Amazon Pilot Season: The Last Tycoon

Nachdem “The Interestings” ziemlich lahm war, überzeugt “The Last Tycoon” mehr. Auch dieser Amazon Pilot ist nicht ohne Probleme, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir eine eventuell folgende Serie anschauen würde, ist ziemlich hoch.

The Last Tycoon_Box Art ┬® 2016 Amazon.com Inc., or its affiliatesDer Protagonist der Geschichte ist Monroe Stahr (Matt Bomer aus “White Collar”. Er war auch Bryce Larkin in “Chuck”.), seines Zeichens Filmproduzent im Hollywood der 30er Jahre. Von allen gemocht und respektiert, selbst von seinem grantigen Chef Pat Brady (“Frasier” Kelsey Grammer), arbeitet er zur Zeit hart daran, sein Traumprojekt zu verwirklichen: Ein Film, basierend auf dem Leben seiner verstorbenen Frau. Als die Nazis aber Änderungen im Skript verlangen und Brady ihnen nachgibt, um den wichtigen, deutschen Markt nicht zu verlieren, wird das Projekt auf Eis gelegt. Das könnte Monroe, trotz seiner jüdischen Herkunft und der Liebe zu seiner Frau, als der Profi der er ist, geraaaaaadeeeeee noch so verkraften, aber als diese Entscheidung zu einem tragischen Unglück führt, weiß er nicht mehr weiter. Da kommt es ihm mehr als recht, dass Cecelia (Lily Collins aus “Spieglein, Spieglein” und die Besitzerin der schönsten Augenbrauen Hollywoods), die leicht naive, aber clevere Tochter seines Bosses, die unsterblich in Monroe verliebt ist, eine Idee für einen Film hat, mit dem er es allen heimzahlen kann.

Diese Augenbrauen…*seufz*

Dies ist nicht die erste Verfilmung von F. Scott Fitzgeralds* unvollendetem Roman. Die Bekannteste ist vielleicht die aus dem Jahr 1976, mit Robert DeNiro, Tony Curtis, Jack Nicholson und Donald Pleasance. Allerdings ist es die Erste in Form einer Fernsehserie. Und wie schon erwähnt, bin ich weiteren Folgen durchaus nicht abgeneigt.

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*Hey, seine Frau ist doch die Hauptperson in Amazons “Z”. Rieche ich da ein Amazon Shared Universe?

Das Setting und die Figuren sind, wie ich zugeben muss, nicht gerade die originellsten. Da die Geschichte aber auf einem klassischen Roman basiert, bin ich bereit zu glauben, dass alle Klischees dort zum ersten Mal aufgetaucht sind und drücke ein Auge zu. (Ich nenne das die “John Carpenters Halloween Klausel”.) Dass das Drehbuch von Billy Ray (Autor von u.a. “Flightplan”, dem ersten “Hunger Games” Film, “Captain Philips”, sowie Erfinder der 90er Jahre Fernsehserie “Earth 2”), der hier auch Regie führte, aber wirklich stark ist und mit pointierten Dialogen und überraschenden Wendungen aufwarten kann, hilft zudem sehr. (Keine Ahnung, wie sehr ich ihm dafür gratulieren kann und wie viel davon auf Fitzgeralds Mist gewachsen ist.) Zudem gibt es einige Nebenhandlungen und Charaktere,  die hier noch nicht wirklich im Vordergrund stehen, aber Lust auf mehr machen.

Im Gegensatz zu “The Interestings” sind die Charaktere hier aber erfrischend vielschichtig. Zum Beispiel hat Monroe zwar etwas von einer “Mary Sue”, in der Art und Weise, wie er von allen geliebt wird und dank seiner hohen, moralischen und professionellen Standards vielleicht der einzig gute Mensch in Hollywood ist, aber schnell bröckelt diese Fassade und es wird klar, dass er seine Mitmenschen vielleicht nicht nur weiter drängt, als es gut für sie ist, sondern auch, dass man ihn besser nicht wütend machen sollte. Sein Boss ist einerseits der typische Hollywoodmogul, der Profit über alles stellt, aber andererseits hasst er sich auch für viele seiner Entscheidungen, ist ein liebender Vater und bereit, jedem eine Chance zu geben. Hinzu kommt ein Haufen schillernder Nebencharaktere, wie z.B. ein unbeholfener Blockbusterregisseur oder ein zwielichtiger Sicherheitschef, von denen man hoffentlich in Zukunft noch mehr sehen wird.

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“The Last Tycoon” hat dem “Das klassische Hollywood als Traumfabrik und Sündenpfuhl”-Subgenre nicht viel hinzuzufügen. Aber wie so oft werden hier alle altbekannten Versatzstücke zu einem unterhaltsamen Ganzen zusammengefügt. Dem Piloten nach zu urteilen, wird die Serie eine lupenreine Seifenoper sein, mit Intrigen, gebrochenen Herzen, etc. Das muss nichts schlimmes sein. Wenn wir etwas von Serien wie “Empire” oder “Downton Abbey” gelernt haben, dann, dass Soaps heutzutage wirklich erstklassig sein können. Und “The Last Tycoon” hat alle Zutaten für erstklassiges Soapvergnügen. Sollten also mehr Folgen produziert werden, wäre ich dafür.

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Bilder: Amazon

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