Okay, als Erstes: Ja, mir ist klar, ich rede hier über einen Werbespot und werde dies auf positive Art und Weise tun. Und ich werde ihn auch in diesen Beitrag einbetten. Ich weiß, dass ich dadurch quasi zu einem unbezahlten Werbeträger für ein Produkt werde, das nicht unumstritten ist (Stichworte: „Zucker“ und „tatsächlicher Vitamingehalt“). Aber als mir dieser Spot unter die Augen kam, musste ich einfach lächeln und der Welt (also den drei oder vier Lesern des Plaudereckchens) davon erzählen. Und nein, ich werde wirklich nicht dafür bezahlt. (Falls mir aber irgendjemand Geld geben möchte, fragt nach meinem PayPal Link…)

Wie im Titel erwähnt, handelt es sich um einen Werbespot für „Capri Sonne“, jenem süß/fruchtigen Kindheitsfavoriten, der seit Jahrzehnten in unglaublich unpraktischen Verpackungen ausgeliefert wird (#Strohhalmeinstichpunkt) und dem die Ehre zuteilwurde, in einem Electric Six Song erwähnt zu werden. („Be My Dark Angel“ aus ihrem zweiten Album „Senor Smoke“.) In dem Spot geht es um ein junges Mädchen, dass offensichtlich ein großer Fan von Kryptons letzten lebenden Helden ist. Aber seht selbst.

Es ist auf dem ersten Blick kein besonders hervorstechender Spot. Er ist ziemlich bieder inszeniert, hat keine Gags oder Gimmicks und dient wirklich nur dazu, die Konsumenten jeder Altersschicht darauf hinzuweisen, dass es jetzt einen „Capri Sonne Superdrink“ gibt. Was ihn so super macht, wird nicht erwähnt. Vermutlich hat es aber mit den DC Comic Charakteren auf der Packung zu tun. Doch aus diesen zwei Gründen halte ich diese Werbung für bemerkenswert:

1.) Der Superheldenfan ist weiblich und es ist völlig egal!

Ich weiß nicht, ob hinter der Entscheidung, das Kind weiblich sein zu lassen, ein Gleichstellungszwang hinter den Kulissen oder einfach nur ein „Warum nicht?“ steckte, aber es ist cool, dass das Resultat so unverkrampft ist. Jeder intelligente Mensch weiß, dass auch die weibliche Art unserer Spezies auf Geekzeug steht. Meine ältere Schwester ist zum Beispiel eine Gamerin von Kindheitsbeinen an und hat immer genau so gerne mit meinen „Masters Of The Universe“ und „M.A.S.K.“ Actionfiguren gespielt, wie mit ihren „Regina Regenbogen“ Puppen. Verdammt, jeder, der schon mal auf einer Convention war, weiß, dass ein großer Besucheranteil weiblich ist! Und die meisten von ihnen sind nicht einfach nur da, weil sie von ihren Partnern dorthingeschleppt wurden oder Captain Kirk und Thor für sexy halten! Das „Geek Girl“ ist schon seit Jahrzehnten völlig normal! Trotzdem tut „der Mainstream“ immer noch oft so, als wären weibliche Geeks, Nerds, Comicbuch- und SciFantasy Fans eine seltene Abweichung von der Norm.

Der hier ist auch gut:  Marina Sirtis: Convention Queen

Und da ist es beachtlich, dass ausgerechnet dieser „Capri Sonne“ Werbespot ein junges Mädchen zeigt, das ihr Zimmer mit Superheldenpostern gepflastert hat und diese sogar so sehr liebt, dass sie in einem entsprechenden Kostüm zur Schule gehen will. ZUSAMMEN MIT IHRER FREUNDIN! Leute! Diese Reklame zeigt gleich zwei (2) Mädchen, die Superhelden über alles lieben! Und es wird als normal dargestellt! Es gibt keine Backstory darüber, dass die beiden „anders“ oder Außenseiter sind oder sich mehr für „Jungskram“ interessieren. Nein, sie tun es einfach. Und das bringt uns zum nächsten Punkt.

2.) Von den Eltern unterstützte Selbstentfaltung

Das Mädchen und ihre Freundin planen also, im „Supergirl“ Kostüm zur Schule zu gehen. Nichts deutet darauf hin, dass Karneval ist oder sonst irgendeine Sonderveranstaltung mit Kostümerlaubnis stattfindet. Sie tun es einfach. Und was macht der Vater unserer Protagonistin? Der unterstützt sie einfach dabei, solange ihre Noten darunter nicht leiden! Solche Eltern wünschen wir uns doch alle. Die Sorte, die nicht gleich ausflippt, wenn man sich die Haare grün färbt oder exzentrisch anzieht. Das ist Progressivität auf „Star Trek“ Level! Nein, sogar über dem „Star Trek“ Level!

Der hier ist auch gut:  Konformisten Trek: Angriff der Spießer

Okay, zugegeben, vermutlich werden die beiden kleinen Mädchen in der Schule ausgelacht und gehänselt werden und vielleicht bekommt der Vater auch einen Anruf vom Direktor, in dem seine elterlichen Fähigkeiten in Frage gestellt und er mit Adam Sandler in „Big Daddy“ verglichen wird. Aber was nach Ende des Spots passiert, ist Fanfiction.  Was hingegen IM Spot passiert, zeigt einige wichtige Lebenslektionen für große und kleine Menschen:

Sei du selbst! Let your Freak Flag fly! Superhelden sind cool, völlig egal, ob du ein Junge oder Mädchen bist! Akzeptiere deine Kinder wie sie sind! Unterstütze sie bei ihrer Entfaltung!

Ja, vielleicht interpretiere ich da zuviel in dieses 30 Sekunden lange Verkaufsfilmchen hinein. Vielleicht aber auch nicht. Ich bezweifle, dass irgendein Kind diese Werbung sieht und inspiriert wird, sein ganzes Leben zu ändern, so wie es vielen von uns bei Ansicht von gewissen Filmen und Serien ging. Aber können wir uns nicht mal für ein paar Sekunden daran erfreuen, dass es einen Werbespot, einen gottverdammten Werbespot (!!!) gibt, der Facetten und Ideale unserer Nerd und Geek Kultur besser einfängt, als es die meisten Filme und Serien tun? Wenn ich Kinder hätte, wäre es mir lieber, wenn sie sich diese Reklame ansehen, als „The Big Bang Theory“!

Facebooktwittergoogle_plusredditpinteresttumblr