Hey, der montägliche Akte X Spätstart Report ist wieder da! (Interessiert vermutlich niemanden, aber whatever.) Die heutigen beiden Folgen „Schlaflos“ und „Unter Kontrolle“ punkten an der Gaststarfront und 50% von ihnen, wären auch ohne diesen Bonus top!

Am Anfang von „Schlaflos“ bricht in der Wohnung eines Mannes plötzlich ein Feuer aus. Als die Feuerwehr die Treppe hinaufrennt, treffen sie dabei auf Tony Todd, der nicht nur zwielichtig grinst, sondern auch eine riesige Narbe am Nacken hat. Also können wir jetzt schon davon ausgehen, dass er das Feuer gelegt hat. Doch halt! In der Wohnung ist gar kein Feuer und scheinbar war da auch nie eines! Der Mann ist trotzdem tot. Wie Scully später herausfindet, starb der Mann aber an inneren Ursachen, die normalerweise nur bei einem Brand auftreten.

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Alles ist besser mit Tony Todd

Dies ist eine wenig originelle und mäßig unterhaltsame „schnappt den übernatürlichen Serienkiller“ Folge. Ausnahmsweise sind es diesmal aber hauptsächlich die Mythologieteile, die für den Unterhaltungswert sorgen. So hat Mulder plötzlich einen neuen Informanten. Auch wenn der ihm nur widerwillig zu helfen scheint, da er keinen Bock auf das Schicksal seines Vorgängers hat. Zudem bekommt Mulder einen neuen Partner. Krycek (Nicholas Lea) war zuerst an dem Fall des geheimnisvollen Nicht-Feuertodes dran und überzeugt Mulder mehr oder weniger zu einer Zusammenarbeit. Der junge Agent wirkt ziemlich harmlos, doch am Ende finden wir heraus, dass dem natürlich nicht so ist.

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Etwas enttäuschend ist hingegen der Killer. Tony Todd ist ohne Zweifel ein talentierter Schauspieler und seine Auftritte werten den Plot auch noch mal auf. Sowohl als unheimlicher Psychopath, der seinen Opfern glauben machen kann, dass sie gleich auf eine bestimmte Art sterben, als auch in seiner großen Szene am Schluss, in der er sich als tragische Figur entpuppt, überzeugt er voll und ganz. Leider ist die Hintergrundgeschichte dieses Charakters ziemlich klischeehaft angelegt und besteht aus den beliebtesten Vietnamkriegstraumata und einer Geschichte über Regierungsexperimente zur Erschaffung von Supersoldaten. Warum er allerdings als Einziger aus seiner Truppe übersinnliche Fähigkeiten besitzt und wie diese funktionieren, bleibt unklar. Das man sehr viel Disbelief suspenden muss um zu schlucken, dass Menschen sich selber z.B. innere Schusswunden zufügen können, indem sie ganz fest glauben, dass sie von einer Kugel getroffen wurden, lassen wir mal mit einem „Ist halt Fantasy“ so stehen.

unterkontrolle 01Viel, viel besser ist das Kammerspiel „Unter Kontrolle“. In dem Regiedebüt von Serienmastermind Chris Carter, geht es um den ehemaligen FBI Agenten Duane Barry (Steve Railsback), der seit Jahren in unregelmäßigen Abständen von Außerirdischen entführt wird und seitdem von Nervenheilanstalt zu Nervenheilanstalt geschickt wird. Da ihm natürlich seit Jahren niemand glaubt, explodiert die aufgestaute Frustration und er nimmt seinen Facharzt und ein paar Unbeteiligte als Geiseln. Aufgrund seiner Vorgeschichte als angebliches Entführungsopfer, wird Mulder als Experte und Unterhändler hinzugezogen.

Dies ist die bis jetzt beste Folge der noch jungen zweiten Staffel und zudem eine der insgesamt besten bis jetzt. Railsback, der seit Jahrzehnten einer der verlässlichsten B-Film Charakterdarsteller ist, spielt sich die Seele aus dem Leib. Die Handlung fängt spannend an und tritt selbst nach Ende der Geiselsituation nicht auf die Bremse. Die absoluten Highlights sind aber die Flashbacks zu den Entführungen und Experimenten an Barry. Diese sind unglaublich spannend und manchmal auch schmerzhaft inszeniert. Nur die Alienkostüme wirken leider etwas billig und unfreiwillig komisch. Die meiste Zeit über kann Chris Carter sie zwar effektiv einsetzen, indem er die kleinen, grauen Männchen nur kurz zeigt oder im Schatten, hinter Plastikplanen o.ä. versteckt, aber leider gibt es ein paar Momente, in denen man sie zu gut sieht. Da frage ich mich, ob die HD Bildqualität eventuell schuld war. Im unscharfen früh-90er SD war es vielleicht nicht so schlimm.

Mulder als Opfer des "female gaze"

Mulder als Opfer des „female gaze“

Leider wird der andere große Gaststar CCH Pounder hier verheizt. Es ist zwar immer schön sie zu sehen, aber in dieser Folge hat sie nicht viel mehr zu tun, als Mulder ständig zu sagen, dass er sich falsch verhält und sich gefälligst ans Protokoll halten soll. Ein Blick auf IMDb zeigt, dass dies ihre einzige Folge war. Schade.

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Das ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einer durch und durch gelungenen Folge. Der Cliffhanger, mit dem „Unter Kontrolle“ endet, lässt mich auf eine spannende Fortführung hoffen. Aber darüber rede ich nächste Woche.

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