Momentan hat „Akte X“ wieder ein kleines Formtief. „An der Grenze“ ist nicht so schmerzhaft anzuschauen wie „Drei“, aber richtig bemerkenswert ist die Folge auch nicht.

Nachdem Scullys Entführung das vielleicht dramatischste Ereignis im bisherigen Serienverlauf war, endet diese ziemlich antiklimaktisch. Eines Tages liegt sie einfach im Krankenhaus und niemand weiß, wie sie dort hinkam. Schlimmer ist allerdings, dass sie in einem schweren Koma liegt, aus dem sie vielleicht nie aufwachen wird. Die Folge schwankt leider zwischen halbherzigen „Mulder will Rache (oder zumindest Klarheit)“ und esoterischen „Scully auf der Schwelle zum Jenseits“ Momenten.

an der grenze 01Vermutlich sollte „An der Grenze“ als große Charakterfolge dienen, aber auch das gelingt nicht wirklich. Es ist mehr als klar, dass Mulder wegen der Entführung seiner Partnerin Schuldgefühle hat. Das muss nicht zum tausendsten Mal innerhalb von wenigen Folgen durchgekaut werden. Auch über Scully erfahren wir hier wenig interessante, wenn auch zumindest ein paar neue Dinge. So sehen wir zum Beispiel erstmals ihre Schwester (und in einem Flashback auch ihre beiden Brüder ) und in einem wenig originellen Twist, ist sie alles andere als skeptisch, was Übernatürliches und Esoterik angeht.

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In bester „Akte X“ Tradition, ist die Jagd nach den Schuldigen auch hauptsächlich frustrierend. Immer wenn es scheint, als würde Mulder neue Antworten erfahren, kommt etwas dazwischen. Selbst als er dem geheimnisvollen Zigarettenraucher in seinen eigenen vier Wänden eine Waffe an den Kopf hält, kommt dieser mit ein paar kryptischen Bemerkungen und dem Hinweis: „Wenn sie mich töten, erfahren sie nie die Wahrheit“ davon. Das Einzige, was wir am Ende dieser Folge gelernt haben, ist, dass scheinbar Experimente an Scully durchgeführt wurden und dass unsere Helden von allen Seiten herumgeschubst werden. Noch nicht mal seinen Dienst darf Mulder quittieren!

Naja, aber jetzt, wo das Dreamteam wieder zusammen ist, dürften die Folgen hoffentlich besser werden. Und ja, „Der Vulkan“ ist zumindest ein bisschen interessanter. Auch wenn wir nach „Eis“ und „Der Kokon“ schon zum dritten Mal innerhalb von weniger als 2 ½ Staffeln eine Folge sehen, in der ein Forscherteam von einem mysteriösen Dingens nach und nach ermordet wird, von dort nicht wegkommt und am Ende Scully und Mulder mit ihnen eingesperrt sind.

vulkan 02In diesem Fall ist ein Team Vulkanforscher irgendwo im Nirgendwo, und wie es scheint, ist ihr Anführer wohl durchgedreht und trachtet ihnen nach dem Leben. Dieser Anführer wird übrigens gespielt von Bradley Whitford aus „The West Wing“ und zwei weitere Mitglieder seines Teams bestehen aus Leland Orser und Shawnee Smith. Damit gewinnt „Der Vulkan“ zumindest schon mal einen Preis für die coolste Aneinanderreihung von Gaststars in dieser Woche.

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Ein weiterer Bonuspunkt ist die Enthüllung, was wirklich für die Todesfälle verantwortlich war. Dies ist nämlich wieder so ein Ding, das die Horrorschraube in dieser Serie kräftig anzieht. Kein „Monster der Woche“, sondern ein Parasit, quasi wie der aus „Eis“. Nur diesmal sorgt er auch dafür, dass sich der Hals des Befallenen aufbläht und ein riesiger Penis Pilz dort herausschießt. (Dies passiert übrigens überraschend blutarm.)

Auch wenn „Der Vulkan“ mehr oder weniger eine Kopie vorheriger Folgen ist, ist es eine effektive Horrorgeschichte. Sie kommt nicht an das Niveau von „Eis“ heran, aber die tollen Darsteller, David Nutters gewohnt atmosphärische Regie und natürlich die überraschend derben Tode sorgen für gute Unterhaltung.

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