Filmkritik: Teenage Mutant Ninja Turtles 2 – Out Of The Shadows

tmntposter01Ach ja, die „Teenage Mutant Hero Ninja Turtles“. Dass das Konzept von vier menschengroßen Schildkröten, die das Böse bekämpfen, in den 90ern ein Hit werden würde, war ja abzusehen. Es waren halt die 90er. Dass dieses Konzept aber eine derartige Ausdauer haben würde, konnte wohl niemand ahnen. Ich meine, wer redet heute noch von den „Ring Raiders“, „Biker Mice From Mars“ oder ähnlichen 90er Dingern? Trotzdem, hier sind wir nun, im Jahre 2016 und die Turtles haben eine erfolgreiche Zeichentrickserie und einen neuen Kinofilm. Den hatten sie auch schon vor ein paar Jahren, doch dieser ist besser.

Die Handlung von „Out Of The Shadows“ ist ziemlich verworren. Im Groben geht es aber darum, dass Shredder mit der Hilfe von Baxter Stockman (Tyler Perry, der hierzulande unbekannt, in den USA aber dank seiner „Madea“ Filme zum verdammt reichen Superstar aufstieg.) aus dem Polizeigewahrsam befreit wird. Dies gelingt durch einen Teleportationsapparat, der Shredder aber erst in die Dimension des sprechenden Gehirns Krang (im Original gesprochen von Brad Garrett aus „Alle lieben Raymond“) versetzt. Dort bekommt er den Auftrag drei Artefakte zu finden und zusammenzusetzen, damit Krang mit seinem Technodrome auf die Erde gelangen und diese erobern kann. Und natürlich versuchen die Turtles dies zu verhindern.

Im Gegensatz zum letzten TMNT Film, der oft etwas unangebracht ernst und langweilig war, wird hier voll aufs Gas getreten und schon von der ersten Minute an klargestellt, dass die nächsten 100 Minuten albern, bunt und hyperaktiv sein werden. Jeder der Beteiligten vor und hinter der Kamera hat diesmal eindeutig mehr Spaß. Nicht nur in der Auswahl seiner Charaktere orientiert sich „Out Of The Shadows“ mehr an der 80er/90er Jahre Zeichentrickserie. Wirklich dramatische Momente gibt es hier kaum. Selbst Michealangelos etwas klischeehafter Wunsch sich nicht mehr in der Dunkelheit verstecken zu müssen und ganz normal unter den Menschen wandeln zu können, sorgt nur für minimalen Konflikt.

Der hier ist auch gut:  Klassische Filmkritik: The Car

rocksteadyDie vier Turtles sind diesmal wirklich sympathische und unterhaltsame Charaktere. Das pseudorealistische Design der aktuellen Filme wird zwar immer noch von vielen Fans abgelehnt, aber ich habe mich nicht nur daran gewöhnt, es gefällt mir sogar. Und ich glaube, selbst der größte CGI-Hasser muss hier eingestehen, dass die Dinge, die die Turtles hier tun, niemals mit Menschen in Kostümen möglich wären. Sie wirken einfach realistischer, auch wenn es hin und wieder scheint, als ob die Effektkünstler vielleicht noch ein oder zwei Monate mehr für die Fertigstellung einzelner Effekte brauchten. Es gibt zum Beispiel einen simplen Moment, in dem Rocksteady einfach nur dasteht und spricht, aber dabei etwas ruckelig wirkt. Fast, wie ein Stop Motion Effekt.

bebopApropos Rocksteady (und Bebop): Die beiden Typen stehlen den kompletten Film! In jeder Szene, in der die beiden auftauchen, sei es in ihrer menschlichen Form, gespielt von Gregory Anthony Williams („Boston Legal“) und Stephen Farrelly (aka WWE Superstar Sheamus) oder als Nashorn und Warzenschwein, sorgen sie für jede Menge Spaß. (Leichter Spoiler: Es ist gut zu wissen, dass die beiden den Film sogar überleben. Wenn sie im nächsten Teil wieder dabei sind, wird mein Arsch so etwas von im Kinosessel sitzen!) Der weitere Neuzugang auf der Schurkenseite, ist natürlich Baxter Stockman und auch wenn er hier nicht viel mehr zu tun hat, als nerdig zu sein, macht Tyler Perry dies mit Bravour. Auch er hat seine Momente, in denen er den Film an sich reißt. Nicht im gleichen Maße wie Bebop und Rocksteady, aber ich war positiv überrascht.

Etwas störend ist hingegen Casey Jones (Stephen Amell aus „Arrow“). Ich bin immer ziemlich offen, was Neuinterpretationen von Charakteren angeht, aber diese hier, in der er als Wärter für den Gefangenentransport von Shredder zuständig war und ihn nun nach dessen Ausbruch auf eigene Faust wieder zurückbringen will, funktionierte irgendwie gar nicht. Dieser Casey ist ein Sonnyboy, der gerne Polizist sein würde und nur deshalb seine Hockeymaske trägt, weil er sie zufällig im Kofferraum hatte, als er in seinen ersten Kampf geriet. Und seine Chemie mit April O‘Neil (Immer noch Megan Fox) ist kaum vorhanden. Dummerweise verbringt er die meiste Zeit an ihrer Seite.

Der hier ist auch gut:  Reise nach 1997: The Night Flier

Die Inszenierung von Dave Green („Earth To Echo“) orientiert sich an der von Jonathan Liebesman aus dem vorherigen Film, wenn auch ohne dessen etwas nervige Angewohnheit, die Kamera ständig hin und her schweben zu lassen. Leider sind auch die Actionszenen etwas übermäßig schnell und konfus geschnitten, wenn sie auch nicht so frustrierend sind, wie in vielen anderen Hollywoodstreifen dieser Tage. Sollte der Mann im nächsten Teil wieder auf dem Regiestuhl sitzen, hätte ich aber nichts dagegen.

tmntposter02Also, ob und wie stark ihr diese Film genießt, ist auf jeden Fall abhängig davon, wie ernst ihr einen Film über sprechende Schildkrötenninjas, die einen Schurken namens „Shredder“ und einen außerirdischen Roboter mit einem sprechenden Gehirn im Bauch bekämpfen, nehmen könnt. Je weniger, desto besser. „Out Of The Shadows“ ist pure Unterhaltung im Stile eines Cartoons. Nicht mehr, nicht weniger, aber genau richtig in meinen Augen. Was es mich angeht, ist dies der beste TMNT Film, den wir bis jetzt hatten. Er ist kein Meisterwerk, das das Genre oder euer Leben für immer verändern wird, aber das will er auch nicht. Es ist purer Popcornfun, basierend auf einem Comic, den viele Fans und Kritiker viel ernster nehmen, als es jemals geplant war.

(Gesehen in Toronto, deutscher Kinostart ist der 11.August 2016)

Facebooktwittergoogle_plusredditpinteresttumblr

One thought on “Filmkritik: Teenage Mutant Ninja Turtles 2 – Out Of The Shadows”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.