftakt für den diesjährigen #Horrorctober. Niemand, der älter ist als 8 Jahre, wird sich hier zwar ernsthaft gruseln, aber die Ansammlung makabrer Späße und klassischer Horrorklischees, unterhält wirklich gut.

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