star_trek_beyond_ver2_xlg2009 war die Welt noch in Ordnung. JJ Abrams legte einen Reboot* vor, den der Franchise dringend brauchte. Clever vermischte er Altes und Neues, passte es an moderne Sehgewohnheiten an ohne die Charaktere zu vernachlässigen und revitalisierte die Reihe auf eine Art und Weise, die sie sogar unter “normalen” Kinogängern cool erscheinen ließ. Und ihr braucht es nicht zu verneinen! Ihr wart auch hin und weg. Die Fortsetzung “Into Darkness” hatte dann aber so einige Probleme. Zu einem großen Teil gehört der Film zu den besten der Reihe. Es ist ein spannender “Trust no one” Thriller, der in bester “Star Trek” Tradition, Ereignisse aus unserer Welt in einen Science Fiction Abenteuer Kontext verpflanzt. Dummerweise hielten sich die Macher nicht an ihr eigenes Konzept, neue Geschichten mit den “alten” Charakteren zu erzählen und brachten nicht nur unnötigerweise Khan zurück, sondern verfilmten auch die bekannteste Szene aus “Der Zorn des Khan” ganz schlecht neu.  Hashtag: missverstandener Fanservice. Insgesamt war der letzte Akt von “Into Darkness” nicht wirklich gut, aber dass die Fans so derart überreagieren würden und retroaktiv das komplette Abramsverse (oder auch die “Kelvin Timeline”) zu absoluten Trash deklarieren, war selbst in unserer “Möööh, alles Scheisse!” Zeit des ultranegativen Fanseins schwer vorherzusehen.

*Im tatsächlichen Sinne des Ausdrucks. Heute benutzen alle “Reboot” als neues Wort für “Remake”, wenn es doch eigentlich ein Remake mit Fortsetzungselementen, bzw eine Fortsetzung mit Remakeelementen ist. Wie “Casino Royale” (Bonds erster Einsatz, obwohl M von Judi Dench gespielt wird) oder auch “Terminator: Genisys” (Fortsetzung, die die Timeline neu abmischt und eine völlig neue Handlung erschafft.).

Aber nun sind wir bei Teil drei der neuen Filmreihe. Die Erwartungen der Fans waren natürlich nicht wirklich hoch, weil sie ja alle ohnehin nur noch hassen können, der Trailer zu viele Explosionen hatte und mit Justin Lin ein echter Actionfilmregisseur auf dem Regiestuhl saß**. Und zu diesem Zeitpunkt ist es eigentlich völlig egal, ob “Beyond” gut ist oder nicht, doch wisst ihr was? Er ist…ganz okay. Und er startet mit der “Galaxy Quest”-igsten Szene, die ihr jemals in “Star Trek” gesehen habt. Das sorgt schon mal für gute Laune. Ebenfalls eine gute Idee, ist der ernüchternde Moment, der danach folgt. Darin sehen wir erstmals, dass es für die Crew kein Zuckerschlecken ist, jahrelang, weit weg von zuhause durchs All zu schippern. Selbst bei “Voyager” schien dieser Aspekt oft unter den Teppich gekehrt worden zu sein. Und diese Crew war WIRKLICH weit weg von zuhause!

**Es sollte allerdings auch erwähnt werden, dass die “Fast & Furious” Reihe unter Lins Regie so einige Eigenschaften bekam, die die Fans an “Star Trek” schätzen. Sprich: Es geht um eine diverse Gruppe von Menschen, die sich nicht nur als Freunde, sondern als Familie sehen und sich aus unmöglichen Situation, mit Hilfe ihrer Intelligenz und der ihnen zu Verfügung stehenden Technologie befreien.

Was sonst passiert, habt ihr ja im Trailer gesehen. Die Enterprise wird angegriffen, zerstört, die Crew strandet auf einem Planeten und wird von einem Schurken gefangengehalten, der scheinbar einen Groll gegen die Föderation hegt. Ich gehe mal davon aus, dass der große Angriff auf das Raumschiff hervorragend inszeniert wurde, aber leider war bei meiner Vorstellung, wie so oft bei 3D Projektionen, die Leinwand so dunkel, dass ich kaum etwas erkennen konnte. Ihr wisst ja, wie dunkel die Gänge der Sternenflottenschiffe werden können, wenn roter Alarm herrscht und nur noch die Notbeleuchtung (oder gar keine Beleuchtung) funktioniert. So war dieser erste, große Actionmoment mehr oder weniger ein Hörspiel für mich. Gleiches gilt für die nächste Actionszene, die ebenfalls in Dunkelheit spielte. FAZIT: Vermeidet 3D Vorstellungen. Das solltet ihr sowieso tun, aber ich wette, in 2D und später im Heimkino, wird man hier viel mehr erkennen. Die Szenen, die in gut beleuchteten Räumen oder sogar in Tageslicht spielen, sehen aber gut aus. Und ich rede hier nicht nur von Actionszenen. Justin Lin vermeidet hier einige der nervigsten visuellen Ideen seines Vorgängers. Sprich: Keine wackelige Handkamera und keine ständigen Lichtreflexionen auf der Brücke mehr.

„Keine wackelige Handkamera und keine ständigen Lichtreflexionen auf der Brücke mehr.“

Inhaltlich fühlt sich “Beyond” wie ein klassischer “Star Trek” Film an. Das ist aber nicht unbedingt nur gut. Er hat ein ähnliches Feeling wie “Auf der Suche nach Mr Spock”. Nicht nur, weil die Crew sehr viel Zeit irgendwo auf einem Naturplaneten verbringt und dabei von einem eigentlich Furcht einflößenden Gegner bedroht wird, der aber überraschend wenig macht. Ohnehin ist Krall ein nicht ganz unproblematischer Charakter. Spätestens im letzten Akt wird klar, dass man Idris Elba nicht nur engagiert hat, weil er als “Special Guest Villain” einen gewissen Bonus beim Marketing darstellt. Selbst unter dem dicken Make Up zeigt er, was für ein hervorragender Schauspieler er ist. Leider machen sie für lange Zeit ein Geheimnis um Kralls Motivation, und wenn wir endlich lernen, was der Mann für ein Problem hat, ist es ziemlich klischeehaft und (in Ermangelung eines besseren Wortes) “bla”. Hinzu kommt, dass er eine besondere Fähigkeit hat, die nie wirklich erklärt wird. Eigentlich wird gar nichts über ihn wirklich erklärt. (Leichter Spoiler) Irgendwann ist er durchgedreht und ab dann war er böse. Punkt. Da fehlt mir doch die Tragik eines Nero oder das “Er hat nicht ganz unrecht, aber seine Methoden sind komplett falsch” von Khan und Admiral Marcus.

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star_trek_beyondEin weiterer großer Neuzugang mit ähnlichen Problemen, ist Jaylah, gespielt von Soufia Boutella aus “Kingsmen”. Ihre Geschichte ist eine tragische, aber keine, die man nicht schon vorher irgendwo gehört hat und im Großen und Ganzen ist sie ein ziemlich eindimensionaler Charakter. Zudem auch noch einer von der Sorte, die fremde (also für uns normale) Namen leicht missversteht und Personen für den Rest des Filmes so anredet. Ebenfalls dabei ist übrigens Joe Taslim. Ich bin mir nicht sicher wen er gespielt hat, aber wenn er der war, von dem ich glaube, dass er es war, wurde er hier besser verwendet, als seine “The Raid” Co-Stars im letzten “Star Wars” Film. Immerhin durfte er sich hier einen Kampf mit Jaylah liefern. Dieser besteht zwar nur aus normalem schlagen, kicken und springen, also nichts, was ein normaler, kampferprobter Stuntman nicht auch hinkriegen würde, aber Taslim steht nicht einfach nur im Hintergrund herum. (WENN ich seine Rolle richtig geraten habe.)

„Irgendwie vermisse ich die Themen, die den letzten beiden Teilen die extra Würze gaben.“

Simon Pegg, der diesmal, zusammen mit “Banshee” Autor Doug Jung, das Drehbuch schrieb, legt hier keine seiner besten Arbeiten vor. Die Handlung von “Beyond” bewegt sich, abgesehen natürlich von den modernen Actionszenen, im Tempo einer klassischen Fernsehepisode. Eigentlich könnte man den Film sogar ganz gut auf 2 x 45 Minuten zurechtstutzen. Gerade in der ersten Hälfte passiert nicht viel Relevantes und irgendwie vermisse ich auch die Themen, die den letzten beiden Teilen die extra Würze gaben. Ich meine, es ist gut, dass wir jetzt an dem Punkt angelangt sind, an dem Kirk und Co nicht mehr nur “die jungen Kirk und Co” sind und schon mehr oder weniger Routine in ihrem Job haben, aber verglichen mit dem “Feinde überwinden ihre Differenzen und werden beste Freunde” von Teil 1(bzw Teil 11) oder dem “Kirk muss lernen, ein guter Anführer zu sein und die Konsequenzen seines Handelns abzuschätzen” von Teil 2 (oder 12), ist “Beyond” schon Magerkost. In bester Hollywoodtradition sind alle Zweifel und jede Form von Stress, die sich am Anfang abzeichneten, wie weggeblasen, einfach nur, weil unsere Helden ein eigentlich traumatisches Erlebnis hinter sich haben. Zu Anfang hat Kirk keinen Bock mehr auf eine jahrelange Forschungsmission im Nirgendwo, am Ende ist er eher so: “Das war geil, machen wir das nochmal!” Wie bei einem klassischen Katastrophenfilm, in dem eine entfremdete Familie ein Erdbeben/Vulkanausbruch/Flugzeugabsturz etc überlebt und sich am Ende wieder lieb hat. Das ist zu einfach und zu glatt.

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Und ebenfalls im Gegensatz zu den letzten beiden Teilen, in denen jeder Charakter mindestens eine Chance bekam, um im Rampenlicht zu stehen, machen die meisten unserer Helden diesmal kaum etwas. Kirk geht von Jammerlappen auf heroischer Anführer in weniger als fünf Sekunden, Spock verbringt den Großteil des Filmes damit, allen zu versichern, dass seine Verletzung nicht so schlimm ist, Scotty unterhält sich mit Jaylah, McCoy grummelt, Uhura bekommt ein oder zwei halbgare “starke Frau” Szenen und Chekov und Sulu sind einfach nur da. Es wurde zwar groß angekündigt, dass Sulu in diesem Film schwul ist aber um ehrlich zu sein, war die Ankündigung dringend nötig. Im Film sieht man davon nicht viel. So, wie er seinen Partner im Film behandelt, könnte er auch sein Bruder oder ein guter Freund sein. Sie küssen sich nicht, es fallen keine Liebesschwüre, es gibt nur eine herzliche Umarmung und Sulu legt auf ziemlich freundschaftlich wirkende Art und Weise den Arm um die Schulter seines…Ehemannes? Festen Freundes? Verlobten? Schade um die verschenkte Chance.

„Ein unterhaltsamer Science Fiction Abenteuerfilm voller Humor.“

Ich will hier aber nicht zu sehr auf dem Film herumhacken. Er ist gut! Wirklich! Vielleicht etwas zu routiniert und ausserdem fehlt ihm jede Form von Subtext oder gesellschaftlicher Relevanz, aber er ist ein unterhaltsamer Science Fiction Abenteuerfilm voller Humor und den schon bekannten, liebenswerten Charakteren. Und ich liebe es, wie sehr die Macher uns hier Kirks Liebe für die Beastie Boys unter die Nase reiben! (Diesmal gibt es sogar noch einen Public Enemy Bonus!)  Er hat genug Spektakel um das Popcornpublikum zu befriedigen, aber genug Nicht-Spektakel, um wiederum die selbst ernannten “echten Fans” zufriedenzustellen.  Selbst der reaktionärste und negativste Trekkie wird “Beyond” garantiert nicht zum “Worst film ever” erklären, aber ich wette, auf vielen Bestenlisten wird er auch nicht zu finden sein. Wie gesagt, eben wie “Auf der Suche nach Mr Spock”.

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