seagalogyDas Buch, das ich hier kurz vorstellen möchte, ist schon ein paar Jährchen alt (Erscheinungsjahr: 2008), aber eines meiner Favoriten, obwohl es von jemandem handelt, der mich nicht interessiert. Die Rede ist natürlich von Steven Seagal, seines Zeichens Mitglied im Eliteclub der klassischen Helden, des US-amerikanischen 80er und 90er Jahre Actionkinos. (Auch, wenn er sich immer in der dritten Reihe aufhielt, aber immerhin hatte er damit einen besseren Platz als Norris und Dudikoff.) Ich habe hier schon öfter mein Fansein von (Outlaw) Vern (Kein Nachname) erwähnt, einem Kritiker, dessen Werke zwar voller Witz, aber auch frei von jeglichem „Lol, worst film ever!“ Zynismus sind, der seit dem Aufstieg des Web 2.0 die semi-professionelle und Amateurfilmkritik vergiftet hat. Vern nimmt, trotz aller Witze, seinen Bildungsauftrag als Kritiker aber ernst und so manche seiner Kritiken gehen tiefer in die Materie und sind vor allem dem jeweiligen Film gegenüber fairer, als bei dem, was so manch professioneller Kritiker verfasst.

Da überrascht es nicht, dass „Seagalogy“ mehr ist, als eine simple Aneinanderreihung von Bewertungen der Filme Seagals. Es ist schon fast eine Analyse von dessen Lebenswerk. Laut Vern ist Seagals Filmografie durchzogen von Themen und Markenzeichen, die man weder in dieser, noch einer anderen Form, bei anderen Actionhelden findet, was ihn schon mehr oder weniger zu einem Auteur macht. Oft scheinen sich dabei Fiktion und Realität (?) zu überschneiden. Und diese Dinge sind es, wegen denen es die Filme, zumindest in Verns Augen, wert sind, ein ganzes Buch darüber zu schreiben.

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Unterteilt sind sie dabei in die „goldene Ära“ seiner kernigen Anfangswerke (1988-1991), die „silberne Ära“, in der die Budgets so groß waren, wie bei Arnie, Sly und Co. (1992-1997), die „Übergangsperiode“, in der er zwischen Videomarkt und wenig erfolgreichen Kinofilmen schwankte (1998-2002), die „DTV Ära“, in der die Filme sowohl billiger, als auch oft bizarrer wurden (2003-2008) und die „Chief Seagal Ära“ (ab 2009), in der er plötzlich Reality Shows oder einen Vampirfilm drehte, den Schurken in „Machete“ spielte und seine eigene TV Serie bekam. Dabei listet er u.a. bei den einzelnen Filmen die erwähnten Themen und Markenzeichen auf, wie z.B. „broken glas“, „fight in bar“, „distinguished co-stars“ oder „adopted culture“.

seagalogyunpandexDas wirklich Bemerkenswerte an „Seagalogy“ ist aber tatsächlich, dass es Seagal cool macht. Oder zumindest interessant. Ich war nie wirklich ein Fan seiner Werke und um ehrlich zu sein, bin ich es immer noch nicht. Aber Verns komplett ironiefreier Ansatz, der auch vor negativer Kritik nicht zurückschreckt, wenn sie angebracht ist, lässt selbst den Nicht-Fan den Mann und seine Filme in neuem Licht sehen. Îch muss zugeben, ich suche immer noch nach dem Seagal Film, den ich so sehr liebe, wie Vern es tut, aber dank seines Buchs, akzeptiere ich sie als interessante Nischenprodukte einer einzigartigen Persönlichkeit.

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„Seagalogy“ ist bis jetzt noch nicht auf Deutsch erschienen, was aber angesichts des persönlichen Stils des Autors vielleicht besser ist. Es gibt zwei Versionen: Die Originalversion von 2008 und eine „updated and extended“ Version von 2012, die u.a. neben seinem letzten, großen Leinwandauftritt in „Machete“, auch ein paar Worte zu neueren DTV Filmen, sowie eine Übersicht über Seagals Reality Show „Lawman“ bietet, in der er als Polizist die Straßen von Louisiana patrouilliert. (Eine Aufgabe, die er übrigens schon seit über 20 Jahren hat!) Zudem kostet die Kindle Version z.Zt. nur 3,32€, also warum besitzt Ihr das Ding noch nicht?

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