thenightflier

(Spoiler)

Unsere heutige Reise in das bizarr-geniale Filmjahr 1997, werden wir keinesfalls mit dem Flugzeug antreten. Ich habe nämlich keinen Bock, von einem Vampir mit Pilotenschein angeknabbert zu werden. Ja, ganz recht, Ende des 20. Jahrhunderts flogen die Vampire nicht mehr in Fledermausform, sondern in ihren eigenen, kleinen Privatmaschinen. Zumindest dieser tat es. (Und es ist immer noch weniger bizarr als im Tageslicht zu glitzern.) „The Night Flier“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King und es ist eine von denen, dessen Plot völlig dämlich klingt und bei denen man sich fragt, warum zum Teufel man gerade diese Geschichte als Film adaptieren musste. Allerdings muss ich gestehen, dass der Film besser ist, als sein Ruf.

Arschlochdarsteller # 1 Miguel Ferrer („Robocop“, „NCIS: Los Angeles“, „Twin Peaks“) spielt darin den Schundblattreporter Richard Dees. Er ist einer von der Sorte, bei der man immer denkt, dass sie nur im Film existieren würden, bis man mal wieder einen Blick auf Bildblog wirft. Er schleicht sich nachts in Leichenhallen um tote Babys zu fotografieren und schändet Grabsteine, weil sie ihm nicht unheimlich genug für ein Foto aussehen. Als ihm sein Vorgesetzter eines Tages eine Geschichte über einen Serienkiller anbietet, der nachts auf abgelegenen Flughäfen zuschlägt, lehnt er zuerst ab. Doch als sich die junge Reporterin Katherine auf den Fall stürzt, ist Dees plötzlich doch Feuer und Flamme. So einfach lässt er sich eine potenzielle Titelstory nicht abluchsen.

Katherine wird übrigens von einer gewissen Julie Entwistle gespielt. Sie ist nicht schlecht, hat aber außer „The Night Flier“, nur eine namenlose Nebenrolle in „In & Out“ vorzuweisen.  Allerdings ist sie mit dem Regisseur, einem gewissen Mark Pavia, verheiratet. Pavia hatte nach diesem Film auch nichts mehr gedreht, auch wenn er einige „Thank You“ credits bekam. Dieses Jahr kam dann aber doch ein neuer Film von ihm. „Fender Bender“, der wirklich gute Kritiken bekommen hat und hier hoffentlich bald in irgendeiner Form veröffentlicht wird.

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Doch zurück zum „Night Flier“. Auf seiner Suche nach dem mysteriösen Serienkiller, bekommt der Reporter die eine oder andere sehr bizarre Geschichte zu hören. Es sind lauter kleine Merkwürdigkeiten, wie zum Beispiel ein Haufen wurmverseuchter Erde, der unter dem Flugzeug des Täters gesehen wurde oder auch, dass sich einige Opfer vor ihrem Ableben wie hypnotisiert aufgeführt haben sollen. Dann verfolgen ihn auch noch Albträume und andere bizarre Geschehnisse, wie unter anderem eine Begegnung, mit einem wirklich sehr beunruhigenden Hund. Und schon bald stellt sich heraus, dass der Killer kein Mensch ist.

Was mir an diesem Film wirklich gut gefällt, ist dessen Struktur. Es ist kein Horrorfilm im eigentlichen Sinne. Na ja, irgendwie schon. Aber es geht hier nicht um Monsterattacken, auch wenn es hier natürlich ein paar gibt. Hier geht es hauptsächlich um einen Reporter, der Recherchen betreibt. Er befragt Leute, sammelt Beweise und versucht herauszufinden, wo der Killer als nächstes zuschlägt. Und unser Antiheld tut dies auch nur, um…keine Ahnung. Vielleicht will er ihn interviewen oder einfach nur am Tatort sein und Fotos davon schießen, bevor die Polizei ihn absperrt und säubern lässt. Seine Beweggründe sind keinesfalls edel. Aber der Punkt ist: Dies ist im Herzen eine Detektivgeschichte mit übernatürlichem Touch. Wie „Lord Of Illusions“ oder der sträflich unterbewertete „Hellraiser: Inferno“.

Zudem bietet „The Night Flier“ einen erfrischenden Mix aus neuen Ideen und klassischen Vampirmythen. So ist das Flugzeug (neu) des Vampirs zum Beispiel mit Heimaterde gefüllt, in der er schläft (alt). Er hypnotisiert seine Opfer (alt), ist aber nicht einfach nur ein Mensch mit spitzen Eckzähnen (neu). Wie der „Night Flier“ aussieht, wird schon auf dem DVD Cover gespoilert, aber es muss erwähnt werden, dass er im Film viel besser rüberkommt. Die Enthüllung seines Gesichts ist ein gelungener Jump Scare und schon nach einem kurzen Moment vergisst man, dass wir es hier „nur“ mit einem Schauspieler in Make Up zu tun haben. Und auch wenn vieles über die Hintergründe des Vampirs am Ende im Dunkeln bleibt, gibt es genug Hinweise auf seine Vergangenheit und seine Vorliebe für Flugzeuge, mit denen clevere Zuschauer zumindest einige Lücken ausfüllen können.

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Was den Film aber wirklich von „etwas besser als solide“ zu „verdammt gut“ Status erhebt, ist das Finale. Ich will hier nichts spoilern. Obwohl ich es könnte, denn keine Beschreibung wird dem konstanten Strom an „HEILIGE SCHEISSE!!!“ gerecht werden, den die letzten Ca. 10 Minuten zu bieten haben. Aber sagen wir es mal so: Es fängt mit einem sehr beunruhigenden Geräusch in einem Funkgerät an und endet mit einem wunderbar schwarzhumorigen Ende. Dazwischen sehen wir unter anderem eine simple, aber unglaublich effektive Vision der Hölle und wie das nicht vorhandene Spiegelbild des Vampirs den Pissoir benutzt. (Ihr erinnert euch: Es war 1997. Da waren „unsichtbare“ pissende Vampire mit Privatflugzeug fast schon langweilig.)

Ich hoffe, dass der Film irgendwann mal auf einer vernünftigen DVD oder Blu-Ray veröffentlicht wird. Die aktuelle deutsche DVD bietet den Film nur in einem schrecklichen Open Matte 4:3 an, das unter anderem öfter mal Dinge zeigt, die der Zuschauer (noch) nicht sehen sollte.  Und dann hoffe ich, dass „The Night Flier“ endlich die Anerkennung bekommt, die er verdient.

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