Es gibt viele Dinge, die mich an Quentin Tarantino und seinen Arbeiten, sowie dessen oft kultischer Verehrung als absolute Meisterwerke stören und ich werde garantiert früher oder später darauf eingehen. Über eine bestimmte, unglaublich nervige Sache will aber jetzt und hier reden.  Und das ist eine Sache, für die ich noch nicht mal Tarantino verantwortlich machen kann, weil es, soweit ich weiß, immer “die Anderen” sind, die damit angeben. Ich rede von dem Mythos der “Tarantino career resurrection”, also dass Schauspieler, die in einem Karrieretief stecken, plötzlich wieder zu Superstars werden, nur weil sie in einem Tarantino Film mitspielen.

Woher dieser Mythos kommt, ist klar: John Travolta in “Pulp Fiction”. Nachdem er in den 70ern dank der Fernsehserie “Welcome Back, Kotter” und Filmen wie “Grease” und “Saturday Night Fever” zum Idol einer ganzen Generation wurde, konnte man ihn in den 80ern und 90ern durchaus als “has-been” bezeichnen. Ich meine, wenn dein größtes Karrierehighlight aus dieser Periode die “Kuck mal wer da spricht” Filme sind, gibt es leider keinen besseren Ausdruck. Aber dann kam “Pulp Fiction”, der der Welt plötzlich klar machte, dass Travolta, wenn er will, eigentlich ein wirklich guter Schauspieler ist. Seine Rolle als nicht allzu heller Mafiahandlanger brachte ihm eine Oscarnominierung ein und katapultierte ihn für einige Jahre wieder in die A-Liga Hollywoods.

Wenn es eine Sache gibt, die ich an Tarantino wirklich schätze, dann ist es seine Liebe für Filme jeden Genres und Alters, sowie für dessen Macher und die Schauspieler die dort auftreten. Der Mann hat einen Enthusiasmus für die bewegten Bilder, den ich voll und ganz nachvollziehen kann. Selbst wenn er den übelsten Eurotrashfilm zum absoluten Event hochfeiert, tut er dies nicht aus einem fehlgeleiteten “So bad it’s good” Zynismus. Nein, er sieht darin Qualitäten, die vielen anderen Menschen verborgen bleiben. Zugegeben, zu oft manifestiert sich seine Liebe darin, dass er Szenen aus seinen Lieblingsfilmen kopiert und dann wohl hofft, dass alle Welt glaubt, dass es auf seinem Mist gewachsen ist, was dann wieder einer der Gründe ist, warum ich seine Filme unerträglich finde. Aber immerhin: Er gibt längst vergessenen Stars oft eine Chance, weil er weiß, dass sie gut sind. Vor allem im modernen Horrorgenre gibt es oft die Unsitte, dass junge Regisseure Ikonen wie Tony Todd oder Jeffrey Combs in kurzen Gastauftritten verschwenden, weil sie angeblich Fans von ihnen sind. Warum gebt ihr ihnen dann keine größere Rolle!? Tarantino tut dies! Und da jeder seiner Filme aus irgendwelchen Gründen ein Großereignis ist, werden auch dessen Stars wieder ins Rampenlicht gezerrt. Aber werden sie wirklich wieder zu Stars?

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Bei genauerer Betrachtung fällt einem auf, dass Travoltas Wiederaufstieg in die Superstarliga ein Einzelfall ist. Ich will hier nicht verneinen, dass eine große Rolle in einem Tarantino Film oft einen gewissen Karriereaufschwung nach sich zieht, aber der zeichnet sich oft auf weniger glamouröse Art ab. Die jeweiligen Akteure bekommen durchaus mehr Arbeit und ich wette, ihre nun höheren Gagenforderungen werden nun auch gerne erfüllt, aber post-Tarantino, landen die meisten im Fernsehgaststar und B- oder C-Film Land. Die größte Rolle, die Pam Grier nach “Jackie Brown” hatte, war in “Ghosts Of Mars”, John Carpenters schlechtestem Film. Und selbst da hatte sie nur eine Nebenrolle. Ihr für “Jackie Brown” für den Oscar nominierter Co-Star Robert Forster hatte es etwas besser. Er war zwar auch größtenteils nur Gaststar und Nebendarsteller, aber immerhin blieb er danach von der Sorte Trashfilmrollen verschont, die schon größere Stars als ihn heimgesucht haben. Selbst die Fernsehserien, in denen er auftrat waren oft von akzeptabler oder wirklich hoher Qualität (“Breaking Bad” FTW!). David Carradines Karriere nach “Kill Bill” war hingegen schlichtweg tragisch. Seine beste Rolle nach seinem (wirklich Oscarreifen!) Auftritt in so seinem aufsehenerregenden Film, war ein Cameo im absolut beschissenen “Crank 2”. Und die Filme, in denen der arme Michael Madsen oft auftritt, sollte man am liebsten komplett vergessen. Leider sind das aber keine Ausnahmen, das sind so ziemlich die Regeln!

Okay, bevor ihr damit anfangt: Klar, es gibt da noch Beispiele wie Steve Buscemi, Samuel L. Jackson, Michael Fassbender und natürlich Christoph Waltz. Und ich will hier wirklich nicht so tun, als würde es überhaupt keine Vorteile geben, wenn man bei Tarantino vor der Kamera steht. Solltet ihr, wie im Falle der eben genannten Namen, zu den Akteuren gehören, die sich schon einen gewissen Ruf als hart arbeitender Charakterdarsteller erarbeitet haben, kann euch die Arbeit mit Tarantino tatsächlich zum Star machen! Buscemi arbeitete vor “Reservoir Dogs” schon mit den Coen Brüdern und hatte eine ziemlich lange Filmographie vorzuweisen. Samuel L. Jackson kannte man vorher schon aus einigen Spike Lee Filmen. Zudem war er nur kurz zuvor in “Jurassic Park” und war auch schon in einigen Hauptrollen zu sehen. Fassbender hatte vor “Inglorious Basterds” (oder wie auch immer das absichtlich falsch buchstabiert wurde) mit “300” seinen ersten, großen Hit und Christoph Waltz war in Europa schon seit Längerem als preisgekrönter Schauspieler ein Begriff. Und ja, nach ihren Auftritten in Tarantinos Filmen wurden sie erst so richtig bekannt. Und ich bin mal so gnädig und sage: “Quentin Tarantino hat ein gutes Händchen beim Casting”. Das meine ich sogar aufrichtig. Aber wir sollten nicht so tun, als wäre er der Einzige in Hollywood. Wie gesagt: Diese Schauspieler waren vorher schon recht bekannt und gut beschäftigt. Früher oder später hätten sie vermutlich ohnehin ihren großen (internationalen) Durchbruch gehabt.

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Ja, ich weiß, dieser Beitrag liest sich zum größten Teil schon etwas wie einer dieser gehässigen “LOL, machen wir uns über ehemalige Stars lustig” Clickbait Artikel, Marke Perez Hilton, Buzzfeed, HitFix und Co. Ich schwöre, das war nicht meine Intention. Es nervt nur immer, über diesen Mythos zu lesen, der ganz einfach mit einem Blick auf IMDb widerlegt werden kann. Wie zuvor gesagt: Ich mag, dass Tarantino zu unrecht vergessenen Schauspielern immer wieder eine Chance gibt. Sogar eine richtige Chance und nicht einfach nur einen “blink and you miss it” Cameo, wie so viele andere Regisseure es tun. Und wenn man 1 1/2 Augen zudrückt, bekommt ihre Karriere durch ihn tatsächlich sogar einen Aufschwung. Gut, nicht im Maße von John Travolta, aber ich wette, sie alle bekommen nun mehr Geld für ihre kleinen Nebenrollen in DTV-Trashfilmen und vor allem steht ihr Name nun groß auf den Covern. Das ist mehr, als ich von meiner Showbizkarriere behaupten kann.

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