Filmkritik: Star Trek Beyond

star_trek_beyond_ver2_xlg2009 war die Welt noch in Ordnung. JJ Abrams legte einen Reboot* vor, den der Franchise dringend brauchte. Clever vermischte er Altes und Neues, passte es an moderne Sehgewohnheiten an ohne die Charaktere zu vernachlässigen und revitalisierte die Reihe auf eine Art und Weise, die sie sogar unter “normalen” Kinogängern cool erscheinen ließ. Und ihr braucht es nicht zu verneinen! Ihr wart auch hin und weg. Die Fortsetzung “Into Darkness” hatte dann aber so einige Probleme. Zu einem großen Teil gehört der Film zu den besten der Reihe. Es ist ein spannender “Trust no one” Thriller, der in bester “Star Trek” Tradition, Ereignisse aus unserer Welt in einen Science Fiction Abenteuer Kontext verpflanzt. Dummerweise hielten sich die Macher nicht an ihr eigenes Konzept, neue Geschichten mit den “alten” Charakteren zu erzählen und brachten nicht nur unnötigerweise Khan zurück, sondern verfilmten auch die bekannteste Szene aus “Der Zorn des Khan” ganz schlecht neu.  Hashtag: missverstandener Fanservice. Insgesamt war der letzte Akt von “Into Darkness” nicht wirklich gut, aber dass die Fans so derart überreagieren würden und retroaktiv das komplette Abramsverse (oder auch die “Kelvin Timeline”) zu absoluten Trash deklarieren, war selbst in unserer “Möööh, alles Scheisse!” Zeit des ultranegativen Fanseins schwer vorherzusehen.

*Im tatsächlichen Sinne des Ausdrucks. Heute benutzen alle “Reboot” als neues Wort für “Remake”, wenn es doch eigentlich ein Remake mit Fortsetzungselementen, bzw eine Fortsetzung mit Remakeelementen ist. Wie “Casino Royale” (Bonds erster Einsatz, obwohl M von Judi Dench gespielt wird) oder auch “Terminator: Genisys” (Fortsetzung, die die Timeline neu abmischt und eine völlig neue Handlung erschafft.).

Aber nun sind wir bei Teil drei der neuen Filmreihe. Die Erwartungen der Fans waren natürlich nicht wirklich hoch, weil sie ja alle ohnehin nur noch hassen können, der Trailer zu viele Explosionen hatte und mit Justin Lin ein echter Actionfilmregisseur auf dem Regiestuhl saß**. Und zu diesem Zeitpunkt ist es eigentlich völlig egal, ob “Beyond” gut ist oder nicht, doch wisst ihr was? Er ist…ganz okay. Und er startet mit der “Galaxy Quest”-igsten Szene, die ihr jemals in “Star Trek” gesehen habt. Das sorgt schon mal für gute Laune. Ebenfalls eine gute Idee, ist der ernüchternde Moment, der danach folgt. Darin sehen wir erstmals, dass es für die Crew kein Zuckerschlecken ist, jahrelang, weit weg von zuhause durchs All zu schippern. Selbst bei “Voyager” schien dieser Aspekt oft unter den Teppich gekehrt worden zu sein. Und diese Crew war WIRKLICH weit weg von zuhause!

**Es sollte allerdings auch erwähnt werden, dass die “Fast & Furious” Reihe unter Lins Regie so einige Eigenschaften bekam, die die Fans an “Star Trek” schätzen. Sprich: Es geht um eine diverse Gruppe von Menschen, die sich nicht nur als Freunde, sondern als Familie sehen und sich aus unmöglichen Situation, mit Hilfe ihrer Intelligenz und der ihnen zu Verfügung stehenden Technologie befreien.

Was sonst passiert, habt ihr ja im Trailer gesehen. Die Enterprise wird angegriffen, zerstört, die Crew strandet auf einem Planeten und wird von einem Schurken gefangengehalten, der scheinbar einen Groll gegen die Föderation hegt. Ich gehe mal davon aus, dass der große Angriff auf das Raumschiff hervorragend inszeniert wurde, aber leider war bei meiner Vorstellung, wie so oft bei 3D Projektionen, die Leinwand so dunkel, dass ich kaum etwas erkennen konnte. Ihr wisst ja, wie dunkel die Gänge der Sternenflottenschiffe werden können, wenn roter Alarm herrscht und nur noch die Notbeleuchtung (oder gar keine Beleuchtung) funktioniert. So war dieser erste, große Actionmoment mehr oder weniger ein Hörspiel für mich. Gleiches gilt für die nächste Actionszene, die ebenfalls in Dunkelheit spielte. FAZIT: Vermeidet 3D Vorstellungen. Das solltet ihr sowieso tun, aber ich wette, in 2D und später im Heimkino, wird man hier viel mehr erkennen. Die Szenen, die in gut beleuchteten Räumen oder sogar in Tageslicht spielen, sehen aber gut aus. Und ich rede hier nicht nur von Actionszenen. Justin Lin vermeidet hier einige der nervigsten visuellen Ideen seines Vorgängers. Sprich: Keine wackelige Handkamera und keine ständigen Lichtreflexionen auf der Brücke mehr.

„Keine wackelige Handkamera und keine ständigen Lichtreflexionen auf der Brücke mehr.“

Inhaltlich fühlt sich “Beyond” wie ein klassischer “Star Trek” Film an. Das ist aber nicht unbedingt nur gut. Er hat ein ähnliches Feeling wie “Auf der Suche nach Mr Spock”. Nicht nur, weil die Crew sehr viel Zeit irgendwo auf einem Naturplaneten verbringt und dabei von einem eigentlich Furcht einflößenden Gegner bedroht wird, der aber überraschend wenig macht. Ohnehin ist Krall ein nicht ganz unproblematischer Charakter. Spätestens im letzten Akt wird klar, dass man Idris Elba nicht nur engagiert hat, weil er als “Special Guest Villain” einen gewissen Bonus beim Marketing darstellt. Selbst unter dem dicken Make Up zeigt er, was für ein hervorragender Schauspieler er ist. Leider machen sie für lange Zeit ein Geheimnis um Kralls Motivation, und wenn wir endlich lernen, was der Mann für ein Problem hat, ist es ziemlich klischeehaft und (in Ermangelung eines besseren Wortes) “bla”. Hinzu kommt, dass er eine besondere Fähigkeit hat, die nie wirklich erklärt wird. Eigentlich wird gar nichts über ihn wirklich erklärt. (Leichter Spoiler) Irgendwann ist er durchgedreht und ab dann war er böse. Punkt. Da fehlt mir doch die Tragik eines Nero oder das “Er hat nicht ganz unrecht, aber seine Methoden sind komplett falsch” von Khan und Admiral Marcus.

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star_trek_beyondEin weiterer großer Neuzugang mit ähnlichen Problemen, ist Jaylah, gespielt von Soufia Boutella aus “Kingsmen”. Ihre Geschichte ist eine tragische, aber keine, die man nicht schon vorher irgendwo gehört hat und im Großen und Ganzen ist sie ein ziemlich eindimensionaler Charakter. Zudem auch noch einer von der Sorte, die fremde (also für uns normale) Namen leicht missversteht und Personen für den Rest des Filmes so anredet. Ebenfalls dabei ist übrigens Joe Taslim. Ich bin mir nicht sicher wen er gespielt hat, aber wenn er der war, von dem ich glaube, dass er es war, wurde er hier besser verwendet, als seine “The Raid” Co-Stars im letzten “Star Wars” Film. Immerhin durfte er sich hier einen Kampf mit Jaylah liefern. Dieser besteht zwar nur aus normalem schlagen, kicken und springen, also nichts, was ein normaler, kampferprobter Stuntman nicht auch hinkriegen würde, aber Taslim steht nicht einfach nur im Hintergrund herum. (WENN ich seine Rolle richtig geraten habe.)

„Irgendwie vermisse ich die Themen, die den letzten beiden Teilen die extra Würze gaben.“

Simon Pegg, der diesmal, zusammen mit “Banshee” Autor Doug Jung, das Drehbuch schrieb, legt hier keine seiner besten Arbeiten vor. Die Handlung von “Beyond” bewegt sich, abgesehen natürlich von den modernen Actionszenen, im Tempo einer klassischen Fernsehepisode. Eigentlich könnte man den Film sogar ganz gut auf 2 x 45 Minuten zurechtstutzen. Gerade in der ersten Hälfte passiert nicht viel Relevantes und irgendwie vermisse ich auch die Themen, die den letzten beiden Teilen die extra Würze gaben. Ich meine, es ist gut, dass wir jetzt an dem Punkt angelangt sind, an dem Kirk und Co nicht mehr nur “die jungen Kirk und Co” sind und schon mehr oder weniger Routine in ihrem Job haben, aber verglichen mit dem “Feinde überwinden ihre Differenzen und werden beste Freunde” von Teil 1(bzw Teil 11) oder dem “Kirk muss lernen, ein guter Anführer zu sein und die Konsequenzen seines Handelns abzuschätzen” von Teil 2 (oder 12), ist “Beyond” schon Magerkost. In bester Hollywoodtradition sind alle Zweifel und jede Form von Stress, die sich am Anfang abzeichneten, wie weggeblasen, einfach nur, weil unsere Helden ein eigentlich traumatisches Erlebnis hinter sich haben. Zu Anfang hat Kirk keinen Bock mehr auf eine jahrelange Forschungsmission im Nirgendwo, am Ende ist er eher so: “Das war geil, machen wir das nochmal!” Wie bei einem klassischen Katastrophenfilm, in dem eine entfremdete Familie ein Erdbeben/Vulkanausbruch/Flugzeugabsturz etc überlebt und sich am Ende wieder lieb hat. Das ist zu einfach und zu glatt.

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Und ebenfalls im Gegensatz zu den letzten beiden Teilen, in denen jeder Charakter mindestens eine Chance bekam, um im Rampenlicht zu stehen, machen die meisten unserer Helden diesmal kaum etwas. Kirk geht von Jammerlappen auf heroischer Anführer in weniger als fünf Sekunden, Spock verbringt den Großteil des Filmes damit, allen zu versichern, dass seine Verletzung nicht so schlimm ist, Scotty unterhält sich mit Jaylah, McCoy grummelt, Uhura bekommt ein oder zwei halbgare “starke Frau” Szenen und Chekov und Sulu sind einfach nur da. Es wurde zwar groß angekündigt, dass Sulu in diesem Film schwul ist aber um ehrlich zu sein, war die Ankündigung dringend nötig. Im Film sieht man davon nicht viel. So, wie er seinen Partner im Film behandelt, könnte er auch sein Bruder oder ein guter Freund sein. Sie küssen sich nicht, es fallen keine Liebesschwüre, es gibt nur eine herzliche Umarmung und Sulu legt auf ziemlich freundschaftlich wirkende Art und Weise den Arm um die Schulter seines…Ehemannes? Festen Freundes? Verlobten? Schade um die verschenkte Chance.

„Ein unterhaltsamer Science Fiction Abenteuerfilm voller Humor.“

Ich will hier aber nicht zu sehr auf dem Film herumhacken. Er ist gut! Wirklich! Vielleicht etwas zu routiniert und ausserdem fehlt ihm jede Form von Subtext oder gesellschaftlicher Relevanz, aber er ist ein unterhaltsamer Science Fiction Abenteuerfilm voller Humor und den schon bekannten, liebenswerten Charakteren. Und ich liebe es, wie sehr die Macher uns hier Kirks Liebe für die Beastie Boys unter die Nase reiben! (Diesmal gibt es sogar noch einen Public Enemy Bonus!)  Er hat genug Spektakel um das Popcornpublikum zu befriedigen, aber genug Nicht-Spektakel, um wiederum die selbst ernannten “echten Fans” zufriedenzustellen.  Selbst der reaktionärste und negativste Trekkie wird “Beyond” garantiert nicht zum “Worst film ever” erklären, aber ich wette, auf vielen Bestenlisten wird er auch nicht zu finden sein. Wie gesagt, eben wie “Auf der Suche nach Mr Spock”.

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5 thoughts on “Filmkritik: Star Trek Beyond

  1. Trust noone Thriller in bester Star Trek Tradition. was verstehst du denn bitte unter Star Trek Tradition. Mir scheint, du hast Star Trek nie ganz begriffen.

    1. Und mir scheint, mit Verlaub, Du hast den Satz nicht begriffen. Er lautete:

      „Es ist ein spannender “Trust no one” Thriller, der in bester “Star Trek” Tradition, Ereignisse aus unserer Welt in einen Science Fiction Abenteuer Kontext verpflanzt.“

      Einer der Gründe, warum Trek so beliebt war, ist dass die Handlungen vieler Episoden (und einiger Filme) sehr deutlich an Ereignisse aus der realen Welt angelehnt waren. So wie z.B. Teil 6 eindeutig Anleihen an dem Fall des „eisernen Vorhangs“ und des Ende des kalten Krieges nahm, war „Into Darkness“ eben die Trek Version von post 9/11 Kriegstreiberei, Terrorismus und Vertuschungsaktionen von fragwürdigen Regierungsaktionen, bei der am Ende dank der moralischen Integrität der Crew (vor allem Kirks und Scottys) schlimmeres verhindert wurde.

      Dies war die Tradition auf die ich mich bezog und Du kannst mir nicht sagen, dass das nicht im Einklang mit dem typischen Trek Spirit war.

  2. Man kann Teilen der Kritik zustimmen, aber einigen Punkten möchte ich doch klar widersprechen. Achtung, Wall of Text

    Nummer 1:
    „Kirk geht von Jammerlappen auf heroischer Anführer in weniger als fünf Sekunden“

    In „Beyond“ hat Kirk einer Identitätskrise. Er weiß nicht, wer er eigentlich ist oder sein will, zweifelt daher seine Entscheidung für die Sternenflotte und das Kommando an. Das hat weder was mit dem Charakter der Mission noch mit „Jammerlappen“ zu tun. Wie wir aus den letzten beiden Filmen wissen, ist er nämlich keiner.

    Ich denke, die letzen Abenteuer der Enterprise haben dieses Problem nur überdeckt, denn es gab die von Ihnen angeführten Aufgaben (Differenzen Überwinden und Freunde werden/Anführer sein und Konzequenzen tragen) zu bewältigen. Aber jetzt, auf der relativ ruhigen Forschungsmission tritt dieser Konflikt eben zu Tage. Übrigens eine schöne Reminiszens an den allerersten Pilotfilm „The Cage“, da befindet sich Captain Pike in einer ähnlichen Krise und geht aus dem Abenteuer, welches er anschließend erlebt, gefestigt und gestärkt raus.

    Ja, es ist richtig, Kirks Charakter legt in Beyond eine rasante Entwicklung hin, weil es Extremsituationen sind, die Menschen über sich hinauswachsenlassen und sie festigen können. Und was könnte extremer sein, als sein Schiff unter dem Hintern weggebombt zu bekommen und gegen einen scheinbar übermächtigen Feind bestehen zu müssen. Auf diesen Hintergründen sehe ich die Krise Kirks und deren Bewältigung/Charakterentwicklung als gelungen und in dem „Beyond-Setting“ als überaus glaubhaft an.

    Diese Ausführung bringt mich zum nächsten Punkt

    „…Zu Anfang hat Kirk keinen Bock mehr auf eine jahrelange Forschungsmission im Nirgendwo, am Ende ist er eher so: “Das war geil, machen wir das nochmal!” Wie bei einem klassischen Katastrophenfilm…“

    Nee, so ist es eben nicht! Kirk hat herausgefunden, was er will. Er glaubt an das friedliche Miteinander in der Weltraumgemeinschaft. Er will die ideale der Föderation vertreten und verteidigen, er will das Unbekannte entdecken, das Abenteuer suchen. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass er das am besten kann, in dem er „da raus geht“. Nicht die Mission war das Problem, sondern er, dass ist ihm klar geworden.

    Insofern ist die Würze, die Sie vermissen, doch eigentlich vorhanden. Ich sehe hier auch keine „Magerkost“, eher das Gegenteil.

    Und nun zu Krall:
    „Irgendwann ist er durchgedreht und ab dann war er böse. Punkt.“

    Nein, ist er nicht. Hier wird tatsächlich in bester Star Trek-Tradition ein aktuelles Thema aufgegriffen. Kriegsveteranen, die sich im zivilen Leben nicht mehr zurecht finden.

    Der Tiefe Groll gegen die Förderation liegt darin begründet, dass sie ihn nicht mehr brauchte – als Soldat. Mit seinem „zivilen“ Posten als Captain ist er nicht zurecht gekommen und dann wurde er aus seiner Sicht von der Förderation auch noch in einer Krisensituation allein gelassen. Etwas, was so gar nicht in das Ehrenbild von Soldaten passt.

    Kroll ist auch nicht durchgedreht, er hat sich radikalisiert. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass nur der Krieg die Menschheit voran bringt. Andere Gedankenmodelle lässt er gar nicht mehr zu. Deshalb will er die Förderation nicht in einen Krieg stürzen. Nicht, um sie zu zerstören, sondern um sie weitezubringen.

    Das ist eine extrem tragische Entwicklung und die ist viel tragischer als die von Nero. Denn er hätte ja mit Hilfe der Alientechnologie, die er auf dem Planeten fand, vielleicht auch einfach sein Schiff flottmachen und zur Föderation zurückkehren können. Dann hätte sich geklärt, warum die Sternenflotte nicht zu Hilfe eilen konnte, weil der Notruf sie ja nie erreichte.

    Vielleicht hat Krall genau wie Admiral Marcus nicht ganz unrecht, und Krieg wird immer ein Teil der Gesellschaft bleiben. Daher weiß ich nicht, was sie an diesem Feind im Gegensatz zu Admiral Marcus oder Nero vermissen.

    Letzter Punkt:
    „Eigentlich wird gar nichts über ihn wirklich erklärt.“

    Auch das stimmt nicht. Seine Metamorphose erklärt sich indirekt aus der Alientechnologie, die er gefunden hat, das reicht eigentlich. Alles andere zu seinen Motiven wird in dem Film geliefert, entweder als direkter Dialog oder indirekt, z.B. den Logbucheinträgen der Franklin oder über Dritte.

    Für mich ist Beyond deutlich besser als „Star Trek III“ und ganz klar der beste der Kelvin-Timeline, weil er sowohl den Mainstream als auch Trekker der ersten Stunde abholt.

    Ich weiß aber auch nicht, was „Alt-Trekker“ für ein verdammtes Problem mit dem Reboot haben. Ich bin mit TOS aufgewachsen und kann nichts schlechtes an den neuen Filmen finden. Es war klar, dass die ersten Filme nicht die philosophische Tiefe aufweisen würden, wie man sie Star Trek zuspricht, was so auch nicht stimmt, denn diese Tiefe kam eigentlich erst mit TNG.

    1. Danke für die „Wall of Text“.

      Bei deinen Punkten stimme ich Dir eigentlich auch zu, aber sie wurden im Film einfach nicht richtig kommunizert. Als Fan der (heute scheinbar größtenteils vergessenen) „Show, don’t tell“ Drehbuchregel, brauche ich natürlich keine endlosen Mono- oder Dialoge, die alles haarklein für den Zuschauer buchstabieren, aber vieles in dem Film war nicht „Show, don’t tell“, sondern „We don’t show or tell, it’s just happening“.

      Fast der ganze erste Akt wird auf Kirks Unzufriedenheit mit seiner Gesamtsituation verwendet. Da lässt ihn sein schneller Meinungswechsel schon irgendwie wie ein Adrenalinjunkie wirken, den Forschung und Verhandlungen mit fremden Völkern, die ihm eh nicht zuhören, nur langweilen, der aber sofort wieder auf den Sattel hüpft, sobald alles um ihn herum explodiert.

      Auch Krall wird mit einem zu groben Pinsel gemalt. Die „ohne Krieg nicht zurechtkommender Ex-Soldat“ Sache ist schon da, kommt aber nicht überzeugend rüber. Ich meine, hat die Sternenflotte ihn nicht getestet, bevor sie ihn auf eine so schwierige Mission schicken? Wann wurde es genau zu viel für ihn? Er müsste doch wissen, wie weit er weg war und dass er zudem hinter einem dichten Asteroidenfeld steckte. Klar, dass die Sternenflotte da nicht gleich nächste Woche vorbeischaut. Wollte er erst die Sternenflotte angreifen und hat dann die Drohnen gefunden oder hat ihn der Fund erst auf die Idee gebracht? Warum hat er keine Drohne losgeschickt, um Hilfe zu holen? Sollte ein derart stolzer Soldat in so einer Extremsituation nicht eigentlich aufblühen? (Okay, auf gewisse Weise tat er es ja.) Warum hat er ewig lange nach dieser „Wunderwaffe“ gesucht, anstatt gleich loszulegen? Mächtig genug waren seine Drohnen ja.

      Tut mir leid, am Ende war Krall für mich eigentlich nur jemand, der zwar Hinweise auf eine gewisse Tiefe bot, aber nur, in bester 80er Jahre Cartoonschurkenmanier, alles Böse gut zu finden schien und wenig originelle Kriegerphrasen, Marke „Wir brauchen den Krieg“, „Frieden ist für Schwächlinge“, etc, von sich gab.

  3. Danke für das Lesen der Wall und Deiner Antwort, CJ.

    Edit: Schon wieder eine Wall of Text geworden, war so nicht geplant, sorry.

    Ich denke, Deine Sicht und Dein Gefühl bezüglich der Charaktere liegt in einem der ältesten Probleme, mit dem sich Filmemacher herumschlagen müssen: Die erzählte Zeit überschreitet die Erzählzeit bei weitem. Die Kunst ist es, dem Zuschauer ein Gefühl dafür zu geben, wieviel Zeit vergangen ist. Das gelingt dem Regisseur oder Drehbuchautoren hier nur zum Teil, das kann man sicher bemängeln.

    Ich glaube, da kann man es nicht jedem recht machen und wir beide werden uns letztendlich nur darauf einigen können, dass wir uneins sind. Ist aber vollkommen ok.

    Ich zum Beispiel finde es außerordentlich gut, dass man Kirks Hadern mit der Mission und seinem Kommando soviel Zeit eingeräumt hat. Eine kurze Abhandlung hätte verwirrt und unglaubwürdig gewirkt, da die beiden Vorgängerfilme eine solche Krise nicht vermuten lassen. Da wird ja ein Kirk gezeigt, der von sich überzeugt und äußerst guter Dinge ist. Aus dem Raum, den man Kirk hier gibt, folgt aber in Konsequenz, dass man sich anderer Dinge nicht so ausführlich widmen kann, will man zwei Stunden nicht allzusehr überschreiten.

    By the way, die Art, wie Kirks Logbucheintrag in der Kürze die Quintessenz der Missionsroutine und deren Auswirkung auf sich und die Crew zeichnet, findet ich im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino. Man erhält als Zuschauer ein gutes Gefühl dafür, was es bedeutet, fünf Jahre auf einem Raumschiff unterwegs zu sein.

    Zurück zum Thema. Zugegeben, Kirks Sinneswandel könnte einem da ziemlich schnell vorkommen, weil man nicht unbedingt nachvollziehen kann, wieviel Zeit vergangen ist. Es ist aber einiges an Zeit vergangen.

    Kirks Bergungsaktion und Uhuras Notruf finden in dunkler Nacht statt. Nicht nur aus taktischen Gründen, sondern weil so klar wird, dass man mindestens zwei Tage nach dem Absturz auf dem Planeten ausharren musste. Planetentage wohlgemerkt, wir wissen nicht, wieviel Erdentagen das entspricht.

    Uhuras Notruf ist ein gründliches Aufzeichnen der Patrouillenwege und Zeiten vorangegangen, ein zeitaufwändiges Unterfangen. Unklar ist, ob Uhuras und Kirks Unternehmungen in der selben Nacht stattfanden. Wenn nicht, könnte man schon von drei Tagen ausgehen. Die Inszenierung legt aber eher ein zeitgleiches Vorgehen nahe.

    Ein schon hundert Jahre auf dem Planeten liegendes Schiff wie die Franklin mit den paar Figuren wieder raumtauglich zu kriegen, ist mit Sicherheit auch keine Geschichte eines Tages. Selbst wenn man Scotties Genie und die relativ einfache Technik des zu reparierenden Schiffes berücksichtigt, muss man als Zuschauer Zu dieser Erkenntnis zu kommen. Ob es ein fehler ist, das dem Zuschauer zu überlassen? Vielleicht, ich finde es gut, sich als Zuschauer seine Gedanken machen zu müssen, und die eigene Phantasie mit einbeziehn zu können.

    Es werden wohl auch einige Tage vergangen sein, bis das abschließende Gespräch stattfindet, von Kirks Blessuren ist nur noch ein schwach blaues Auge übrig. Die Besprechung mit der Admirälin wird auch nicht so direkt nach der Schlacht stattgefunden haben.

    Es ist also überaus Zeit vergangen, in der Kirks Erkenntnisse reifen konnten. Nur im Film wirkt das sehr schnell, weil die Erzählzeit eben sehr begrenzt ist. Das wirkt sich auch negativ auf Krall aus, der als Charakter zu kurz angerissen wurde und mehr Tiefe vertragen könnte, was zu Recht von Dir kritisiert wurde.

    Andererseits kann man auch zu dem Ergebnis kommen, dass das doch kein Problem darstellt, weil es in diesem Film hauptsächlich um Kirk geht und Krall sozusagen nur als Werkzeug für Kirks Entwicklung dient. Wenn man das so betrachtet, hat Krall im Gegensatz zu den anderen Gegnern Kirks sogar eine beachtliche Tiefe spendiert bekommen.

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