Ach ja, Conventions. Die gute Zeitzeugin hat zur Blogparade über dieses Thema aufgerufen Fried Phoenix hat noch mal zur Blogparade über dieses Thema aufgerufen und da ich ohnehin etwas darüber schreiben wollte, mache ich das nun ausführlicher. Um es vorwegzunehmen: Ich bin nicht so Conventionerfahren, wie so manch anderer Nerd. Der Grund: Sie sind scheißteuer und ich bin im Normalfall ziemlich pleite. Doch darauf komme ich mehr oder weniger später zurück.

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Mein Original Fedcon 11 (Oooooh) Ausweis! (Minus Vorname)

Da Film- und Comicbörsen nicht als Conventions zählen (obwohl ich sehr viele schöne Erinnerungen an diese Unterart des Treffens von Popkulturbegeisterten habe), war meine erste echte Con die FedCon IX (9 oder in Worten: neun) im April 2001. Zu dem Zeitpunkt war ich gerade 19 (XIX oder neunzehn) Jahre alt und meine Jugend hatte ich eigentlich damit verbracht, teure Großveranstaltungen zu vermeiden. (Als sozialer Außenseiter begibt man sich lieber nicht unter Menschen. Außerdem lief immer etwas Gutes im Fernsehen.) Das änderte sich aber, als ich eines Tages die frisch gekaufte “Space View” aufschlug und eine ganzseitige Anzeige für die kommende FedCon sah.

TERRY FARRELL WAR ALS GAST ANGEKÜNDIGT! Mein erster (und sogar bis heute andauernder) “Celebrity Crush” und ich hatte die Chance sie live zu sehen, ein Autogramm von ihr zu holen, vielleicht ihr die Hand zu schütteln und auch ein Foto mit ihr zu machen! (…und vielleicht würde sie sich auch auf Anhieb in mich verlieben und ich würde den Rest meines Lebens als ihr glücklicher Ehemann verbringen…) Bonus: Ted Raimi, “Joxer” aus “Xena” und Bruder von Sam Raimi, einem meiner Lieblingsregisseure, war auch eingeladen. Dann natürlich noch weitere “Star Trek” A-List Stars, wie Colm Meaney, Alexander Siddig und LeVar Burton! Also habe ich mich sofort ans Telefon gehangen, meinen Kumpel Thomas angerufen und irgendwie haben wir es tatsächlich geschafft, mehrere Monate später auf dem Weg nach Bonn, zu unserem ersten Conventionwochenende zu sein. Okay, Terry Farrell hatte frühzeitig abgesagt, so wie sie es in dem Zeitraum bei Conventions außerhalb der USA öfter tat, ihr Ersatz Nicole DeBoer hatte in allerletzter Sekunde absagen müssen, da sie den Piloten zu “Dead Zone” drehte, aber abgesehen davon, waren alle da.

Kurze Abschweifung: Dies ist die wichtigste Regel für jeden Conventionfrischling! Kauft euch kein Ticket, nur wegen eines einzigen Stars! Euer Liebling kann zu jeder Zeit absagen. Seid also sicher, dass euch zumindest noch zwei oder drei weitere Gaststars interessieren oder seid wenigstens offen genug, um mal bei den Stars reinzuschauen, die ihr vorher noch gar nicht kanntet. (Darauf komme ich gleich noch mal zurück.) Oder noch besser: Freut euch einfach auf ein Beisammensein mit Gleichgesinnten und vielleicht auch interessante Händlertische.

Kauft euch kein Ticket, nur wegen eines einzigen Stars!

Zurück zum eigentlichen Thema: Dieses Wochenende war ein absoluter Flash und vielleicht zu dem Zeitpunkt das geilste meines Lebens. (Selbst heute ist es noch in der Top 3.) Anfangs waren wir noch etwas zurückhaltend, aber wir zwei Jay & Silent Bob Doppelgänger für Arme (Nein, das war kein Cosplay!) wurden sofort akzeptiert. Es gab keine Probleme, alle waren freundlich und eigentlich war es eine drei Tage andauernde Megaparty. Also mehr oder weniger wie immer.

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Alexandra “Aphrodite” Tydings bei der Autogrammstunde auf der Fedcon in 2001.

Um noch mal auf das “offen sein gegenüber dir unbekannten Gästen” zu sprechen zu kommen: Eine meiner besten Erinnerungen war, wie wir in den großen Saal wanderten, in dem die Stars ihre Panels abhielten und Claudia Christian gerade auf der Bühne stand. Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine einzige Folge “Babylon 5” gesehen. (Genau wie bei “Akte X” mangels Kabelanschluss.) Immerhin holte ich dies sofort nach, als die Serie auf DVD erschien. Der Hauptgrund dafür war aber, was für eine Stimmungsbombe Claudia Christian war. Am Anfang des Wochenendes wusste ich nicht, wer sie war, am Ende des Wochenendes hatte ich ihr Autogramm auf meinem Arm. (Das gab sie mir sogar kostenlos.) Und das von ihrer guten Freundin Alexandra Tydings (Aphrodite aus “Hercules” und “Xena”) auf dem anderen.  Über die Jahre hinweg gab es auf den FedCons viele Stars, die mich eigentlich nicht interessierten, mich aber aufgrund ihrer Art bei den Panels bekehrten. Daher erneut für alle zum mitschreiben: Seid euch unbekannten Gaststars immer offen, auch wenn ihr eigentlich wegen jemand anderem da seid!

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Ich wollte eigentlich ein Foto von Linda Park und mir posten, auf dem meine Augen geschlossen sind, obwohl der Fotograf damals sagte, es wäre in Ordnung. Kann es aber leider nicht finden. Stattdessen nehmt dieses Symbolfoto als Alternative.

Ja, die FedCon ist “meine” Convention. Ein paar Jahre lang schafften wir es noch regelmäßig dorthin, aber dann hielt uns das wahre Leben ab und zuletzt konnte man mich dort nur alle zwei bis drei Jahre für vielleicht oft nur einen Tag antreffen. (Immerhin, zur FedCon XX [20, zwanzig] schaffte ich wieder ein ganzes Wochenende, wenn auch alleine.) Aber viele der besten Erinnerungen an das Science Fiction und Fantasy Fandom, kommen von dort. Wie ich mich mit Virginia Hey (Zhaan aus “Farscape”) über unsere Katzen unterhielt, wie ich auf einer Party nichts Besseres zu tun hatte, als den ganzen Abend wirre Tweets abzusenden, dadurch aber einige tolle Freunde fand (und mich vermutlich dutzende andere Besucher deswegen hassten), wie ein Arsch im “Scorpion King” Kostüm sich bei einem Marina Sirtis Panel vordrängelte, ich ihr deshalb keine Frage mehr stellen konnte, die Geschichte aber schnell die Runde machte und er beim Kostümwettbewerb ausgebuht wurde, wie eine gewisse Schauspielerin aus “Star Trek” (werde ihren Namen hier nicht nennen) auf einer Party so betrunken war, dass sie einer rumänischen Conventionfreundin erstmal ihre nicht sehr hohe Meinung über ihr Heimatland erzählen musste (Alle Beteiligten nahmen es mit Humor, keine Sorge), die Stimmung auf den Partys, die spontanen Gespräche mit völlig Fremden, die Kameraderie mit dem Rest der Warteschlange, wenn mal wieder ein Programmpunkt irgendwie nicht so richtig funktionierte und man länger warten musste, und und und.

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Wie gesagt, ich wünschte, ich könnte zu so ziemlich jeder Convention gehen, aber ich kann mich schon glücklich schätzen, wenn ich es auf eine im Jahr schaffe. Zuletzt war das öfter die Gamescom, die ja eigentlich eine Messe ist, aber trotzdem irgendwie zählt. Erinnert ihr euch noch, was es in der Community für einen Aufschrei gab, als die Gamescom nach Köln kam und den Tod der Games Convention in Leipzig einleitete? Die Gamer wollten die neue Messe ja boykottieren und waren sich sicher, dass sich Köln als Standort nie durchsetzen wird, aber ähnlich wie beim Boykott von DVD und Blu-Ray wegen der “FSK Flatschen”, redet da keiner mehr drüber.

Die Gamescom ist jede Menge Spaß, aber auch jede Menge Stress.

Händlerräume FTW!

Händlerräume FTW!

Die Gamescom an sich ist jede Menge Spaß, aber auch jede Menge Stress. Es gibt viel zu sehen und viel zu tun, aber wer kein Wochenendticket hat, darf eigentlich nur zuschauen. Vor allem in den letzten paar Jahren waren schon donnerstags die Gänge so derart überfüllt, dass sich Schlange stehen eigentlich nur noch lohnt, wenn man mindestens noch einen Tag zur Verfügung hat, um sich in mehr als nur zwei oder drei Schlangen einreihen zu können. Am Ende bleiben einem immerhin die Händlertische. Dort gibt es zwar nichts, was man nicht auch online bekommen könnte, aber analog shoppen gehen macht eben immer noch mehr Spaß.

Liebste Gamescom Anekdote: Vor ein paar Jahren bekam ich zufällig mit, wie ein Junge (geschätzte acht Jahre) für einige Minuten von seinen Eltern getrennt wurde. Die Betreiber eines Standes haben zum Glück schnell reagiert, haben sich des Jungen angenommen und über ihre Lautsprecher die Eltern ausrufen lassen. Wie gesagt, nach ein paar Minuten war das ganze Drama schon wieder vorbei, aber das Highlight war die Familienzusammenführung, bei der das Kind von zwei “Messebabes” in ultraknappen Bikinis zu Mama und Papa zurückbegleitet wurde. Es würde mich nicht wundern, wenn er danach öfter “ganz zufällig” seine Erziehungsberechtigten aus den Augen verlor…

Mein unterschriebenes "Fright Night" Poster", y'all!

Mein unterschriebenes “Fright Night” Poster”, y’all!

Letztes Jahr war ich zudem auch noch auf dem “Weekend Of Hell” in Oberhausen. War ganz nett. Die Turbinenhalle hat den Vorteil, dass sie auch mit wenig Deko wie eine Horrorfilmlocation aussieht. Wirklich viel gab es dort nicht zu sehen. Hauptsächlich ging ich dort wegen der Autogramme hin. Ich konnte zwar nicht so viele holen, wie ich eigentlich wollte, aber immerhin haben (die wirklich unglaublich nette) Amanda Bearse (am bekanntesten als Marcy aus “Eine schrecklich nette Familie”) und Stephen Geoffreys mein “Fright Night” Poster unterschrieben. Etwas bizarr war der Händlerbereich, bei dem es wohl keine Alterskontrollen gab und man öfter eindeutig minderjährige Besucher zwischen Tischen mit sehr graphischen und manchmal sogar pornographischen Covern herumlaufen sah. (Nein, ich überreagiere nicht! Einige Händler verkauften dort wirklich Hardcore Pornos!) Im Großen und Ganzen war die Con aber ihrem Eintrittspreis angemessen.

Da ich, wie schon mehrfach erwähnt, nur über SEHR begrenzte finanzielle Mittel verfüge, kann und will ich nicht zu viel Geld ausgeben. Die aktuell 135€ für vier Tage Fedcon, halte ich für sehr angemessen und auch nicht unerreichbar. Gamescom und Weekend Of Hell sind auch für den kleinen Geldbeutel zu ertragen, genau wie viele andere Cons. Im Falle einer Übernachtung brauche ich auch kein großes Hotelzimmer. Ich benutze es eh nur zum schlafen. Da kann ich auch gerne eins in der Größe einer Gefängniszelle für 10€ die Nacht nehmen. Es sollte nur nicht weiter als eine halbe Stunde Fahrzeit vom Conventionort entfernt sein.

Jedes Autogramm, das mehr als 25€ kostet, wird von mir ignoriert.

Mario und Sonic haben sich nichts zu sagen.

Mario und Sonic haben sich nichts zu sagen.

Ich gebe zu, ich bin eine kleine Promihure und gehe hauptsächlich auf Conventions, um Stars zu sehen und Autogramme zu holen. (Die Händlertische sind der zweite Hauptgrund, wobei ich da hauptsächlich auf seltene und/oder günstige DVDs hoffe.) Die Autogrammpreise sind dabei für mich immer der größte Knackpunkt in meinem Budget.  Ich verstehe, dass selbst die kleineren Stars so einiges an Gage verschlingen und dass so mancher Veranstalter hauptsächlich durch die Autogramme ihr Geld wieder rein bekommt. Aber jedes Autogramm, das mehr als 25€ kostet, wird von mir ignoriert. Und das ist auch wirklich die absolute Obergrenze, bei der ich fünf mal überlege, ob ich die Kohle wirklich ausgeben soll.

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Zusammenfassend versuche ich immer das Maximum an Spaß, für das Minimum an Geld herauszuholen. Ich muss noch nicht mal gut essen. (Nicht, dass das Conventionessen wirklich gut wäre.) Am Fedconwochenende  verlor ich immer überraschend viel Gewicht, da ich mich hauptsächlich von Stullen, Instantsuppen und Trinkpäckchen ernährte. (Hab auch schon mal ein Wochenende auf einem Flughafen verbracht und mich an einer Packung Kartoffelchips verköstigt, einfach nur weil es billiger war. Und ich war mal eine Woche auf Ibiza und hatte nur 80€ in der Tasche. Das war allerdings eher ein Arbeitsurlaub und ich bekam Flug, Unterkunft und Nahrung bezahlt. Andererseits überlebt man auf dieser Insel mit 80€ noch nicht mal einen Tag. Aber ich schweife ab.)

Meyer

Dina Meyer und ich. Und nein, ich bin nicht bekifft, so sehe ich auf Fotos immer aus. Immerhin habe ich nicht geblinzelt.

Wer weiß, was die Zukunft bringen wird? Nicht nur für mich persönlich. Ich hoffe ja, irgendwann zu diesen Menschen gehören zu können, die mindestens drei Cons im Jahr besuchen können. (Wie zum Teufel schafft ihr das? Seid ihr Drogendealer? Habt ihr reiche Eltern? Oder Freunde bei jeder Security, die euch kostenlos reinschmuggeln?) Und natürlich hoffe ich, dass es dann auch noch interessante Conventions geben wird! Nachdem es einige Jahre gab, in denen der Conventionmarkt nach einem Zusammenbruch (Galileo 7 anyone?) nur noch von kleinen Cons und denen der FedCon GmbH dominiert wurde, will seit ein oder zwei Jahren wieder jeder etwas vom Kuchen abhaben. Gefühlte 90% der neuen Cons tragen den Namen “Comic Con” und man muss kein Adrian Monk sein, um zu kombinieren, dass sie alle nur vom Ruf der San Diego Comic Con profitieren wollen. Das Ding ist ja eine Megaveranstaltung, bei der alle möglichen Hollywoodstars auftreten und exklusives Material ihrer neuen Blockbuster zeigen. Natürlich ist der Unterschied zu normalen Cons, dass der Veranstalter den Stars keine Gage zahlt, sondern dass die Studios die Con für ihre Werbeveranstaltung bezahlen. Etwas, das hier in Deutschland aufgrund der internationalen Irrelevanz dieser Veranstaltungen absolut undenkbar ist. (Gamescom ausgenommen, aber die ist ja auch eine Messe und keine Con.) Aber hey, wenn man damit einigen ahnungslosen Conventionamateuren ein Ticket aus den Rippen leiern kann, warum nicht?

Versteht mich nicht falsch, ich will nicht behaupten, dass jeder Veranstalter einer so betitelten Comic Con gleich zwielichtige Hintergedanken hat, aber keiner von ihnen wird den Namen gewählt haben, nur weil er eine lustige Alliteration ist und sich selbst mit vollem Mund gut aussprechen lässt. Und wenn ich dann sehe, wie einige der neuen Herausforderer über ein halbes Jahr im Voraus große Stars ankündigen, die selbst in den USA nur selten auf Cons auftreten, ist ja wohl klar, dass sie nur für Werbezwecke engagiert wurden. Sprich: Es ist ihnen egal ob der vielbeschäftigte Superstar in einem halben Jahr noch Zeit hat, Hauptsache seine Fans kaufen die Tickets heute! (Das bringt uns wieder zu “kauft euch kein Ticket nur wegen eines Gaststars!”) Schon alleine wegen solcher Dinge, der schlechten Organisation einiger Cons und natürlich wegen der, sollte das Wachstum in diesem Tempo weitergehen, baldigen Übersättigung, wird der Markt vermutlich sehr schnell wieder zusammenbrechen.

Aber so ganz werden Conventions wohl nie verschwinden. Nicht solange es Fans gibt und solange diese sich mit Gleichgesinnten treffen, ihre Cosplays vorführen und den Darstellern aus ihren Lieblingsfilmen und –serien die Hand schütteln wollen. Vermutlich wird sich der Zusammenbruch so äußern, wie der letzte. Es wird weniger Conventions geben und selbst die werden wieder kleiner. Vielleicht passiert aber auch etwas völlig unvorhergesehenes und Conventions finden nur noch im Internet statt, vielleicht mit Hilfe von Virtual oder Augmented Reality. Ach, was weiß ich? Der Punkt ist: Conventions machen Spaß und was Spaß macht, wird irgendwann ausgebeutet, bis es sich wieder gesundschrumpft. In diesem Sinne: Con on!

Okay, “Con on” wird sich nie durchsetzen und ich bedauere jetzt schon, es geschrieben zu haben. Vielleicht sollte ich es löschen. Oh nein! Der “Veröffentlichen” Button!!


Trollfoto von Ryan McGuire @ Gratisography.com

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