Der neue Akte X Spätstart Report, diesmal mit grob geschätzten 98% weniger Gillian Anderson. Denn in der letzten Folge wurde Scully vom Alienentführungsopfer Duane Barry gekidnappt. Da Anderson im wahren Leben eine Schwangerschaftspause brauchte, blieb sie auch für mehrere Folgen fern.

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Warum wurde Steve Railsback nie ein Megastar?

„Seilbahn zu den Sternen“ ist eine gute Fortsetzung von „Unter Kontrolle“, die aber trotzdem nicht an das Niveau ihres Vorgängers heranreicht. In aller Fairness: Dies aber hauptsächlich nur, weil die vorherige Folge so verdammt gut war! Es ist immer noch eine Topfolge! Auch wenn der Anfang, in dem Mulder den Tatort von Scullys Entführung betrachtet und diese anhand selbst der kleinsten Spur vor seinem geistigen Auge nachspielt, etwas unfreiwillig komisch ist. Eine nette Idee ist es aber, Scully Mutter hier auftreten zu lassen. Viel zu oft, wenn Serienprotagonisten etwas Schlimmes zustößt, müssen die Eltern die Episode(n) off screen aussitzen. Mama Scully hat der Geschichte jetzt zugegebenermaßen auch nicht sooo viel hinzuzufügen, aber immerhin bekommen wir ein paar nette Charaktermomente mit ihr und Mulder zu sehen.

Und später gibt es die vielleicht spannendste Seilbahnfahrt seit dem Clint Eastwood/Richard Burton Klassiker „Agenten sterben einsam“! Diese führt zwar nur metaphorisch zu den Sternen (False advertising?), dafür aber direkt zu dem Berggipfel, zu dem Barry Scully gebracht hat, um sie den Außerirdischen vorzuwerfen. Nun muss Mulder also vor ihm oben ankommen, während das Verräterschwein Krycek im Kontrollraum sitzt und dies verhindern soll. Hinzu kommt, dass Mulder sämtliche Sicherheitsvorschriften ignoriert und am Ende auch noch auf der Gondel herumklettert.

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Krycek ist tatsächlich der MVP dieser Folge. Ein Großteil der Spannung entsteht durch die Fragen, wie weit er gehen kann, bevor Mulder ihm endlich auf die Schliche kommt und ob er vorher noch rechtzeitig entkommen kann. Und sagen wir es mal so: Zum Glück wurde der Krycek Subplot nicht so weit ausgedehnt, dass Mulder als kompletter Vollidiot dasteht.

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„Seilbahn zum Sonnenuntergang“ wäre ein passenderer Titel.

In der zweiten Hälfte der Folge kommen die Twists und Spannungsmomente wirklich Schlag auf Schlag und am Ende werden sogar die X-Akten offiziell wieder geöffnet. Die beiden Hauptprobleme sind leider der etwas gemächliche Anfang und das Serientypische offene Ende. Wo Scully wirklich ist, ob es ihr gut geht und der Moment, in der wir sehen, wie sie auf schmerzhafte Art künstlich befruchtet wird, nur in Mulders Kopf stattfand, sind Fragen, die mal wieder unbeantwortet bleiben. Da ist es nicht nur schade, dass die nächste Folge wieder business as usual ist, sondern auch, dass sie einen heftigen, qualitativen Absturz darstellt.

In „Drei“ geht es um einen Vampirclan, der wohl schon seit Längerem unterwegs ist. Als sie irgendeinen reichen Typen in Los Angeles ermorden, ist Mulder sofort zur Stelle. Er verfolgt die Killer wohl schon seit längerem, auch wenn er sie vorher uns gegenüber nie erwähnt hat. Schnell kommt er auf die Spur des Nachtwächters einer Blutbank. Gespielt wird dieser übrigens von Frank Military. „Star Trek“ Fans kennen ihn wohl am besten als den Geiselnehmer B.C. aus dem „Deep Space Nine“ Zweiteiler „Gefangen in der Vergangenheit“, aber um die Jahrtausendwende herum verlagerte er sich mehr auf Aktivitäten hinter der Kamera. Seinem Nachnamen entsprechend, ist und war er als Autor und Produzent bei u.a. „NCIS“ und „NCIS Los Angeles“, sowie „The Unit“ und „Jericho“ zuständig.

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Mulder glaubt überraschenderweise gar nicht an das ganze „Ich bin ein unsterblicher Vampir“ Gejammere seines allzu geständigen Verdächtigen, doch als er ihn in einen Raum ohne Vorhänge sperrt, verbrennt dieser sofort bei Sonnenkontakt. Ups. Zum Glück hatte unser Vampir keinen Rechtsbeistand, denn sonst würde Mulder garantiert wegen Folter und fahrlässiger Tötung hinter Gittern landen. Aber egal.

Da man in den 90er Jahren (und leider selbst heute noch) der Meinung war, dass die Gothszene eine Brutstätte für perverse Serienkiller ist, besucht unser Held so einen Club und wird schnell bei der, sexuell auf Blut fixierten Kristen (David Duchovnys damalige Freundin Perrey Reeves) fündig.

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So geht es mir jeden Sommer. #FuckYouSun

Machen wir es kurz: „Drei“ ist eine langweilige und schwülstige Folge, in der Mulder Sex mit einer Verdächtigen hat und die Regeln hinter den Monstern der Woche kaum Sinn ergeben. So verbrennen sie schon, wenn Sonnenlicht nur auf ihre Schuhe trifft und können später trotzdem quicklebendig (?) wieder auftauchen. Am interessantesten ist wirklich nur der Moment, in dem ein Vampir gepfählt, dies aber nicht gezeigt wird. Wir sehen einen riesigen Blutfleck an der Wand, aber sowohl die Leiche, als auch den Moment der Pfählung, sehen wir nicht. Den übel verbrannten Kadaver eines anderen Vampirs dafür schon. Merkwürdig, wie die Fernsehzensur Mitte der 90er funktionierte.

Hoffentlich ist die nächste Folge wieder besser. Staffel 2 startete so stark, dass eine Folge wie „Drei“ wirklich schmerzt.

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