Braucht die Welt MST3K in 2K16?

Um diese rhetorische Frage gleich zu beantworten: Wen kümmerts? Wenn nur die Filme und Serien produziert werden würden, die wir wirklich „brauchen“, wäre die Film- und Fernsehindustrie komplett nonexistent und wir wären um Abertausende Stunden guter Unterhaltung und interessanter Geschichten ärmer.

1996-mystery-science-theater-3000-the-movie-poster1Aber fangen wir mal von vorne an. In unseren Gefilden ist „Mystery Science Theatre 3000“, oder kurz: MST3K, recht obskur. In den USA lief die Serie, in denen sich ein depperter Astronaut zusammen mit zwei Robotern Woche für Woche als Teil eines Experiments über schlechte Filme lustig macht, über 10 Jahre, ist eine der ganz großen Kultsensationen und wurde mit Kritikerlob überschüttet und sogar mit  Preisen wie dem „Peabody Award“, fürr inhaltlich besonders hochwertige Produktionen, honoriert. Nach Deutschland schaffte es Ende der 90er nur der Kinofilm als Videopremiere. Für dessen Eindeutschung zeichnete sich übrigens „SchleFaZ“ Macher und Medienlästermaul Oliver Kalkofe verantwortlich.

Letztes Jahr starteten einige der MST3K Macher eine, natürlich überaus erfolgreiche, Kickstarter Kampagne, um neue Folgen zu produzieren. Und vor ein paar Tagen wurde bekannt gegeben, dass diese Folgen auf Netflix laufen werden, was wohl auch bedeutet, dass die ganze Welt sie sehen wird. Schließlich funktioniert das bei Netflix so. Die Frage, die ich mir aber persönlich stelle, ist, ob diese neue Staffel tatsächlich die Chance hat, auch nur ansatzweise ein ähnliches Phänomen zu werden, wie der Originallauf.

„Dem Konzept des „Riffings“ bin ich irgendwie entwachsen.“

Für mich persönlich, hat die Reihe schon lange nicht mehr wirklich denselben Stellenwert wie früher. Ich habe mir letztens den Kinofilm noch mal angesehen und immer noch viel dabei gelacht, aber dem Konzept des „Riffings“, also des sich lauthals über Filme lustigmachens, bin ich irgendwie entwachsen. Ich liebe Filme einfach zu sehr. Jetzt versteht mich bitte nicht falsch. Es ist nicht so, dass ich bei einem Feuerwerk der Inkompetenz und unfreiwilligen Komik, wie z.B. „Troll 2“, nur dasitze und mit glitzernden Augen „Kinomagie“ flüstere. Und gerade wenn ich mir mit anderen Menschen, die genau auf meiner Wellenlänge liegen, irgendwelche dummen Filme ansehe, fliegen die mal mehr, mal weniger witzigen Sprüche nur so durch die Gegend. Aber ich schaue mir keine Filme mehr an, nur um mich über sie lustig zu machen. Das habe ich als Teenager getan, aber heute will ich Filme mögen. Das klappt nicht immer, aber man hat mir schon oft vorgeworfen viel zu tolerant Mist gegenüber zu sein, nur weil ich schon so manchen, rasenden Internetnerds zufolge, „Worst Film Ever“, als „nicht schlecht“ oder „eigentlich sogar wirklich gut“ empfand. Und ich muss auch zugeben, so viel Spaß mir MST3K immer wieder gemacht hat, zu oft waren die Witze eher von der „Ha ha, die hatten kein Budget für gute Effekte“ Sorte, was ich immer als etwas unfair und gemein empfinde. Allerdings, wie der Erfolg von „SchleFaZ“, „Sharknado“ und diversen „Alles Mist“ YouTubern zeigt, stehe ich mit dieser positiven Einstellung mehr oder weniger alleine da.

„Jeder zehnjährige Möchtegernkomiker kann sich heute in der virtuellen Öffentlichkeit über Filme lustig machen.“

Machen wir uns nichts vor: „Riffing“, die zynische Freude an schlechten Filmen und das noch viel zynischere Herunterbuttern von guten Filmen, sind Mainstream. Darum ist die Frage, ob die neue MST3K Staffel überhaupt von jemandem gesehen wird, eher müßig. Natürlich wird sie das! Nur an dem bleibenden Eindruck wird es hapern. Seit dem Ende der Reihe im Jahre 1999 hat sich vieles geändert. Hauptsächlich die Entstehung des „Web 2.0“. Jeder zehnjährige Möchtegernkomiker kann sich heute in der virtuellen Öffentlichkeit über Filme lustig machen. Und die Qualität ist dabei scheißegal. Denkt mal an die Dumpfbacken von „Cinema Sins“, deren Videos hauptsächlich daraus bestehen, Mängel und Fehler, die oft gar keine sind, in erfolgreichen Filmen aufzuzählen. Oder die aus irgendwelchen, nicht nachzuvollziehenden Gründen, für den Emmy nominierten „Honest Trailer“, die viel zu viel „Humor“ daraus beziehen, den jeweiligen Schauspielern kindische Spitznamen aufgrund ihres Aussehens zu geben. Erwähnt werden sollten natürlich auch „RiffTrax“ und „Cinematic Titanic“, beides Projekte von ehemaligen MST3K Machern, die die Riffing Tradition mit entweder downloadbaren Audiokommentaren oder Live Shows aufrechterhalten. Und dann gibt es ja auf dem deutschen Markt auch noch die schon mehrfach genannten „SchleFaZ“ auf Tele 5. Nicht zu vergessen, dass „Sharknado“ eigentlich nur durch „Live Tweeting“ zu dem Phänomen wurde, dass es heute ist, was uns wieder zum „Jeder kann mitmachen“ bringt.

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sharknado_two_the_second_oneApropos „Sharknado“. Eine weitere Sache, die es früher wohl nicht gab, ist, dass es nun tatsächlich Produktionsfirmen gibt, die absichtlich schlechte Filme drehen. „The Asylum“ ist da der Spitzenreiter. Ja, schon früher gab es diverse Trashschmieden, bei denen ein Großteil des Outputs einfach nur schlecht, schlecht und schlecht war. „Full Moon“ fällt mir da z.B. ein. Oder auch der Name Roger Corman.  Doch selbst bei deren trashigsten Werken handelte es sich wohl eher um „Unfälle“. Egal wie schlecht sie waren, die Verantwortlichen haben bestimmt zumindest versucht etwas Sehenswertes zu erschaffen. Und immerhin haben sie ja im Laufe der Jahrzehnte tatsächlich so einige echte Highlights und Klassiker auf die Leinwände und Fernsehbildschirme gebracht. Aber leider folgen auch sie heute dem „Asylum“ Modell der „so bad it’s good“ Philosophie.  Ich habe keine Ahnung, worin der Reiz liegt, sich über Filme lustig zu machen, die schon als Musterbeispiel an Inkompetenz konzipiert wurden. Ich weiß noch nicht mal worin der Reiz liegt, sich diese Filme anzusehen. Niemand sollte mit Absicht minderwertige Arbeit abliefern und wir sollten diejenigen, die dies tun, auch nicht dafür belohnen. Aber scheinbar läuft dieses Konzept ganz gut.

„Niemand sollte mit Absicht minderwertige Arbeit abliefern und wir sollten diejenigen, die dies tun, auch nicht dafür belohnen.“

Trotz haufenweise Konkurrenz und absichtlich minderwertigen Filmen, hat MST3K trotzdem noch den Vorteil die Show zu sein, mit der alles anfing. Aber reicht das wirklich? Können die neuen Folgen wirklich in irgendeiner Form, abgesehen vom prestigeträchtigen Namen herausstechen? Am Ende wird es doch eigentlich auch nur eine weitere Variante von „Ein paar Typen reißen Witze über schlechte Filme“ sein. Eventuell werden die Witze cleverer sein, als in den meisten anderen Fällen, vielleicht aber auch nicht. Aber was bringt es, sich darüber im Vorfeld Gedanken zu machen? Bestenfalls bekommen wir ein paar grandiose, neue Stunden einer einflussreichen, wenn auch oft überbewerteten Show. Schlimmstenfalls ist es nur eine Fußnote, an die sich höchstens echte Fans erinnern werden.

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Also, sorry dass ich Eure Zeit mit diesem Artikel verschwendet habe. Immerhin ging für mich mehr Zeit mit schreiben drauf, als für Euch mit lesen.

 

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